Verpackungen Papier, Gras und Stein

Natürlich anmutende Etiketten auf der einen, Metallic-Look für den schrillen Markenauftritt auf der anderen Seite. Die Trends sind vielfältig, haben jedoch eins gemeinsam: Nachhaltig müssen sie sein.

Freitag, 12. Februar 2021 in Management
Silke Wartenberg
Artikelbild Papier, Gras und Stein
Bildquelle: Etikett Schiller

Die Liste der Etiketten aus nachhaltigen Materialien wird immer länger: Graspapier, Steinpapier, kompostierbare Materialien aus Folie und Papier, rPE und rPP aus recyceltem Plastikmüll, Zuckerrohr und einiges mehr. Diese Materialien sind in der Regel teurer als der Standard, der normalerweise verwendet wird. Aber waren es früher nur vereinzelte kleine Unternehmen, die bereit waren, für eine nachhaltige Verpackung auch mehr auszugeben, so kommt inzwischen kein Verpackungshersteller mehr am Thema Nachhaltigkeit vorbei. „Mittlerweile bemerken wir den Trend, dass immer mehr mittelständische und größere Unternehmen an nachhaltigen Materialien interessiert sind. Dies ist wohl unter anderem darin begründet, dass vom Endverbraucher ein immer größerer Druck auf die Anbieter ausgeübt wird und sich auch größere Firmen der Thematik Nachhaltigkeit stellen müssen und nicht mehr nur an der Preisoptimierung arbeiten können“, sagt Gunther Schiller, Geschäftsführer der Etikett Schiller.

So sieht es auch Stefan Leske, Marketingleiter des Etikettenherstellers Bluhm Systeme: „Ressourcenschonende Systeme und Materialien sind gefragt. Wir antworten auf solche Anforderungen mit Etikettiersystemen, die weniger oder gar keine Druckluft verbrauchen und beispielsweise Linerless-Etiketten verarbeiten können.“ Linerless-Etiketten haben kein Trägerpapier, welches später entsorgt werden muss, da hier ein spezieller Kleber zum Einsatz kommt, der erst un‧mittelbar vor dem Etikettiervorgang durch Hitze oder Wasser aktiviert wird.

Eine weitere Herausforderung für die Etikettenhersteller: Die Verbraucher wünschen mehr Transparenz über die Produkte entlang der vollständigen Lieferkette. Folglich werden die anzubringenden Produktinformationen umfangreicher. Entsprechend sind Booklet-Etiketten oder Full-Wrap-Etiketten auf dem Vormarsch, die es erlauben, mehr Informationen zum Produkt selbst sowie etwa Rezeptvorschläge unterzubringen. Während Booklet-Etiketten mehrlagige Etiketten sind, umschließen Full-Wrap-Etiketten alle vier Seiten einer Packung. Besonders hoch sei das Informationsbedürfnis bei Fleischverpackungen, erklärt Carsten Redweik, Vertriebsleiter Deutschland Papier und Etiketten beim Verpackungsmaschinenhersteller Bizerba. Daher würden immer mehr Informationen in die Oberfolien integriert.

Gunther Schiller sieht grundsätzlich einen Trend in Richtung Graspapier- und Steinpapier-Etiketten. Beide Materialien seien über den gesamten Produktionsprozess an Nachhaltigkeit nicht zu schlagen, was auch vom Endverbraucher wahrgenommen werde. Aktueller Top-Trend ist Graspapier, das vor allem bei Bio-Lebensmitteln wie Honig, Gemüse und Obst sowie bei Hofgütern verwendet wird.

Verschiedene Produkte, unterschiedliche Etiketten
Nicht jede Etikettierlösung ist gleichermaßen gut für jedes Lebensmittelprodukt geeignet. „Für Tiefkühlanwendungen sind zum Beispiel All-Electric-Etikettiersysteme, die ohne Druckluft betrieben werden, optimal“, erklärt Stefan Leske. Denn Luft, also auch Druckluft, enthält Wasser in Form von Dampf. Dies ist im Tiefkühlbereich problematisch, sodass im Falle eines Etikettiersystems mit Druckluft eine beheizte Einhausung notwendig ist. Aber auch nicht jedes Etikettenmaterial ist für Tiefkühlanwendungen geeignet. Es gibt Materialien, die bei Minusgraden steif und brüchig werden und sich schlecht verarbeiten lassen. Ebenso kommen Linerless-Lösungen, bei denen der Kleber mit Nässe aktiviert wird, nicht für Tiefkühlanwendungen infrage. Allerdings gibt es natürlich auch Etikettierlösungen für TK-Bereiche, wie Etiketten mit einem speziellen Klebstoff, der sogar auf einem extrem kalten, gefrorenen Untergrund sofort zuverlässig haftet.

Ungeeignet für Produkte in der Frischetheke sind Papieretiketten, da sie Feuchtigkeit ziehen und die ‧aufgedruckten Informationen verwischen können. Steinpapier-Etiketten sind hier eine Alternative, weil sie wasserfest sind und Temperaturen von minus 20 bis plus 80 Grad Cel‧sius standhalten.

Bei abgepackten Produkten wie Fleisch, Wurst, Käse oder Obst und Salat kommen häufig Full-Wrap-Etiketten zum Einsatz. Diese Lebensmittel würden in der Regel in Sichtverpackungen wie Tiefziehpackungen, Trays, Klappblistern oder Clamshell-Behältern abgepackt, so Leske. „Full-Wrap-Etiketten können hier gleich mehrere Funktionen übernehmen und Informationsträger, Verschlusssiegel sowie Marketingetikett in einem sein. Sie bieten maximale Fläche und viele Möglichkeiten, was die Gestaltung und Form angeht. Das Produkt bleibt dennoch gut sichtbar. Wie Sie sehen, gibt es viele Lösungen für die unterschiedlichen Anforderungen in der Lebensmittelindustrie.“