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Reduktionsstrategie Die richtige Richtung

Andrea Kurtz | 24. April 2020

Die Reduktionsstrategie der Bundesregierung zeigt nach Angaben von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner Wirkung. Die Branche sieht das etwas anders.

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„Es geht in die richtige Richtung“, sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung erster Daten zur nationalen Reduktionsstrategie für Zucker und Salz in Lebensmitteln. Aber es sei erst ein Anfang. „Fertigprodukte müssen gesünder werden“, betonte die Ministerin erneut. „Dabei muss die Reduzierung von Salz, Zucker und Fett einer Überprüfung standhalten – das habe ich immer deutlich gemacht.“ Hersteller und Verbände reagierten unterschiedlich: Der Lebensmittelverband zum Beispiel ist zufrieden mit dem Zwischenergebnis; die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreier Getränke (wafg) stellt fest, dass die MRI-Datenbasis bei Erfrischungsgetränken anders beziehungsweise im Zeitraum kürzer bestimmt ist als bei den anderen Kategorien.

Kinderprodukte im Fokus
Nach einer Erhebung des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts (MRI) ging etwa der Zuckergehalt bei speziell für Kinder beworbenen Joghurtzubereitungen seit 2016 um 7,4 Prozent zurück. Er sei aber weiter höher als in Produkten, die nicht extra für Kinder angepriesen werden. „Da muss die Wirtschaft nachsteuern“, sagte Klöckner.

Klöckner verglich in Berlin einige Daten mit denen der Basiserhebung von 2016: So enthielten jetzt Quark-Zubereitungen für Kinder 18 Prozent weniger Zucker bei gleichzeitiger Abnahme des Energiegehalts um zehn Prozent; Knusper-Schoko-Cerealien für Kinder enthielten jetzt 17 Prozent weniger Zucker. Außerdem seien im Vergleich zu 2016 etwa 35 Prozent weniger Zucker in Erfrischungsgetränken für Kinder enthalten. Ein Blick in ein anderes Sortiment erfreut Klöckner ebenfalls: Tendenziell weniger Salz finde sich auch in Tiefkühlpizzen. Klöckner sagte, über Selbstverpflichtungen zeigten sich in vielen Bereichen sogar schnellere Veränderungen, als gesetzliche Regelungen sie gebracht hätten. Sie schloss aber solche Eingriffe nicht aus, wenn Ziele nicht eingehalten werden.

„Freiwilligkeit funktioniert“
Die Hersteller dagegen fordern massiv, dass es bei einer Freiwilligkeit bleibe. „Freiwilligkeit funktioniert“, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland. Der Verband sei zufrieden mit den ersten Monitoring-Ergebnissen, man dürfe nicht vergessen, dass es erst April 2020 sei und die Zielvereinbarungen erst 2025 vollständig umgesetzt sein soll.“ Auch das Deutsche Tiefkühlinstitut (dti), das mit seinen Mitgliedern die Nationale Strategie der Ministerin unterstützt und einen Branchenbeitrag zur Salzreduktion in Tiefkühlpizza zugesagt hat, sieht sich auf einem guten Weg. Die Untersuchung des MRI sei nur eine Momentaufnahme. „Unser Ziel ist, bis 2025 eine Salzreduktion mit einem durchschnittlichen Gehalt von 1,25 Gramm Salz pro 100 Gramm über das gesamte Tiefkühl-Pizza-Sortiment zu erreichen“, erklärt dti-Chefin Dr. Sabine Eichner.

„Wir befinden uns im Corona-Krisenmanagement, um die Versorgungslage aufrechtzuerhalten“, sagte dagegen wafg-Hauptgeschäftsführer, Dr. Detlef Groß. Sobald es die Situation zulasse, würde der Verband die MRI-Erhebung genauer ansehen. Wichtig seien aber folgende Einordnungen: „Das Monitoring des MRI ist eigenständig und bezieht sich ausdrücklich nicht auf unsere Branchenvereinbarung mit dem BMEL“, so Groß. „Zum anderen hinkt der Vergleich mit Blick auf die präsentierten Ergebnisse, denn unsere Kategorie wurde mit einem wesentlich kürzeren Erhebungszeitraum betrachtet.“ Das gehe in der Kommunikation komplett unter. „Und anders als andere beziehen wir uns auf die Gesamtkategorie, nicht nur auf sogenannte ‚Kinderprodukte‘“, machte Groß deutlich.