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Kolumne Dr. Rüschen Profiteure oder Helden

Stephan Rüschen | 30. März 2020
Kolumne Dr. Rüschen: Profiteure oder Helden
Bildquelle: Getty Images

Der Lebensmittel-Einzelhandel kann sich über Umsatzzuwächse von bis zu 100 Prozent freuen. Ist er ein Gewinner der Corona-Krise?

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Deutschland steht still. Die scheinbar einzige Branche, die in dieser Krise boomt, ist der Lebensmittelhandel mit Umsatzzuwächsen von bis zu 100 Prozent. Getrieben sind diese Zuwächse nicht nur von kurzfristigen Hamster-Käufen. Denn Restaurants, Imbisse, Kantinen und Mensen sind geschlossen, sodass die Kunden nur noch zu Hause essen und trinken können. Von diesen eingebrochenen Out-of-Home-Umsätzen wird der LEH über die gesamte Krise und auch noch danach profitieren. Sind daher die Einzelhändler primär als die Profiteure anzusehen? Scheinbar ja, denn auch die Gewinne werden signifikant steigen. Da aber der deutsche LEH weitestgehend inhabergeführt wird, werden keine Gewinne an Aktionäre abfließen. Vielmehr werden die selbstständigen mittelständischen Einzelhändler (Rewe und Edeka) sowie inhabergeführten Filialisten (Schwarz-Gruppe, Aldi, dm, Rossmann, Müller, etc.) diese Gewinne in ihr eigenes Geschäft reinvestieren. Investitionen, die wir benötigen, um nach der Krise und der Rezession unsere Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Helden? Ja, die vielen Mitarbeiter an der Kasse, an den Theken oder beim Wareverräumen sind die wahren Helden. Während viele von uns im Homeoffice „Social distancing“ praktizieren, riskieren sie jeden Tag ein Stück weit ihre Gesundheit. Denn „Social distancing“ ist im Laden schwer umsetzbar. Der Dienst, der an der Gesellschaft von den Marktmitarbeitern erbracht wird, verdient unsere höchste Anerkennung und Wertschätzung. Nur dadurch besteht die Chance, dass unser Gesellschaft nicht in Panik gerät, sondern die Möglichkeit hat, mit etwas Besonnenheit nach der Krise wieder aufstehen zu können.

Viele Kunden haben in diesen Tagen Verständnis, dass nicht alle Artikel immer vorrätig sind und dass die Mitarbeiter im LEH in der angespannten Situation nicht immer ein Lächeln auf dem Gesicht an der Kasse oder an der Bedienungstheke haben können. Leider erleben wir aber auch Situationen von zu Unrecht aufgebrachten und aggressiven Kunden. Ein solches Verhalten ist schäbig. Dabei sollten wir doch alle bei jedem Einkauf unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Das ist so einfach: Der Kassiererin ein Lächeln schenken oder dem Mitarbeiter im Verkauf Danke sagen, dass er/sie diesen wichtigen Job in diesen schwierigen Zeiten für uns alle macht. Wertschätzung füreinander ist etwas, was wir in dieser Zeit wieder lernen können und uns auch für die Zeit nach der Corona-Krise bewahren sollten.