Edeka Hessenring Förderauftrag im Fokus - Seite 2

Edeka Hessenring ist mit Abstand Marktführer in der Region. Das Management sieht noch viel Raum für organisches Wachstum und verzichtet gezielt auf Gewinne aus dem Warengeschäft.

Freitag, 27. August 2010 - Management
Markus Oess
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Inhaltsübersicht

Herr Steffen, Edeka Hessenring hat im März Dosengetränke (Bier und AfG) unter Eigenmarken in die Regale gebracht. Warum die Dosen?
Hans-Jürgen Steffen: Die Vorteile überwiegen. Gerade bei Bier hat sich PET als Alternative zu Mehrweg nicht bewährt. Der Niedergang der Dose war eine politische Entscheidung, nicht die des Verbrauchers. Die Dosen haben zudem Handlingsvorteile für uns.

Was macht das Geschäft?
Der Umsatz mit den Dosen liegt über unsere Erwartungen. Wir hatten mit einem Volumenplus von 50 Prozent geplant, bewegen uns aber derzeit bei plus 78 Prozent. Wir erweitern die Linie mit Radler und Cola-Mix. Wir haben den Wiedereinstieg mit Dosen zum richtigen Zeitpunkt vor den Discountern geschafft.

Was ist mit den Eigenmarken, in welchen Bereichen ist eine weitere Forcierung sinnvoll?
Der Trend zu Eigenmarken besteht ja nicht erst seit gestern. Vielleicht lässt sich eine Intensivierung feststellen, mehr aber nicht. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg für den Handel richtig ist, aber wie gesagt, die Grundrichtung existiert nicht erst seit Kurzem. Auch die Edeka setzt den vor Jahren begonnenen Weg konsequent fort.

Wer wird der Verlierer sein?
Auch das ist klar: Die unprofilierten Marken, die keinen zusätzlichen Nutzen für die Verbraucher bieten, werden es immer schwerer haben. Interessant und eine sehr ernstzunehmende Entwicklung ist die Strategie einiger Markenartikler, mit eigenen Marken auch das Preiseinstiegssortiment zu besetzen.

Ist das nicht eher das klassische Handelsrevier?
Wenn es den Marken gelingt, ausreichend Werbedruck zu erzeugen und der Verbraucher das will, werden wir an diesen Angeboten nicht vorbeikommen. Wie gesagt, eine spannende Entwicklung.

Was halten Sie von den aktuellen Bemühungen des Bundeskartellamtes? Es hat den Anschein, der Name Edeka habe dort nicht unbedingt einen wohlwollenden Klang…
Wir haben noch keinen Besuch erhalten. Ernsthaft, es fällt mir schwer einzuordnen, welche rein ordnungspolitische Ziele das Bundeskartellamt in Zusammenhang mit der Edeka verfolgt.

Was halten Sie von dem viel zitierten Kooperationswillen zwischen Industrie und Handel, Stichwort ECR?
Nicht alles, was da propagiert wird, klingt glaubwürdig. Dennoch sehe ich durchaus Chancen, in der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten einen Mehrwert für alle Beteiligten und den Verbraucher zu schaffen. Wir testen aktuell mit Ball Packaging Europe im Zusammenhang mit der Getränkedose, wie wir die Lasten der Dosenrücknahme gerechter verteilen können und nicht ausschließlich dem Einzelhandel aufbürden. Ein viel versprechendes Projekt, das wir auch auf dem ECR-Tag im September vorstellen werden.
Hessenring hat 2009 beim Jahresüberschuss für den Teilkonzern gegenüber dem Vorjahr 5,7 Mio. Euro auf 16,8 Mio. Euro „gezielt reduziert“, den bereinigten Umsatz aber um knapp 1,6 Prozent auf 1,15 Mrd. Euro gesteigert. Die Edeka Hessenring konnte das vierte Jahr in Folge den Umsatz in der Summe ausbauen. Schneeweiß und sein Amtskollege Hans-Jürgen Steffen beurteilen gerade mit Blick auf die hohen Preis- und Förderleistungen das Jahr 2009 für Blau-Gelb als befriedigend. Das Eigenkapital stieg absolut erneut auf 260 Mio. Euro, die Quote liegt bei gestiegener Bilanzsumme bei knappen 51 Prozent. Für 2010 ist vorsichtig ein leichtes Umsatzplus geplant. Der Marktanteil der Melsunger liegt bei schätzungsweise 27 Prozent und konnte abermals gesteigert werden. Die durchschnittliche Verkaufsfläche durchbrach erstmals mit 1.028 qm die 1.000er-Marke. Die Umsätze und Ergebnisse der wesentlichen Tochter-Unternehmen entwickelten sich unterschiedlich. Für das laufende Jahr planen die Hessen vorsichtig mit einem leichten Zuwachs. Marktkauf bezeichnet das Management als große Herausforderung. Es sei falsch, bei Verlusten von 5,9 Mio. Euro, optimistischen Hoffnungen für dieses Konzept im Melsunger Absatzgebiet zu schüren. Allerdings sind in den Verlusten vorgezogene Abschreibungen in Höhe von rund 2 Mio. Euro enthalten sind, die ab 2013 wegfallen.