Edeka Hessenring Förderauftrag im Fokus

Edeka Hessenring ist mit Abstand Marktführer in der Region. Das Management sieht noch viel Raum für organisches Wachstum und verzichtet gezielt auf Gewinne aus dem Warengeschäft.

Freitag, 27. August 2010 - Management
Markus Oess
Artikelbild Förderauftrag im Fokus

Inhaltsübersicht

Herr Schneeweiß, wie läuft es aktuell?
Hans-Richard Schneeweiß: Zufriedenstellend. Wir sind mit Respekt ins neue Jahr gestartet und haben entsprechend zurückhaltend geplant. Wir liegen leicht über Vorjahr.

Spüren Sie auf der Fläche etwas von der aktuellen Schuldenkrise in Europa?
Realistisch betrachtet lassen sich die Umsatzrückgänge nicht unbedingt der Krise zuordnen. Unsere Bevölkerung schrumpft und damit auch die Nachfrage. Zudem haben sich die Preise in den ersten Monaten nach unten bewegt. Dazu kommt der Trend zu günstigeren Eigenmarken. Tatsache ist aber, dass der Aktionsanteil am Umsatz wächst.

Wie wird 2010 laufen?
Wir planen über alles mit einem minimalen Wachstum im Bereich von 0,1 Prozent.

Wie viel wollen Sie in diesem Jahr investieren?
Wir haben ein Budget von etwa 70 Mio. Euro. Davon gehen in den Einzelhandel, also Neubau, Erweiterungen oder Renovierungen, rund 42 Mio. Euro. Der Rest fließt unter anderem in IT-Projekte, konkret gesprochen in unseren Quotenanteil für LUNAR und in unser eigenes Projekt SONAR, das die Zeit, bis LUNAR läuft, überbrücken soll.

Edeka Hessenring hat den Jahresüberschuss gezielt reduziert, was waren die Gründe?
Wir haben uns strategisch entschieden, künftig auf Gewinne aus dem Warengeschäft zu Gunsten unserer Kaufleute zu verzichten. Preisvorteile über 9 Mio. Euro haben wir unmittelbar an den SEH weitergereicht. Dazu kommen Umsatzvergütungen in Höhe von 16,5 Mio. Euro sowie weitere Expansionsvergütungen. Der Zweck unserer Großhandlung besteht nicht darin, Gewinne zu erzielen, sondern unsere Kaufleute zu fördern.

Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Marktkauf wird bei Edeka Hessenring…
… eine besondere Herausforderung bleiben. Bei Verlusten von 5,9 Mio. Euro wäre es falsch, optimistische Hoffnungen für dieses Konzept in unserem Absatzgebiet zu schüren, auch wenn in den Verlusten vorgezogene Abschreibungen in Höhe von rund 2 Mio. Euro enthalten sind, die ab 2013 wegfallen.

Hessenring ist mit Abstand Marktführer in der Region, wo sehen Sie noch Raum für die Expansion?
Etwas geht immer. Bis wir unser Expansionspotenzial gänzlich ausgeschöpft haben, schreiben wir das Jahr 2020. Fest steht auch, wir bleiben in unserem Absatzgebiet. Nennenswerte Zukäufe kann ich schon allein auf Grund der kartellrechtlichen Vorgaben ausschließen. Wir wollen organisch mit unseren bestehenden Geschäftsfeldern wachsen.

Wird sich noch etwas am Status von Hessenring innerhalb der Edeka-Gruppe ändern?
Wir haben vor zwei Jahren den Vollwertigkeits-Status erreicht. Diesen wollen und werden wir auch in Zukunft gern erfüllen.
„Der Zweck der Großhandlung besteht nicht darin, Gewinne zu erzielen.“
Hans-Richard Schneeweiss, Geschäftsleitung Edeka Hessenring

Leichtes Plus geplant
„Wir haben uns strategisch entschieden, künftig auf Gewinne aus dem Warengeschäft zu Gunsten unserer Kaufleute zu verzichten. Preisvorteile über 9 Mio. Euro haben wir unmittelbar an den SEH weitergereicht. Dazu kommen Umsatzvergütungen in Höhe von 16,5 Mio. Euro sowie weitere Expansionsvergütungen. Der Zweck unserer Großhandlung besteht nicht darin, Gewinne zu erzielen, sondern unsere Kaufleute zu fördern“, betont Hans-Richard Schneeweiß von der Edeka Hessenring (siehe S. 26).


Herr Steffen, Edeka Hessenring hat im März Dosengetränke (Bier und AfG) unter Eigenmarken in die Regale gebracht. Warum die Dosen?
Hans-Jürgen Steffen: Die Vorteile überwiegen. Gerade bei Bier hat sich PET als Alternative zu Mehrweg nicht bewährt. Der Niedergang der Dose war eine politische Entscheidung, nicht die des Verbrauchers. Die Dosen haben zudem Handlingsvorteile für uns.

Was macht das Geschäft?
Der Umsatz mit den Dosen liegt über unsere Erwartungen. Wir hatten mit einem Volumenplus von 50 Prozent geplant, bewegen uns aber derzeit bei plus 78 Prozent. Wir erweitern die Linie mit Radler und Cola-Mix. Wir haben den Wiedereinstieg mit Dosen zum richtigen Zeitpunkt vor den Discountern geschafft.

Was ist mit den Eigenmarken, in welchen Bereichen ist eine weitere Forcierung sinnvoll?
Der Trend zu Eigenmarken besteht ja nicht erst seit gestern. Vielleicht lässt sich eine Intensivierung feststellen, mehr aber nicht. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg für den Handel richtig ist, aber wie gesagt, die Grundrichtung existiert nicht erst seit Kurzem. Auch die Edeka setzt den vor Jahren begonnenen Weg konsequent fort.

Wer wird der Verlierer sein?
Auch das ist klar: Die unprofilierten Marken, die keinen zusätzlichen Nutzen für die Verbraucher bieten, werden es immer schwerer haben. Interessant und eine sehr ernstzunehmende Entwicklung ist die Strategie einiger Markenartikler, mit eigenen Marken auch das Preiseinstiegssortiment zu besetzen.

Ist das nicht eher das klassische Handelsrevier?
Wenn es den Marken gelingt, ausreichend Werbedruck zu erzeugen und der Verbraucher das will, werden wir an diesen Angeboten nicht vorbeikommen. Wie gesagt, eine spannende Entwicklung.

Was halten Sie von den aktuellen Bemühungen des Bundeskartellamtes? Es hat den Anschein, der Name Edeka habe dort nicht unbedingt einen wohlwollenden Klang…
Wir haben noch keinen Besuch erhalten. Ernsthaft, es fällt mir schwer einzuordnen, welche rein ordnungspolitische Ziele das Bundeskartellamt in Zusammenhang mit der Edeka verfolgt.

Was halten Sie von dem viel zitierten Kooperationswillen zwischen Industrie und Handel, Stichwort ECR?
Nicht alles, was da propagiert wird, klingt glaubwürdig. Dennoch sehe ich durchaus Chancen, in der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten einen Mehrwert für alle Beteiligten und den Verbraucher zu schaffen. Wir testen aktuell mit Ball Packaging Europe im Zusammenhang mit der Getränkedose, wie wir die Lasten der Dosenrücknahme gerechter verteilen können und nicht ausschließlich dem Einzelhandel aufbürden. Ein viel versprechendes Projekt, das wir auch auf dem ECR-Tag im September vorstellen werden.
Hessenring hat 2009 beim Jahresüberschuss für den Teilkonzern gegenüber dem Vorjahr 5,7 Mio. Euro auf 16,8 Mio. Euro „gezielt reduziert“, den bereinigten Umsatz aber um knapp 1,6 Prozent auf 1,15 Mrd. Euro gesteigert. Die Edeka Hessenring konnte das vierte Jahr in Folge den Umsatz in der Summe ausbauen. Schneeweiß und sein Amtskollege Hans-Jürgen Steffen beurteilen gerade mit Blick auf die hohen Preis- und Förderleistungen das Jahr 2009 für Blau-Gelb als befriedigend. Das Eigenkapital stieg absolut erneut auf 260 Mio. Euro, die Quote liegt bei gestiegener Bilanzsumme bei knappen 51 Prozent. Für 2010 ist vorsichtig ein leichtes Umsatzplus geplant. Der Marktanteil der Melsunger liegt bei schätzungsweise 27 Prozent und konnte abermals gesteigert werden. Die durchschnittliche Verkaufsfläche durchbrach erstmals mit 1.028 qm die 1.000er-Marke. Die Umsätze und Ergebnisse der wesentlichen Tochter-Unternehmen entwickelten sich unterschiedlich. Für das laufende Jahr planen die Hessen vorsichtig mit einem leichten Zuwachs. Marktkauf bezeichnet das Management als große Herausforderung. Es sei falsch, bei Verlusten von 5,9 Mio. Euro, optimistischen Hoffnungen für dieses Konzept im Melsunger Absatzgebiet zu schüren. Allerdings sind in den Verlusten vorgezogene Abschreibungen in Höhe von rund 2 Mio. Euro enthalten sind, die ab 2013 wegfallen.


 Fakten zu Hessenring

  • Die Melsunger verzichten auf Gewinne aus dem Warengeschäft und geben wirtschaftliche Spielräume im operativen Geschäftsverlauf unmittelbar an die Kaufleute weiter. Das Ergebnis aus dem reinen Warengeschäft des Großhandels bewegt sich 2009 bei 2,43 Mio. Euro bei einem Umsatz von 1,15 Mrd. Euro. Der Lagerumsatz liegt bei 1,06 Mrd. Euro, der Streckenumsatz bei lediglich 110 Mio. Euro, unter anderem auch, weil Hessenring Getränke über das Zentrallager abwickelt. Die Lieferquote beträgt etwa 95 Prozent.
  • Hessenring ist im Absatzgebiet mit schätzungsweise 27 Prozent unumstrittener Marktführer.
  • Die Bilanzsumme des Großhandels der Edeka Hessenring umfasst 486.948 Mio. Euro. Während die Immateriellen Vermögensgegenstände nur rund 17 Mio. Euro ausmachen, stehen 124 Mio. Euro Sachanlagen sowie 36 Mio. Euro Finanzanlagen in den Büchern. Die Eigenkapitalquote liegt aktuell bei 50,9 Prozent. Seit 2005 ist das Eigenkapital ununterbrochen auf heute 260 Mio. Euro gestiegen.
  • Hessenring steuert die Finanzierung im Wesentlichen ohne Banken, sondern über stille Beteiligungen, Kundenverkehrsguthaben und Orderschuldverschreibungen. Die Bankverbindlichkeiten beziffern sich laut Bilanz auf ganze 10 Mio. Euro.