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Warenverkaufskunde Hanf

Tobias Dünnebacke | 25. September 2020

Die Nutzpflanze Hanf steht schon längst für eine blühende Industrie. Produzenten beklagen aber die rechtliche Unsicherheit.

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„Superfood“ stellt einen großen Trend der vergangenen Jahre dar. Lebensmittel sollen nicht einfach satt machen und unserer Gesundheit nicht schaden, sondern auch eine positive Wirkung für unseren Organismus mitbringen. Açai- und Goji-Beeren oder Chia-Samen haben einen Siegeszug im Lebensmittel-Einzelhandel hingelegt. Der ganz große Hype derzeit sind aber Lebensmittel und Kosmetika auf der Basis von Hanf. Die Faserpflanze zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Das Besondere an dem Gewächs: Das so genannte Tetrahydrocannabinol (allgemein besser bekannt unter dem Kürzel THC), das zu den Rauschmitteln zählt und in den 1920er Jahren verboten wurde. Mittlerweile besteht ein allumfassendes Verbot in dieser Form nicht mehr. Vor allem beim Konsum von Cannabis zu medizinischen Zwecken, gab es in den vergangenen Jahren in Deutschland und anderen Ländern erhebliche Lockerungen. Für die Produzenten von Lebensmitteln und Kosmetika ist vor allem der so genannte Nutzhanf interessant. Die Produktpalette steigt zunehmend. Hanf wird immer häufiger von den großen Herstellern verarbeitet und die Produkte von großen Handelsketten angeboten.

Industriehanf eignet sich nicht als Grundlage für Haschisch
Nutzhanf wird auch Industriehanf genannt, um herauszustellen, dass die Pflanzen für eine legale kommerzielle Nutzung angebaut werden, abseits von Rausch- oder Arzneimitteln. Am häufigsten kommt hier die Art „Cannabis sativa“ zum Einsatz. Nutzhanf wird vor allem kommerziell angebaut, um Hanffasern zu gewinnen. Weitere Produkte sind unter anderem Hanfsamen (für Hanföl) und Hanfblüten (ätherisches Hanföl). Insgesamt gibt es 52 in der EU zugelassene Hanfsorten für den Nutzanbau. Diese Pflanzen enthalten einen sehr geringen THC-Anteil von unter 0,2 Prozent und eignen sich nicht für die Erzeugung von Haschisch oder Marihuana. Die Fasern finden Verwendung für Dämmstoffe und die Papierherstellung, die Samen werden genutzt zur Öl-Gewinnung und Blätter für Tees und Getränke.

Hype und Rätsel um CBD
THC gehört zur so genannten Gruppe der Cannabinoiden. Dazu zählt auch das Cannabinol (CBD), das keinen Rausch erzeugt. CBD wird heute als Öl, aber auch in Keksen, Kaugummi oder Schokolade verkauft. Der Stoff soll eine entspannende, beruhigende und sogar anti-depressive Wirkung ausüben. Die Auslobung mit solchen gesundheitsbezogenen Angaben ist natürlich verboten. Eine überzeugende Studienlage dazu fehlt. Aber hier fangen die Probleme erst an, denn über die Legalität des Verkaufs von CBD-Produkten wird derzeit heftig gestritten. Grund ist der europäische Novel Food Katalog und die Frage, ob Cannabinoide bereits vor dem 15. Mai 1997 in Lebensmitteln konsumiert wurden. Sollte dies nicht der Fall sein, so benötigen CBD-haltige Produkte eine bürokratisch aufwendige Neuzulassung.

Für das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist der Fall klar: alle Lebensmittel, insbesondere Nahrungsergänzungsmittel, welche CBD oder andere Cannabinoide enthalten, sind neuartige Lebensmittel und dürfen nicht so ohne Weiteres verkauft werden.

Der Branchenverband European Hemp Association kommt hingegen zu einer anderen Schlussfolgerung: Extrakte aus der Hanfpflanze seien mit der ganzen Pflanze gleichzustellen. Damit würden nicht alle Lebensmittel mit CBD automatisch als „neue“, zulassungspflichtige Produkte gelten. Die Verbraucherzentralen indes raten derzeit vom Verzehr CBD-haltiger Erzeugnisse ab.

Im August 2020 erklärte das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, dass in 49 Lebensmittelproben von CBD-Produkten fast die Hälfte der Proben auf Grund eines zu hohen THC-Gehalts nicht sicher seien.

Klare Rechtslage bei Produkten aus Hanf-Samen und -Blättern
In der Textil-Industrie, für Kosmetik und Lebensmittel wird in der Regel Nutzhanf verwendet, dessen Verarbeitung durch den niedrigen THC-Gehalt unproblematisch ist. Lebensmittel aus Samen oder Blättern für Tee fallen nicht unter die Novel Food Verordnung und dürfen verkauft werden. Besonders im Trend liegen derzeit Knabberartikel, Müsli- und Energieriegel, Frühstücksprodukte sowie Getränke auf Grundlage von Tee oder mit Hanfmilch und Bier mit Hanföl.

Drogeriekette sieht Potenzial
Dass Hanfprodukte wie Pilze aus dem Boden sprießen ist keine Neuheit mehr. Auch auf CBD-Öl und andere Produkte spezialisierte Fachgeschäfte sieht man immer häufiger in den Innenstädten. Rossmann ist von den großen Ketten der Händler, der das Thema aktiv nach vorne treibt. Auf der Homepage des Drogisten können aktuell 79 Produkte bezogen werden, die aus Bestandteilen der Nutzpflanze Hanf produziert wurden. Shampoos, Protein-Riegel, Kekse aber auch Premium CBD-Tropfen mit fünf Prozent Hanfextrakt. Die meisten Produkte sind interessanterweise von namhaften Herstellern wie Teekanne, Pulmoll, Kneipp, Garnier oder Tetesept. Dies zeigt die breite Akzeptanz, die das Thema in der großen Industrie und bei den bekannten Marken hat. Hanföl sei eine gute Hilfe bei trockenem Haar und empfindlicher Kopfhaut, da es reich an Omega-3– und Omega-6-Fettsäuren ist, und so von den Haaren besonders gut aufgenommen werden kann, erklärt der Händler in einem Ratgeber auf seiner Homepage.

Wissen Checken

Wer aufmerksam gelesen hat, kann die folgenden Fragen beantworten.

Fragen

  1. Welchen THC-Gehalt dürfen frei verkäufliche Hanf-Produkte maximal haben?
  2. Nenne zwei wichtige Cannabinoide.
  3. Ab welchem Jahr gelten Lebensmittel nach dem Novel Food Katalog als neu?

Antworten

  1. Bis 0,2 Prozent
  2. THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabinol)
  3. 1997

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken Rossmann, Nova-Institut, Bundeszentrum für Ernährung, Lebensmittelverband, Bundesverband Verbraucherzentralen, Europäischer Industriehanf Verband.