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Warenverkaufskunde Naturkosmetik

Alexander Krone | 27. April 2018

Kosmetik und Körperpflegeprodukte auf Basis natürlicher Rohstoffe sind gefragter denn je. Was steckt drin, und welche Siegel garantieren echte Naturkosmetik? Ein Überblick.

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Natürliche Wirkung

Natur- und naturnahe Kosmetik zählen seit Jahren zu den Wachstumstreibern für Schönheitspflege. Welche Kriterien die Produkte erfüllen müssen und worin sich die Zertifizierungen unterscheiden.

Cremes, Bodylotions und Make-up der Kategorie Naturkosmetik landen immer häufiger in den Einkaufskörben der Bundesbürger. 1,2 Milliarden Euro gaben die Bundesbürger 2017 für zertifizierte Naturkosmetik aus, so Branchen-Expertin Elfriede Dambacher, Inhaberin Naturkosmetikkonzepte. Der Absatz legte um 8 Prozent zu. Damit ist Deutschland nach wie vor der europaweit wichtigste Markt für grüne Schönheitsmittel.

Zurückzuführen ist das Wachstum vor allem auf die breitere Verfügbarkeit und Ausdehnung der Angebote im konventionellen Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) sowie Discountern, über die neue Käufer gewonnen werden konnten. Allergien, beispielsweise auf synthetische Inhaltsstoffe, die bewusste Entscheidung gegen Tierversuche in der Entwicklung und Produktion von Kosmetika sowie der allgemeine Trend zum nachhaltigen Konsum sind weitere Gründe für die seit Jahren beflügelte Nachfrage.

Was genau zeichnet Naturkosmetik jedoch im Vergleich zu konventionellen Produkten aus? Und worin unterscheiden sich die Produkte von naturnaher und Bio-Kosmetik? Fragen, die im Handel oft gestellt werden, aber nicht in zwei Sätzen zu beantworten sind. Hierzu muss man zunächst wissen: Bisher sind die Begriffe Bio- oder Naturkosmetik weder rechtlich definiert noch geschützt. Eine Reihe von Zertifizierungs-Standards bieten eine Orientierung für den Verbraucher, unterscheiden sich aber inhaltlich.


Unterschiedliche Anforderungen
Unter naturnaher Kosmetik sind Pflanzenkosmetika und „frei von“- Produkte zu verstehen, die auf eine Reihe herkömmlich eingesetzter synthetischer Roh- und Hilfsstoffe verzichten und verstärkt auf pflanzliche Inhaltsstoffe setzen. Für sie gibt es jedoch keine Mindeststandards.

Für „echte“, also zertifizierte Naturkosmetik gilt: Die Hersteller beschränken sich auf ein enges Spektrum an Roh-, Hilfs- und Wirkstoffen sowie spezielle Verarbeitungsverfahren. Viele in konventionellen Produkten gängige Inhaltsstoffe werden ausgeschlossen (insbesondere synthetische Farb- und Duftstoffe sowie Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte, zudem Konservierungsstoffe wie Parabene). Tabu sind bei den meisten Zertifizierungs-Labels zudem Gentechnik und ionisierte Strahlung. Tierversuche zu kosmetischen Zwecken sind in der EU seit 2013 generell verboten, das heißt auch für die konventionellen Produkte und Rohstoffe. In veganen Kosmetikprodukten wird darüber hinaus auf jegliche tierische Ausgangsstoffe wie Honig, Milch, Fette und Collagen verzichtet.

Zum Einsatz kommen Inhaltsstoffe pflanzlicher, teilweise auch mineralischer und tierischer Herkunft. Die mengenmäßig wichtigsten Inhaltsstoffe sind Öle, Fette und Wachse wie Olivenöl, Sheabutter, Arganöl oder Bienenwachs. Kräuterextrakte und Blütenwässer oder ätherische Öle und Aromen werden zudem verwendet. Je nach Zertifizierungsstandard müssen die pflanzlichen Rohstoffe zu einem bestimmten Mindestanteil aus kontrolliertem Bio-Anbau oder Wildsammlung stammen.

Herausfordernde Produktion
Im Fokus der Produktentwicklung von Naturkosmetikprodukten stehen statt chemischer Inhaltsstoffe also Wirkstoffe aus der Natur. Das Spektrum an Pflegeprodukten der Kategorie Naturkosmetik ist breit gefächert, es reicht von der Babypflege über Anti-Ageing-Produkte bis hin zum Segment „For Men“. Beispielhafte Rohstoffe sind etwa Calendula, deren hoher Gehalt an Carotinoiden zur Widerstandsfähigkeit der Haut beiträgt und Entzündungsprozesse lindert, Granatapfelöl, dem eine antioxidative und regenerierende und daher faltenlindernde Wirkung zugeschrieben wird, oder Lavendel, dessen Duft in Bad- und Duschpflege zur Entspannung beiträgt.

Naturstoffe enthalten immer Keime, umso wichtiger ist die Qualitäts-Kontrolle aller Rohstoffe. Verschiedene Prüfungen durchläuft allein das häufig verwendete Bienenwachs von Anlieferung bis zur Verarbeitung. Die Laboranten suchen zum Beispiel nach Pestiziden und krankheitserregenden Keimen. Auch nach Abfüllung des fertigen Kosmetikprodukts wird dessen Qualität geprüft: originalverpackte Muster von Anfang, Mitte und Ende der Abfüllung werden getestet. Erst nach der Freigabe werden die Produkte ausgeliefert. Der Verzicht auf Konservierungsstoffe wie Parabene stellt Hersteller von Naturkosmetika vor große Herausforderungen. Die Haltbarmachung basiert stattdessen auf der jeweiligen Rezeptur und dem Zusammenspiel der Inhaltsstoffe. Häufiger wird Alkohol eingesetzt, zudem haben ätherische Öle konservierende Eigenschaften. Erreicht wird in der Regel eine Haltbarkeit von rund 30 Monaten. Nach dem Öffnen verringert sich diese auf etwa sechs bis acht Monate.