Der natürliche Süßstoff, der aus den Blättern der in Paraguay wachsenden Pflanze Stevia rebaudiana gewonnen wird, soll kalorienfrei und bis zu 300 Mal süßer sein als Zucker. Stevia stand jedoch im Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat nun die Unbedenklichkeit des Stoffs festgestellt.
Die Industrie begrüßt die Zulassung. Coca-Cola und Cargill nutzen den Rohstoff bereits außerhalb der EU und wollen nun an Produkten für den europäischen Markt feilen. Auch Nordzucker kündigte an, ab dem 2. Dezember mit dem Vertrieb von Stevia und Kombinationen aus Stevia und Zucker für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie in der Europäischen Union beginnen zu wollen.
Wissenschaftler Udo Kienle wertet den Beschluss laut dpa als wichtigen Schritt, jedoch nicht als Durchbruch. „Mit den Vorgaben der EU können ab Dezember maximal 30 Prozent des Zuckers ersetzt werden", erläutert Kienle. Verbraucher könnten zwar Stevia-Süße und Stevia-gesüßte Lebensmittel wie Joghurt, Bonbons, Limo, Marmelade und Speiseeis kaufen. Die Auflagen seien aber hoch. Beispielsweise müssten Lebensmittelfirmen gewährleisten, dass eine Tages-Höchstdosis von 4 mg pro kg Körpergewicht nicht überschritten werde. Auch der Stevia-Anbau sei noch nicht zugelassen.
Kienle forscht seit rund 30 Jahren an dem Süßstoff. Es gebe noch reichlich Forschungsbedarf – auch von Seiten der Industrie, betont der Experte. „Die Herstellungsverfahren der Steviolglykoside sind noch nicht einheitlich genug. Jeder Hersteller macht es etwas anders und jedes Mal schmeckt der Stoff etwas anders." Auch weitere medizinische Studien seien sinnvoll. „Wenn es um die menschliche Gesundheit geht, hat die EU zu recht hohe Hürden gesetzt."
Stevia EU gibt grünes Licht
Die EU-Kommission hat die Verarbeitung des natürlichen Stevia-Süßstoffs Steviolglycosid in Lebensmitteln und Getränken erlaubt. Die Verordnung tritt am 2. Dezember in Kraft. Für Udo Kienle, Experte der Universität Hohenheim, ist die Teilzulassung noch kein Durchbruch.
Das könnte Sie auch interessieren
LP international - Nachrichten
-
USA/KanadaC.H. Guenther übernimmt kanadischen Tortilla-Hersteller Mejicano FoodsDer US-Lebensmittelhersteller C.H. Guenther & Son kauft den kanadischen Tortilla-Produzenten Mejicano Foods. Mit der Übernahme will das Unternehmen seine Kapazitäten in Nordamerika ausbauen. Hinter C.H. Guenther steht der Finanzinvestor PPC.
-
GroßbritannienAldi UK senkt die Preise bei Hunderten ProduktenDie britische Landesgesellschaft des Discounters Aldi hat im ersten Quartal 2026 einem Medienbericht zufolge 122 Millionen Pfund in Preissenkungen investiert. Hunderte Produkte aus den Bereichen Lebensmittel, Haushalt und Körperpflege seien günstiger geworden. Die Verbraucherorganisation Which? stufte den Discounter zuletzt als günstigsten Supermarkt des Landes ein.
-
SingapurOlam Group ersetzt CEO nach fast vier JahrzehntenFür den Agrar- und Lebensmittelkonzern Olam Group endet eine Ära: Mitgründer Sunny Verghese gibt nach fast vier Jahrzehnten den Chefposten bei dem Unternehmen mit Sitz in Singapur ab. Auch der Vorstandsvorsitzende und der Finanzchef treten ab. Der Umbau hängt mit dem geplanten Verkauf der Tochter Olam Agri an einen saudischen Investor zusammen.
Produkt des Jahres 2026
Im Heft
Nachhaltigkeit
-
Experte im LP-GesprächLebensmittelbranche braucht ganzheitliche Energie-Konzepte -
SpirituosenindustrieJägermeister produziert Flaschen mit 60 Prozent weniger CO₂ -
AuftaktveranstaltungMinisterium startet Dialog mit Lebensmittelbranche zu Lieferketten -
Hydroponik-AnbauRewe Group bringt besondere Salatmischungen in die Märkte