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Interview mit Manfred Kaul - Bonus GmbH Stärkenorientiert

Tobias Dünnebacke | 07. Oktober 2013

Die gemeinnützigen Bonus-Märke gewährleisten in strukturschwachen Regionen die Nahversorgung. Ein zweites Ziel ist die Unterstützung von Langzeitarbeitslosen, denen wieder Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt eröffnet werden sollen. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Manfred Kaul.

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Bereits seit acht Jahren gibt es die Bonus-Supermärkte. An den mittlerweile 31 Standorten der gemeinnützigen GmbH mit Sitz in Stuttgart arbeiten Langzeitarbeitslose und Jugendliche – viele mit Migrationshintergrund. Ziel ist es, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Erfolgsquote kann sich dabei sehen lassen. Die Politik lobt das Konzept in den höchsten Tönen – aber von Berlin werden dennoch die Mittel gestrichen. Im Interview mit der LEBENSMITTEL PRAXIS erklärt Geschäftsführer Manfred Kaul, Träger des Bundesverdienstkreuzes, warum er seine Arbeit trotzdem gerne macht und optimistisch in die Zukunft blickt.

Die Bonus gGmbH ist eine gemeinnütziges Unternehmen, das „schwer Vermittelbaren“ wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben will. Um was für Menschen handelt es sich hierbei?
Manfred Kaul: Wir beschäftigen Langzeitarbeitslose, Menschen mit einem schlechten Bildungshintergrund oder sprachlichen Barrieren. Personen mit einer schwierigen Wohnsituation oder mit Suchtproblematik. Im Prinzip geht es da um alles, was einer Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt im Weg stehen könnte.

Solche Menschen gelten nicht umsonst als Problemfälle. Wie erfolgreich können Sie Ihre Ziele umsetzen?
Ein Teil unserer Philosophie ist es, dass wir stärken- und nicht schwächenorientiert sind. Jeder bekommt bei uns eine Chance. Und unsere Erfolge können sich sehen lassen: Rund 30 Prozent derjenigen, die bei uns anfangen, schaffen den Weg in eine nicht-geförderte Beschäftigung. Das heißt, eine Arbeit, die nicht vom Jobcenter teilweise oder ganz bezahlt wird. Zum Vergleich: Das Jobcenter liegt mit einer Quote von 7 Prozent deutlich darunter. Aber auch denjenigen, die diesen großen Schritt nicht schaffen, wird geholfen: Arbeit allein, die Einbindung in ein solches Umfeld, bringt den Menschen ein Stück Würde zurück. Das Gefühl etwas Wert zu sein und Sinnvolles zu tun.


Wo liegt das Problem bei den übrigen 70 Prozent?
Sie müssen sich vorstellen, dass es Arbeitslose gibt, die seit vielen Jahren keiner festen Beschäftigung mehr nachgegangen sind. Einige von denen schaffen es, sich bei Bonus zu integrieren. Allerdings könnten diese Menschen beispielsweise nicht bei einem Discounter arbeiten, wo die Zeit für das Regaleinräumen minutiös getacktet ist. Man muss ganz realistisch sein: Es gibt Menschen, die dauerhafte Unterstützung brauchen. Trotzdem machen wir mit Aus- und Weiterbildung viele Menschen fit für den Arbeitsmarkt und geben ihnen in unserem Team eine neue Perspektive.

Jeder Arbeiter, der den Sprung schafft, bedeutet eine Entlastung für das Arbeitsamt. Die Politik müsste Sie lieben, oder?
Wir bekommen viel Zuspruch von Seiten der Politik. Beispielsweise von Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, der Anfang des Jahres bei unserer Markteröffnung in Stuttgart-Vaihingen war. Trotzdem fühlen wir uns gerade vom Bund nicht ausreichend unterstützt. Uns wurde ein Förderbeitrag von 1,2 Mio. Euro gestrichen, den wir anderweitig kompensieren müssen. Die vergangenen Jahre kamen insgesamt einer Kürzungsorgie gleich. Die Auffassung, dass der Arbeitsmarkt alles von alleine regelt, ist ein Irrglaube. Wir haben allein im Raum Stuttgart rund 10.000 Langzeitarbeitslose. Das ist ein von der Konjunktur unabhängiges Phänomen.

Fühlen Sie sich von der Politik im Stich gelassen?
Wir sind enttäuscht, aber auch begeistert. Enttäuscht über die Kürzungen auf Bundesebene und Maßnahmen, die die unterschiedlichen Regionen nicht im Blick haben und häufig zu ideologisch geprägt sind. Begeistert über die Unterstützung vonseiten der Kommunen.

„Mach’s rund für Bonus“
In den vergangenen Jahren wurden die Leistungen des Bundes für die Wiedereingliederung und Beschäftigung von langzeitarbeitslosen Menschen gekürzt. Gleichzeitig sind die Kosten für den laufenden Betrieb eines Marktes deutlich gestiegen. Um diese wegbrechenden Mittel zu kompensieren, versucht sich Bonus durch Spenden beim Einkauf selbst zu helfen. Diese Spenden sollen insbesondere für die kleinen Märkte, die von Schließung bedroht sind, verwendet werden. Allerdings bleiben die Einnahmen aus der Aktion bislang hinter den Erwartungen zurück. Dies liegt laut Bonus weniger an der Spendenbereitschaft der Kunden, als vielmehr an sprachlichen Hemmnissen der Belegschaft. Wenn ein Kunde den Hintergrund der Aktion erfahren möchte, hätten einige Mitarbeiter an der Kasse mit Migrationshintergrund noch Schwierigkeiten, diesen zu erläutern. In den ersten sieben Monaten wurden insgesamt 11.000 Euro mit der Aktion erwirtschaftet. Der Plan für ein ganzes Jahr lag bei 100.000 Euro.
Bildquellen: Dünnebacke, Belz