City Logistik In der City-Logistik steckt Potenzial

Die Belieferung von Innenstadt-Filialen ist kompliziert. Ausgeklügelte Konzepte sollen helfen, eine umwelt- und kostenschonende, aber flexible Logistik zu gewährleisten.

Donnerstag, 29. August 2013 - Management
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Bildquelle: Carsten Hoppen

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Ein Paradoxon aufzulösen, nicht mehr, aber auch nicht weniger, ist Aufgabe der City-Logistik – und das schon heute, nicht erst irgendwann künftig: Endverbraucher und Handel wollen, dass Ware immer vorhanden ist, natürlich frisch und noch möglichst lange haltbar. Und ist ein Artikel mal vergriffen, soll er schnellstmöglich wieder geliefert werden. Mit den Ansprüchen ist das Verkehrsaufkommen gestiegen, befeuert wird es vom Online-Boom und den Millionen Paketen und Päckchen, die jeden Tag transportiert werden. Die Straßen werden immer voller, Verspätungen und Staus nehmen zu, kosten Geld. Laut EU-Kommission verliert die europäische Wirtschaft so jedes Jahr 100 Mrd. Euro.

Der mit der Erfüllung von Warendistribution und Lieferdienst in Zusammenhang stehende Güterverkehr erzeugt laut Bundesregierung (Masterplan Güterverkehr und Logistik, Berlin 2008) heute ca. 20 Prozent der CO2-Emissionen. Die politische Vorgabe zur Reduktion des CO2-Ausstoßes (40 Prozent bis 2020, ausgehend vom Basisjahr 1990), lassen sich nur mit neuen Logistik-Konzepten realisieren.

Der deutsche Lebensmittel-Einzelhandel, der sich gerne mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, ist mehrfach Betroffener, denn neben der Belieferung, die es zu organisieren gilt, treffen ihn politische Restriktionen (Umweltplakette für Innenstädte, enge Belieferungsfenster) und der Anspruch der Verbraucher an Warenverfügbarkeit einerseits und Umweltverträglichkeit andererseits. Es geht um Geld und Image.

Klar ist: Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Städte. Laut Statistischem Bundesamt lebten 2010 74 Prozent der Deutschen in Städten. City-Konzepte sind gefragt, sowohl für Handelsimmobilien als auch für die Städte insgesamt. Perfetto-Chef Karl-Heinz Dautzenberg ist seit drei Jahrzehnten in der Branche, inklusive Stationen bei Rewe und Edeka, und erinnert sich: Früher sei es normal gewesen, dass viele Lieferanten einzeln kamen und die Ware selbst in den Regalen und Truhen verräumten. „Das ist heute beim Brot noch immer so, aber die Waren der meisten anderen Lieferanten werden gebündelt und kommen per Spedition, Paketdienst oder aus dem Rewe-Lager in die Karstadt-Filialen.“

Sebastian Mielke leitet den Perfetto in Köln (Breite Str.). Zwar liegt die Filiale in der Fußgängerzone, aber an einer Seite grenzt sie an eine Verkehrsstraße und kann so „normal“ beliefert werden. Neben der Ausfahrt vom Kundenparkhaus befindet sich das Rolltor für den Anlieferverkehr. Dahinter geht es eine Rampe hinunter, quasi ins erste Untergeschoss, in dem sich vier Laderampen für Lkw befinden, zwei für Perfetto und zwei für den Rest des Karstadt-Warenhauses. Das sei schon knapp, aber noch würde es eigentlich immer klappen, auch wenn man gelegentlich mal die Andockstationen des Mutterhauses mitbenutzen müsse, so Mielke.

Vom 30.000 Artikel umfassenden Perfetto-Sortiment sind gut 5.000 frische Artikel (Mopro, Fleisch, Wurst, Obst, Gemüse, Käse, Brot). Da die Anlieferung nur bis 12 Uhr läuft (von 7 Uhr an), ist schon heute Organisation gefragt: Im Schnitt kommen für diese Perfetto-Filiale (ca. 10 Mio. Euro Jahresumsatz) täglich 20 Lkw, die Waren liefern. Das macht bei 52 Wochen im Jahr und sechs Verkaufstagen pro Woche 6.240 Lkw jährlich. Während montags bis mittwochs das Trockensortiment im Fokus steht, ist es donnerstags und freitags die Frische. Allerdings kommt Obst sechs Mal die Woche, also werktäglich, Fleisch in der Regel montags, mittwochs und freitags. Da Perfetto kein eigenes Fleischwerk hat, gibt es alleine im Fleisch-Bereich rund ein Dutzend Lieferanten.

Die Filiale hat rd. 200 Streckenlieferanten. Deren Waren kommen zumeist per Speditions-Lkw. Nagel oder Dachser haben ihre Routen, fahren Perfetto genauso an wie Rewe, Edeka oder Kaufhof. Außerdem haben die Spediteure die Waren mehrerer Lieferanten gebündelt an Bord. Andere, wie der Gewürzhersteller Fuchs, liefern per Paketdienst. Das Trockensortiment kommt in der Regel aus dem Rewe-Lager. Damit es keinen Stau an den Laderampen gibt, haben sich feste Zeitfenster etabliert: Von 7 bis 9 Uhr kommen Fisch und Meeresfrüchte (drei Lieferanten, 5 Mal die Woche), außerdem Obst und Gemüse (drei Lieferanten) sowie Fleisch. Ab 9 Uhr folgt das Trockensortiment. Zwischen 10 und 11 Uhr (teis 12 Uhr) liefern Nagel, Dachser und die anderen Speditionen an und zum Schluss kommen die Paketdienste (täglich alleine DHL bis zu 3 Mal). In der Saison fährt täglich bis spätestens 8 Uhr außerdem ein Spargelbauer vor. Artikel aus der Region, erst recht frische Saisonware, ist zwar bei den Kunden begehrt, verursacht aber auch Zusatzaufwand. Generell ist immer mindestens ein Mitarbeiter dabei, wenn Ware angeliefert wird. „Jeder Lieferant bindet zeitlich meine Mitarbeiter“, sagt Mielke. Klar, wer hinten Ware annimmt, kann vorne nicht verkaufen oder Kunden beraten.

Bildquelle: Carsten Hoppen

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Bild öffnen City-Logistik: Welche Anforderungen durch die Urbanisierung auf die Branche zukommen.
Bild öffnen „Heute noch beim Brot üblich, früher gängige Praxis: Jeder kam einzeln angefahren.
Bild öffnen „Jeder anliefernde Lkw bindet zeitlich meine Mitarbeiter.
Bild öffnen Karstadt-Filialen, wie die in Köln, sind City-Immobilien, oft in Fußgängerzonen und folglich mit eingeschränktem Lieferverkehr. Für ihren Anlieferverkehr hat die Filiale zwei Laderampen.
Bild öffnen Karstadt-Filialen, wie die in Köln, sind City-Immobilien, oft in Fußgängerzonen und folglich mit eingeschränktem Lieferverkehr. Für ihren Anlieferverkehr hat die Filiale zwei Laderampen.
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Bild öffnen Karstadt-Filialen, wie die in Köln, sind City-Immobilien, oft in Fußgängerzonen und folglich mit eingeschränktem Lieferverkehr. Für ihren Anlieferverkehr hat die Filiale zwei Laderampen.