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Trailer-Telematik Ware wird von der Rampe bis zur Ankunft überwacht

Sonja Plachetta | 30. August 2013

Trailer-Telematik sichert und dokumentiert nicht nur die Einhaltung der Kühlkette bei empfindlichen Waren. Die Technik trägt auch dazu bei, die Effektivität zu steigern und verschiedene Prozesse zu optimieren.

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Lebensmittelhändler haben den Anspruch, ihren Kunden jeden Tag frische Ware anzubieten. Damit sichergestellt ist, dass die Produkte vollständig, heil und pünktlich an ihr Ziel gelangt, nutzen Handelsunternehmen verstärkt Trailer-Telematik-Lösungen. Damit wird der Transport nicht nur gesteuert und überwacht, es ergeben sich auch Einspareffekte. Bei Metro Logistics Germany beispielsweise sind schon seit dem Jahr 2005 sämtliche Trailer der Fahrzeugflotte damit ausgestattet. Dort wird der gesamte Transport-Prozess von der Rampe über die Strecke bis zur Ankunft beim Kunden über das Telematik-System abgebildet.

Doch noch sind nicht alle Unternehmen so weit. Laut einer Analyse des Marktforschungsinstituts Frost & Sullivan waren 2012 von erfassten 2,3 Mio. Trailern in Europa weniger als 5 Prozent mit einer Telematik-Lösung ausgerüstet. Für 2017 prognostiziert das Institut eine Marktdurchdringung von 18,2 Prozent (bei dann 3,1 Mio. Aufliegern). Der für Telematik zuständige Geschäftsführer beim Hersteller Fahrzeugwerk Krone, Ralf Faust, geht sogar noch weiter: „Ich wage die These, dass bei uns in zwei Jahren alle Neu-Trailer inklusive Telematikeinheit ausgeliefert werden, insbesondere im Bereich der Temperatur geführten Transporte.“ Derzeit seien rund 35 Prozent aller ausgelieferten Fahrzeuge damit ausgerüstet. Auch bei Schmitz Cargobull Telematics ist man überzeugt, dass die Nachfrage nach Trailer-Telematik-Angeboten steigen wird, weil durch den Kostendruck im Transportbereich der Bedarf an Prozessoptimierung und Effektivitätssteigerung bei der Abwicklung von Transportaufgaben wachse.

Gerade für den Transport von hochwertigen oder kühlpflichtigen Lebensmitteln gewinnt diese Technik an Bedeutung. „Besonders die immer höher werden Ansprüche an Qualität, Produktüberwachung und gesetzliche Anforderungen rund um HACCP machen diese Systeme unverzichtbar“, sagt Harald Schnetgöcke, Bereichsleiter Transports der Metro Logistics Germany.

Meldet die Telematik einen Temperaturalarm, muss schnell reagiert werden, damit die Ware nicht verdirbt. Mittels der Zwei-Wege-Kommunikation kann das Kühlgerät auch aus der Zentrale ferngesteuert werden, falls der Fahrer nicht in der Nähe ist. Bei Fahrzeugwerk Krone wurde zudem die Funktion des Temperaturschreibers in die Telematik-Einheit integriert. Der Kunde könne die Temperaturnachweise so über das Telematik-Portal schon als PDF an den Warenempfänger senden, kurz bevor die Ladung am Zielort eintreffe, sagt Faust. „So kann der Warenempfänger die Dokumente schon prüfen, bevor das Fahrzeug eintrifft, was wiederum Wartezeiten für den Fahrer verkürzt“, erläutert er. Des Weiteren werden Kosten für den Temperaturschreiber sowie für Drucker und Papier gespart. Schnetgöcke von Metro Logistics bestätigt, dass durch die Übermittlung der Daten auf elektronischem Weg jährlich mehrere Tonnen Papier gespart werden und die Abrechnung der Transporte erleichtert wird. „Der Erfassungsaufwand für Lieferpapiere konnte auch ein Minimum reduziert werden.“

Bildquellen: Lekkerland, Fahrzeugwerke Krone, Schmitz Cargobull

Auch bei Lekkerland, wo Telematik seit 2009 im Einsatz ist, zielt die speziell für das Unternehmen entwickelte Telematik-Lösung laut Kay Schiebur, Chief Supply Chain Officer, „in erster Linie auf eine Vereinfachung von administrativen Prozessen bei unseren Kunden sowie eine Erhöhung von Transparenz und Reaktionsgeschwindigkeit, zum Beispiel in der Kühlkettenüberwachung, ab“. Dort wurden Tourenplanung, Telematik und Warenwirtschaft vernetzt, sodass die Kunden bereits am Vortrag der Auslieferung über die voraussichtliche Ankunftszeit innerhalb des vereinbarten Lieferfensters informiert werden können. In Belgien und den Niederlanden ist zusätzlich eine Scan-Funktion im Einsatz. „Sowohl in unserem Warenausgang als auch bei den Kunden vor Ort wird der Rollcontainer gescannt, um zu dokumentieren, dass die Ware vollständig bei unseren Kunden ankommt. Dieser Ablauf war in der Vergangenheit papierbasiert und stellt einen Qualitätsgewinn dar“, sagt Schiebur.

Außer der sicheren Kühlkette, der zuverlässigen Dokumentation und der Senkung der Prozesskosten zählt Schmitz Cargobull Telematics noch weitere Vorteile von Trailer-Telematik auf, etwa Diebstahlschutz. Ein Tür- und Koppelsensor überwacht Trailer und Ladung. Bei unerlaubten Türöffnungen wird ein Alarm ausgelöst. Eine intelligente Fahrzeugdisposition ist ein weiteres Plus. Damit ist unter anderem der permanente Überblick über die Position der Trailerflotte sowie die Überwachung von Just-in-time-Lieferungen gemeint. Außerdem können Wartungs- und Reparaturaufwendungen durch präventive Wartung des Fuhrparks sowie die Transparenz über Laufleistung und technischen Zustand optimiert werden. Ralf Faust geht davon aus, dass Service- und Wartungsintervalle künftig noch stärker über Telematik-Funktionen gesteuert werden. Seiner Ansicht nach liegt die Zukunft in herstellerunabhängigen Plattformen. Der Kundennutzen gegenüber geschlossenen Telematik-Insellösungen liegt für ihn auf der Hand: „Der Kunde hat immer einen individuellen, maßgeschneiderten Zugriff auf alle seine Daten und zwar unabhängig von Fahrzeugtyp, Fahrzeughersteller und verbauter Telematikbox.“ Auch bei Schmitz Cargobull Telematics sieht man im Bereich der Datenvisualisierung einen klaren Trend zur Datenkonsolidierung.

Mit Sicherheit wird sich diese Technik stetig weiterentwickeln und an die Kundenwünsche anpassen. So sagt Harald Schnetgöcke von Metro Logistics Germany: „Hinsichtlich der Steuerung von Lenk- und Ruhezeiten sehen wir noch Potenzial. So könnte die Einsatzplanung von Fahrzeug und Fahrer auch über das System abgebildet werden. Die Weiterentwicklung einer stabilen Hardware sehen wir auch als einen wichtigen Punkt, da die Systemstabilität nicht immer gewährleistet ist.“

Bildquellen: Lekkerland, Fahrzeugwerke Krone, Schmitz Cargobull