Hightech Beleuchtung Wenn weniger mehr ist

Hightech-Lösungen können die Beleuchtungskosten im LEH spürbar senken und die Umsatze durch optimal ausgeleuchtete Ware steigern.

Dienstag, 24. August 2010 - Management
Brigitte Oltmanns
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Frischetheken im Vergleich: Mal glänzt die Wurst appetitlich in frischem Rotton, mal wirkt sie matt und fahl. Mal ist die gesamte Thekenware gleichmäßig ausgeleuchtet, mal setzen Spotlights Lichtakzente. In der Obst- und Gemüse-Abteilung zeichnet warmes Licht auf Orangen und Paprika ein stimmungsvolles Bild, klares frisches Licht betont dagegen Farbe und Form von Pflaumen und Gurken. Licht trägt entscheidend dazu bei, eine angenehme Atmosphäre zu erzeugen, Food- und Nonfood-Sortimente verkaufsfördernd zu inszenieren. Falsche Beleuchtung bewirkt das Gegenteil: Frische Ware wirkt alt und angegraut, Textilien verblassen. Der Handel ärgert sich über hohe Abschriften und hat zudem ein Imageproblem.

Obendrein schwebt der steigende Energieverbrauch, der bei der Beleuchtung im Outlet eine Hauptrolle spielt, angesichts stetig steigender Energiepreise wie ein Damoklesschwert über vielen Unternehmen. „Lebensmittelketten haben gesagt, wenn sie es nicht schaffen, in den nächsten Jahren ihren Energieverbrauch um 5 bis 10 Prozent zu drosseln, werde es sie bereits in fünf Jahren nicht mehr geben“, zitiert Guido Fox, Lichtexperte bei Bäro, Äußerungen aus dem Handel, die die Brisanz des Themas verdeutlichen. Ein Maximum an Beleuchtungsstärke (von bis zu 2.000 Lux), im LEH noch vor wenigen Jahren als optimal eingeschätzt, ist heute nicht mehr finanzierbar. State-of-the-art jetzt: eine oft reduzierte Grundbeleuchtung und das Zusammenspiel innovativer Lichttechniken, die das Licht gezielt dorthin lenken, wo es gebraucht wird. Die Lichtstärke lässt sich über innovative Reflektoren um ein Vielfaches steigern. Akzente werden mit unterschiedlichen Lichtfarben gesetzt, und in der Summe lassen sich die Anzahl der Leuchten und die Wattage deutlich senken.

Keine Lösung von der Stange

Wie dieses Zusammenspiel funktioniert, visualisierte die Bäro GmbH & Co. KG in einer Lichtshow für Ladenbauer am Standort Leichlingen. Auf einer Drehbühne wurde gezeigt, wie sich Food- und Nonfood-Warenpräsentationen unter dem Einfluss unterschiedlicher Beleuchtungszenarien mit Leuchtstofflampen, Metallhalogen- und Natriumdampflampen sowie LED optisch verändern. Zusätzlich konkurrierten eng strahlende mit weit strahlenden Reflektoren, silberne mit goldenen Reflektoroberflächen, wetteiferten unterschiedliche Beleuchtungsstärken um die effizienteste und wirtschaftlichste Beleuchtung der Ware. Selbst eine etwas andere Positionierung des Leuchtmittels im Reflektor, eine Bäro-spezifische Entwicklung, konnte dabei eine höhere Beleuchtungsstärke erzielen. Der Test unter „Laborbedingungen“ erzielt in der Vor-Ort-Situation im Handel wieder ganz andere Resultate: Hier wirken die Umgebungsbedingungen im Markt stark auf die jeweiligen Lichtverhältnisse ein und müssen bei der Lichtplanung am PoS berücksichtigt werden. Überdies setzt jeder Händler für seinen Markt individuelle Prioritäten in der Lichtinszenierung. Das Fazit: Lösungen von der Stange gibt es nicht.

Ein besonderes Augenmerk galt der LED-Technik: Sie rückt im Zuge der technologischen Fortschritte als verkaufsfördernde Beleuchtung mit exzellenten Farbwiedergabe und energieeffizienten Beleuchtung immer stärker in den Fokus. Mit 50 Prozent weniger Energieeinsatz und damit Stromersparnis erzielen LED ein ähnlich gutes Lichtniveau wie Entladungslampen. Sie bieten einen sehr guten Warenschutz, weil sie keine Wärme und kein UV-Licht ausstrahlen und so die Warenverluste deutlich reduzieren. Außerdem sind sie dank ihrer durchschnittlichen Lebensdauer (40.000 bis 50.000 Std.) wartungsfrei. Heute übliche Entladungs- oder Leuchtstofflampen müssten mit einer Brenndauer von 12.000 bis 15.000 Stunden im gleichen Zeitraum mindestens dreimal ausgetauscht werden, so Bäro-Vertriebsmann Fox. Außerdem erreichen LED-Leuchten sofort nach dem Anschalten den 100-prozentigen Lichtstrom.

Inzwischen wird auch weißes Licht in unterschiedlichen Weißfarben erzeugt. Bäro setzt dabei statt auf aufwändigen und teuren RGB-Mix (Lichtmischung aus roten, grünen, blauen LED) auf das preiswertere Verfahren der „partiellen Umwandlung“. Es erzeugt aus blauen LED in Kombination mit einer Phosphorscheibe weißes Licht und gewährleistet über ein aktives Thermomanagement (Ventilator) Lebensdauer und Farbwiedergabe der LED. Dieses Verfahren wird beispielsweise im Edeka-Neukauf-Markt in Groß-Umstadt, dem bundesweit einmaligen LED-Pilotprojekt der Edeka Südwest, erfolgreich zur zusätzlichen direkten Beleuchtung der Frischetheken eingesetzt.