Welche Rolle spielt Lidl bei der Gestaltung von nachhaltigen Konsumentscheidungen?
Um globale Herausforderungen wie den Klimaschutz, den Erhalt der biologischen Vielfalt und eine bewusstere Ernährung anzugehen, muss sich das Lebensmittelsystem entscheidend verändern. Wir sind uns als Lebensmitteleinzelhändler unserer Verantwortung bewusst und möchten zu dieser globalen Transformation aktiv beitragen, indem wir uns ehrgeizige Ziele entlang unserer Wertschöpfungskette setzen.
Was meinen Sie damit konkret?
Das bedeutet für uns, dass wir unsere Kunden auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen, bewussten Ernährung begleiten und das Ernährungsleitbild der Planetary Health Diet (PHD) für unsere Sortimentsgestaltung in Deutschland nutzen. Bis 2050 streben wir einen kontinuierlichen Ausbau unseres Sortiments an pflanzlichen Lebensmitteln gemäß dem PHD-Leitbild an.
Das Angebot schafft demnach künftig die Nachfrage?
Mir ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Die Kunden behalten stets die Wahl, für welche Produkte sie sich entscheiden. Wir machen den Griff zu einer nachhaltigeren Auswahl für eine bewusste und gesunde Lebensweise einfacher, attraktiver und für alle erschwinglich, sodass neue Ernährungsweisen ausprobiert werden können. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Anteil pflanzlicher Proteinquellen im Verhältnis zu tierischen Proteinquellen bis 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen. Dies umfasst unter anderem Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sowie vegane Alternativen für Fleisch-, Eier- und Fischprodukte.
Wie schaffen Sie es, die Kaufentscheidungen Ihrer Kunden in Richtung pflanzlicher Proteinquellen zu lenken?
Zur Umsetzung dieses Ziels haben wir als Pionier in der Branche die Preise des nahezu gesamten Sortiments unserer mehrfach ausgezeichneten veganen Eigenmarke „Vemondo“ an den Grundpreis ihrer tierischen Vergleichsprodukte angepasst. Die Produkte sind in allen Filialen direkt neben den tierischen Pendants zu finden. Seit der Preisangleichung freuen wir uns über eine positive und anhaltende Resonanz der Kunden.
Sie setzen auf den Preismechanismus?
Ja, zum zweiten Mal in Folge schneiden wir in Deutschland in einer Studie der Ernährungsorganisation Proveg mit unserem pflanzlichen Warenkorb sogar günstiger ab als mit einem tierischen Angebot. Die vegane Auswahl, die von der Studie betrachtet wurde, kostet demnach 18 Prozent weniger als vergleichbare tierische Produkte, was den größten Preisunterschied in der Branche darstellt.
Woran arbeiten Sie bei Lidl aktuell?
Derzeit liegt unser Fokus unter anderem auf dem konsequenten Ausbau von Sortimenten mit hohen Anteilen an Ballaststoffen und pflanzlichen Proteinen, wobei wir die Erweiterung des Angebots an Nüssen und Hülsenfrüchten zusätzlich stark vorantreiben. Ein weiterer wichtiger Pfeiler unserer Ernährungsstrategie ist das Vollkornsortiment. Bis 2030 erhöhen wir den Anteil an Vollkorn im Verhältnis zum Gesamtgetreide auf 20 Prozent, ausgehend vom Basisjahr 2023. Bis 2030 werden wir zudem in allen relevanten Produktkategorien mindestens eine Vollkornalternative anbieten, sodass Kunden auch hier die Wahl haben.
Das Interview führte Matthias Mahr
