Fahrt mit... Was Globus-Geschäftsleiter Patrick Schlüter antreibt – das verrät er im Kajak

Hintergrund

Im Kajak auf der Mosel verrät Patrick Schlüter, Geschäftsleiter des vielfach ausgezeichneten Globus in Koblenz, woraus er seinen Antrieb zieht.

Montag, 06. Oktober 2025, 07:40 Uhr
Elena Kuss
Artikelbild Was Globus-Geschäftsleiter Patrick Schlüter antreibt – das verrät er im Kajak
Mitarbeiter beschreiben Patrick Schlüter oft als Teamplayer – diese Stärke zeigt er auch im Doppelkajak.
Gespräch an der Mosel: Patrick Schlüter und LP-Reporterin Elena Kuss. Bildquelle: Peter Eilers

Patrick Schlüter sitzt hinten im Kajak, die Reporterin vorne. Am Rand der Mosel gleiten sie durchs Wasser, während ein Schiff träge vorbeizieht. Die Sitzordnung bestimmt das Gewicht, Balance ist entscheidend. Kleine Wellen bäumen sich auf, schütteln das Boot und spritzen über den Rand. „Oh nein“, sagt Schlüter. Er entschuldigt sich, obwohl er genauso nass geworden ist – und für die Wellen nun wirklich nichts kann. Im Kajak wie in Schlüters Sätzen zeigt sich: Für ihn zählt das Gegenüber – auch in der Markthalle in Koblenz-Bubenheim, die er als Geschäftsleiter lenkt.

Der Tag auf der Mosel beginnt früh. Schlüter organisiert das Kajak, besorgt per App den Code für das Zahlenschloss. Am Anleger direkt neben dem Stattstrand in Koblenz – den sie in der Stadt tatsächlich mit zwei t schreiben –wartet er mit Kaffee, Cappuccino, Croissants und Brezeln. Ein ruhiger Start, bevor es aufs Wasser geht. In seinem wasserdichten Beutel, den Schlüter immer bei sich trägt, verstaut er die Smartphones. Schnell wird klar: Hier paddelt gleich jemand mit Verantwortung und Umsicht.

Schlüters Mitarbeiter beschreiben ihn als „absoluten Teamplayer“. Dieses Bild bestätigt sich auch bei der Jury-Sitzung zum „Supermarkt des Jahres 2025“. Während die anderen Nominierten im Anzug erscheinen, trägt Schlüter einen schwarzen Hoodie mit Fleischkäsebrötchen-Logo auf der Brust – das gleiche Kleidungsstück wie die Mitglieder seines Teams. Er inszeniert sich nicht als Chef, sondern als Teil der Gemeinschaft.

Sein Gewinnerteam baute Schlüter ab 2015, als er die Markthalle in Koblenz von Uwe Hermann übernahm,  nach und nach auf. Wichtig war Schlüter: Allen soll es gut gehen. Wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlassen möchte, spricht Schlüter ohne Ausnahme persönlich mit ihm, wie er sagt. Tempo, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit – dafür steht er offensichtlich. „Wenn ich etwas sage, dann gilt das.“

Auch auf der Mosel zeigt sich diese Art zu führen: Statt weiterzupaddeln und ein Kentern zu riskieren, steuert Schlüter vorausschauend auf Grund. Risiken geht er ein – aber nur, wenn sie sich lohnen. Und genau diese Einstellung passt gut zu Globus. Mit 61 Märkten ist das Unternehmen kein Rewe oder Edeka. Die Budgets sind kleiner, die Projekte ausgewählt. So setzte Globus schon 2014 in Koblenz auf das Scan-&-Go-System und war damit Vorreiter. Digitale Preisschilder führt das Unternehmen dagegen erst jetzt ein. „Ein typischer Supermarkt braucht vielleicht 10.000 Preisschilder, wir allein in Koblenz 95.000“, erklärt Schlüter.

Patrick Schlüter
Patrick Schlüter
Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studierte Wirtschaftswissenschaften. Seine beruflichen Stationen führten ihn zu Aldi UK und Metro Cash & Carry. 2014 heuerte er bei Globus an. Seit 2015 leitet er die Markthalle in Koblenz-Bubenheim.

Kinder und Karriere

Der 53-Jährige hat sich Kinder immer sehr gewünscht. „Ich habe mich eigentlich immer als Vater von fünf Kindern gesehen. Nun sind es nur zwei, die mich überglücklich machen.“ Nach einem Abi­tur mit 1,5 absolvierte er eine Banklehre, studierte Wirtschaftswissenschaften in Münster. Während andere feierten, lernte er, schloss schnell ab, erweiterte sein Wissen um Spanisch. „In meinem ersten Leben war ich ein spanischer Ritter“, sagt er lachend. In Málaga lernte er seine erste Frau kennen, eine Japanerin, mit der er zehn Jahre verheiratet war.

Sein beruflicher Weg führte Schlüter über Aldi UK, Staples und Metro Cash & Carry 2010 zu Edeka. Dort war er Regionalleiter für Marktkauf-SB-Warenhäuser. Bei der Arbeit lernte er seine heutige Frau kennen – sie verliebte sich, erzählt er, „als ich ihr nach einer langen Nacht, in der wir gemeinsam die Getränkeabteilung umgebaut haben, die Autotür aufhielt“. Ein Headhunter sprach ihn schließlich für Globus an.

Zunächst übernahm er die Leitung eines Marktes in Erfurt – zu einer Zeit, als sein erster Sohn bereits geboren war. Doch die Distanz zu Köln, wo seine Frau lebte, belastete die junge Familie. Als Globus ihm die Markthalle in Koblenz anbot, griff er zu. Damit konnte er Beruf und Familie vereinen – und gleichzeitig einen Standort übernehmen, den er maßgeblich mit entwickelt hatte. 18 Monate nach der Geburt des Sohnes kam Schlüters Tochter zur Welt.

Auf der Mosel zieht der Geschäftsleiter gleichmäßig die Paddel durchs Wasser. „Wir müssen mehr nach links“, sagt er – und meint eigentlich rechts. Am Morgen war er schon auf dem Laufband, „100 Tage jeden Morgen joggen“ hat er sich vorgenommen, „dann hat sich eine Routine etabliert“. Seit Jahren bewegt Schlüter, wie er selbst sagt, das Thema Gewicht. Auch die Abnehmspritze beschäftigt ihn: Bei Linkedin hat er kürzlich über deren Auswirkungen auf die Branche geschrieben. Kleine Verwechslungen oder das Ringen um gesunde Routinen – wenn Schlüter davon spricht, wirkt es, als spüre er gerade in solchen Momenten seine eigenen Ansprüche besonders stark.

„Nur weil ich es nicht schaffe, meine Kalorienzufuhr zu drosseln, heißt es nicht, dass ich nicht für gesunde Ernährung stehe.“ Im Gegenteil: In seinem Markt legt er besonderen Wert auf bewusste Ernährung und Warenwelten für gesundheitsorientierte Kundschaft. „Wenn ich es nicht schaffe, will ich zumindest, dass meine Kinder es schaffen.“ Schlüter denkt Kinder bei nahezu jeder Entscheidung mit. Fast jeden Samstag organisiert er in der Markthalle Aktionen für Kinder. Eltern können in Ruhe einkaufen, während die Kleinen betreut werden. Mit einem Schullisten-Service will er Familien zusätzlich entlasten.

Bühne und Bescheidenheit

Globus, ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz in St. Wendel, überträgt seinen Standortleitern große unternehmerische Freiheit. Schlüter beschreibt seine Rolle gern als ähnlich der eines selbstständigen Kaufmanns: „Man muss zehn Bälle gleichzeitig in der Luft halten – und am Ende zählt, dass der Standort wirtschaftlich erfolgreich ist.“

Zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche arbeitet er im Markt. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, abends gemeinsam mit der Familie zu essen und seine Kinder ins Bett zu bringen. Morgens spricht er zwei bis drei Stunden mit „Mitarbeitenden“  – bewusst gendert er in seinen Formulierungen. Danach folgt der Blick auf die Zahlen. Umsatzentwicklungen, Wettereffekte, Sortimentsfragen – jedes Detail zählt.

Mit mehr als 8.400 Euro Umsatz pro Quadratmeter erwirtschaftete die Markthalle im vergangenen Jahr 79,1 Millionen Euro. Ein starkes Ergebnis, aber Schlüter denkt weiter. Nachmittags folgen lokale Lieferantengespräche, interne Abstimmungen, Vorbereitungen für Meetings oder Ideen für neue Konzepte. Zuletzt suchte er einen neuen Reinigungsdienstleister, weil er mit der aktuellen Lösung nicht zufrieden ist. Sein Anspruch: „Etwas Besseres zu finden, zum gleichen Preis mit mehr Leistung oder zur gleichen Leistung zu einem besseren Preis.“

Am Abend vor dem Paddel-Ausflug über die Mosel sprach Schlüter bei dem von ihm mit organisierten „Linkedin Local Koblenz“ über die preisgekrönte Social-Media-Strategie von Globus. Beim „Supermarkt des Jahres“ trat er zusammen mit Sebastian Vossough von Mars Wrigley auf, betonte jedoch, dass er nur der Sparringspartner sei. Er habe einige Anfragen abgelehnt, erzählt er. „Und irgendwie habe ich diesem Weg als Speaker damit eine Absage erteilt.“ Loslassen scheint etwas zu sein, das Schlüter leichtfällt. Er erzählt, dass er nur zwölf oder dreizehn schwarze Hemden besitzt, ein paar T-Shirts – mehr brauche er kaum. Sein Ziel: nicht mehr als 100 Kleidungsstücke im Schrank.

Wenn Patrick Schlüter spricht, begleitet eine gewisse Bescheidenheit fast jedes seiner Worte – wie eine leise Melodie im Hintergrund. Besonders spürbar wird das, wenn er über seinen Linkedin-­Account spricht. Mehr als 9.000 Menschen folgen ihm auf der Plattform. Auf der Favikon-Rangliste der Top-Creator aus der Branche liegt er aktuell auf Platz zwei hinter Rewe-Chef Lionel Souque. Dabei ist er erst seit anderthalb Jahren aktiv.

„Ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich meine Linie gefunden habe“, sagt er. Er lässt sich professionell beraten. Dabei mochte er das Schreiben schon immer. In der Schule lieferte er sich kleine Wettkämpfe um die beste Deutschnote mit einer Klassenkameradin, die später Journalistin wurde.

In Moselweiß wendet das Kajak, flussabwärts geht es schnell zurück zum Stattstrand. Am Steg steuert Schlüter mit Tempo auf die Anlegestelle zu, ruft im Takt: „Rechts, links, rechts, links.“ Später, auf der Parkbank, holt er Snacks und Decken aus dem Auto – Schutz gegen den Wind, der über die nasse Kleidung fegt. Schlüter denkt viel über die Zukunft nach. In Trier darf er an einem Herzensprojekt von Globus-Chef Thomas Bruch mitarbeiten: einer neuen Markthalle. Er plädiert klar für weniger Fläche und mehr Digitalisierung. „Die Zeit für Front-Cooking ist vorbei“, sagt er. Die Aufgabe sei für ihn nicht nur ein Privileg, sondern auch eine Bürde. Jeder eigenständige Markt, den Globus eröffne, müsse eine Weiterentwicklung sein, „einfach noch eins obendrauf setzen“.

Fehler und Freiheit

Als Schlüter nach seinem jüngsten Fehler gefragt wird, zögert er lange. Schließlich sagt er: Der Kauf einer alten Keramikfabrik. Zwar hat er bereits zuvor denkmalgeschützte Wohnungen saniert, doch in Höhr-Grenzhausen hat er 500 Quadratmeter einer Fabrik restauriert – für seine Kinder. Warum er das als Fehler empfindet? „Vielleicht weil das Haus eben noch nicht ganz mir gehört, sondern auch der Bank“, sagt Schlüter. Damit gibt er etwas preis, das sich wie ein roter Faden durch seinen Lebenslauf zieht: Einschränkungen seiner Autonomie belasten ihn. So lehnte er nach sechs Jahren bei Metro Cash & Carry eine Beratertätigkeit ab und wechselte lieber zur Edeka als Regionalleiter – heute führt er als Geschäftsleiter bei Globus, weil er dort die größte Freiheit für sich sieht.

Er träumt davon, obwohl er bei Globus erfolgreich und zufrieden ist, eines Tages ein eigenes Produkt in die Regale zu bringen. „Irgendwann noch nebenberuflich selbstständig sein – das reizt mich schon.“ Arbeiten will er, solange er gesund ist – wie seine Mutter, die mit 85 Jahren noch dreimal pro Woche im Handarbeitsladen steht. Sein Vater starb, als Schlüter 16 Jahre alt war, beim Tischtennisspielen. So tragisch das ist, weist Schlüter auch darauf hin: Es war ein Lebensende im Tun. Und es wirkt, als gäbe für ihn gerade die Endlichkeit jedem Moment Bedeutung – als ermögliche sie es ihm, im Augenblick präsent und zugleich visionär in die Zukunft zu schauen.

Ein feiner Regen legt sich wie ein stilles Tuch über die Mosel. Schlüter schweigt einen Augenblick, bevor er von den kleinen Zweifeln spricht, die wohl jeder kennt. Wie kleine Wellen, die über ihn schwappen, so beschreibt er sie. Umso mehr will er zeigen, dass es sich lohnt, sich zu trauen. Für ihn heißt das, als Geschäftsleiter von Globus Bubenheim sichtbar zu sein – im Markt, auf Linkedin oder auf der Bühne. Er paddelt weiter, auf der Mosel wie im Leben. Nicht immer auf festem Kurs, doch immer mit festem Griff am Paddel. Patrick Schlüter macht im Kajak sichtbar, dass Erfolg nicht darin besteht, Zweifel zu verdrängen, sondern sie anzunehmen – und trotzdem mit ganzer Kraft weiterzumachen.

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Bild öffnen Die Fahrt mit Patrick Schlüter startet mit Kaffee. Im Hintergrund der Kajak-Automat.
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