Podcast Potenzielle Omnichannel-Strategien – Mit Bassel Soukar, Head of Reatail bei Wolt

„Wir schließen die Lücke zwischen klassischem Onlinehandel und Instant Delivery“, Wolt will sich in Deutschland als zentrale Plattform für Omnichannel-Strategien etablieren und damit lokale Händler, Gastronomie und Logistik in einer App vereinen.

Freitag, 05. September 2025, 07:00 Uhr
Elena Kuss
Bildquelle: Bassel Soukar, Wolt

„Wir setzen auf einen horizontalen Plattformansatz, bei dem nicht nur Lebensmittel, sondern auch Einzelhandelsprodukte, Apotheken und Gastronomie in einer App integriert werden“, sagt Bassel Soukar, Head of Retail bei Wolt. Ziel sei es, Wolt als „Plattform für alles“ zu etablieren – vom Mittagessen über Blumen bis hin zu Tiernahrung. Dabei setzt das Unternehmen auf ein lokal kuratiertes Angebot, das Händlern hilft, sich von standardisierten Sortimenten großer Ketten abzuheben.

Das Kerngeschäft bleibe die Gastronomie. „Die Kunden kommen zu Wolt, um Pizza, Burger oder Sushi zu bestellen. Wenn sie dann merken, dass unser Service gut ist, bieten wir ihnen naheliegende Kategorien an, wie Lebensmittel, Schokolade oder Metzgereien.“ Von dort erweitere sich das Angebot schrittweise um neue Händler. Entscheidend sei, dass die Plattform allen offenstehe – unabhängig von der Größe des Geschäfts.

Eine Schlüsselrolle spiele die Logistik. „Wir schließen die Lücke zwischen klassischem Onlinehandel und Instant Delivery“, so Soukar. Wolt habe dafür eine Infrastruktur für Schnelllieferungen aufgebaut und entwickle Technologien wie eine Picker-App, die Live-Bestände abbildet und effiziente Routen ermöglicht. Die Kuriere, oft mit blauen Rucksäcken unterwegs, seien nicht nur Teil des Systems, sondern auch sichtbare Werbung auf den Straßen.

Um größere Einkäufe zu stemmen, testet Wolt in Deutschland Lastenräder und Elektroautos. International ist das Unternehmen damit bereits weiter. Parallel betreibt Wolt mit „World Market“ einen eigenen digitalen Supermarkt mit etwa 5000 Artikeln, darunter Frischwaren, Kosmetik oder Tierbedarf. „Wir setzen auf lokal kuratierte Sortimente und liefern innerhalb von 35 Minuten“, erklärt Soukar.

Das Konzept beschreibt er als „Mall in a Pocket“ – ein Einkaufszentrum auf dem Smartphone. Nutzer könnten in der App zwischen Wolt Market, einem Edeka oder einem lokalen Metzger wählen. Wichtig sei, dass Kunden Vielfalt sehen und Neues ausprobieren. In Städten wie Köln oder München funktioniere die Zusammenarbeit mit Partnern wie Rewe und Edeka bereits erfolgreich.

Der Markt für Onlinelebensmittel sei in Deutschland noch unterentwickelt. Laut Handelsverband lag der Online-Anteil bisher bei drei Prozent, wachse jedoch jährlich um mehr als acht Prozent. „Deutschland hinkt im Vergleich zu anderen Märkten hinterher. Das bietet uns Standortvorteile“, sagt Soukar. Kunden erwarteten zunehmend Flexibilität, ob Lieferung am selben Tag, in einer Stunde oder in drei Tagen.

Für Händler eröffnet das zusätzliche Chancen. „71 Prozent unserer deutschen Partner sehen Wolt als wichtigen oder sehr wichtigen Teil ihres Geschäfts. 44 Prozent gewinnen über Wolt neue Kunden, und knapp 18 Prozent dieser Kunden besuchen anschließend auch den stationären Laden.“ Soukar sieht darin einen klaren Beleg für die Rolle digitaler Plattformen: „Wir können das Rückgrat des lokalen Handels sein.“

 

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