Die Messe PLMA in Amsterdam ist ein Abbild der Handelsmarken, die sie ausstellt: aufs Wesentliche konzentriert, ohne Schnickschnack und Wow-Effekte. An nur zwei Tagen zeigen internationale Hersteller, welche Ideen sie im Köcher haben – und gern in Zusammenarbeit mit Handelspartnern auf den Markt bringen wollen.
Für Dr. Ingo Stryck, Marketingleiter bei der PHW-Gruppe, ist die Teilnahme an der PLMA (Private Label Manufacturers Association) gesetzt. Der Geflügelspezialist (Marke Wiesenhof) präsentiert seit 28 Jahren regelmäßig seine Produkte. Stryck freut sich, dass die Kölnmesse den Stand der deutschen Aussteller organisiert. Und stellt fest: „Die PLMA kostet uns nur etwa 5 Prozent vom Budget“, das er für die Anuga einplant. Der Stand in Amsterdam ist auf knapp 30 Quadratmetern schlicht gehalten, ohne aufwendige Aufbauten und Bewirtung der Gäste. Trotzdem kommen die Einkäufer des deutschen, aber auch internationalen Handels. Die Anbindung an den Flughafen Schiphol und den ICE nach Köln sind gut. Dementsprechend bereiten sich viele Einkäufer auf einen komprimierten Messetag vor. Wichtig für Stryck, der mit „Green Legend“ auch eine vegane Marke im Portfolio hat.
Was ihn besonders freut: Die Messe ist restriktiv, was die Ausgabe der Eintrittskarten angeht: Entsprechend bleiben die „Brombeerpflücker draußen“, also Nicht-Fachbesucher, die sich an den Ständen nur die Taschen vollmachen. Guido Maßmann, Geschäftsführer AVO-Gewürzwerke, teilt diese Ansicht und fügt hinzu: „Die Messe ist für uns effektiv.“ Das Team des Unternehmens aus Belm zeigt in Amsterdam „Zutaten und Konzepte für Händler und Hersteller“. Neu im Angebot sind „Mashed Potatoes“ in Form von Muffins, das ist Kartoffelbrei mit unterschiedlichen Würzungen und Zutaten – in Großbritannien derzeit ein Hit. AVO bietet für selbstständige Händler an, Gewürzsaucen in kleinen Mengen (ab ca. 500 kg) in personalisierte Flaschen abzufüllen. Der Edekaner Daniel Schulz verkauft beispielsweise Ketchup, der mit dem Namen seines Sohnes gebrandet ist.
Asiatische Küche sorgt für Vielfalt
Während Tobias Metten, Inhaber Metten Fleischwaren, in Amsterdam auf Kontinuität setzt und seine „Dicken Sauerländer“-Würstchen als Mittagssnack anbietet, probiert Astrid Schmitz Neues aus. Die Produzentin regionaler Wurstwaren (unter anderem bekannt für „Flönz“, also Blutwurst) lässt am Stand Ramen kochen. Das Zutaten-Set hat sie in der Kühltruhe mit dabei, sie sucht Handelsunternehmen, die gewürzten Schweinebauch, Eier und Nudeln unter Handelsmarke vertreiben wollen.
Die Bell Food-Gruppe, einer der großen internationalen Lebensmittelproduzenten, ist auf der Messe mit dem Geschäftsbereich Hügli vertreten. Hügli ist ursprünglich eine Gastronomie-Marke, erläutert Hugo Steenbergen, Business Development-Manager für Benelux. Aldi, Lidl, Albert Heijn und weitere Handelsunternehmen zählen bereits zu seinen Kunden. Hügli setzt unter anderem auf thailändische Erzeugnisse, wie die Suppe „Tom Kha Gai“ (Hühnersuppe mit Kokosmilch und Galgant), die als Trockenprodukt im Angebot ist. Im Blickpunkt stehen weitere conveniente Produkte wie indonesische Curry-Nudeln, indischer Linsen Dal oder scharfes Thai-Curry.
Schne-Frost, Anbieter für Kartoffel- und Gemüse-Spezialitäten aus Niedersachsen, stellt ebenfalls Convenience in den Blickpunkt. Nur ein Beispiel: die Mikrowellen-Pommes mit Toppings wie Pulled Pork. Die Fritteuse verliert an Bedeutung, informiert Christina Hagemann, Key-Account-Managerin Export, „der Airfryer ist angesagt.“
Aktuelle Produkttrends
Spezielle Ernährungs- und Lebensstile dominieren das Angebot neuer Handelsmarken: vegan, vegetarisch, „frei von“, bio, halal und koscher. Angesagt sind zudem Produkte, die in der Heißluftfritteuse (dem „Airfryer“) mit Zusatz von nur wenig Fett zubereitet werden können.
Deutsche Handelsmarken dominieren
Die Amsterdamer Messe kürt in einem Wettbewerb („Salute to Excellence Awards“) neue Handelsmarken, die den Kunden einen besonderen Nutzen versprechen. Die meisten Gewinnerprodukte stammen dieses Jahr von deutschen Handelsunternehmern, allen voran Rossmann, Globus und Lekkerland. Wichtigste Merkmale sind, laut Jury, Storytelling und eine ansprechende Verpackung.
Überraschung schlägt Preis
Erzeugnisse, die den reinen Produktnutzen toppen, helfen strategisch, eine erfolgreiche Handelsmarke aufzubauen. Hier einige Beispiele: Tortillas, die mit Trüffel aromatisiert sind. Piroggen, gefüllt mit Mascarpone. Oder Crema di Aceto mit einem Anteil von 47 Prozent Prosecco. Auffällig viele neue Produkte sind im Bereich alkoholfreie Getränke angesiedelt. Darunter fallen unter anderem Energydrinks, die speziell sportliche aktive Konsumenten im Blick haben. Außerdem nicht alkoholische Cocktails.