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Umgang mit Risiken Nach der Krise ist vor der Krise - Der Handel

Brigitte Oltmanns | 05. August 2011

Lebensmittelskandale wie EHEC werfen in diesem Jahr wieder mal ein Schlaglicht auf das Risiko- und Krisenmanagement von Politik und Wirtschaft. Der Handel drängt jetzt zum wiederholten Mal auf eine bessere Kommunikation und mehr Mitspracherecht in der Zusammenarbeit mit den Behörden.

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Auch wenn eine 100-prozentige Sicherheit natürlich nie erreicht werden kann – der Handel selbst verfügt nach eigener Darstellung über ein Risiko- und Krisenmanagement, das auf komplexen Qualitätsprüf- und Sicherungssystemen basiert. Dabei sind die Unternehmen zum einen an externen Prüfsystemen für die Lebensmittelkette wie QS und Global G.A.P beteiligt, die alle Akteure der Lebensmittelproduktion vom Landwirt bis zur Ladentheke einbinden. QS untersucht im Rahmen von Monitoring-Programmen Produkte beispielsweise auf Umweltgifte, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Mykotoxinen und Schwermetallen, aber auch auf Hygieneparameter wie Salmonellenbelastung. Global G.A.P zertifiziert landwirtschaftliche Produktionsprozesse. Die Anforderungen an Gute Agrar Praxis basieren dabei auf einer fundierten Risikoanalyse und abgestimmtem Risikomanagement und sollen so ebenfalls mehr Lebensmittelsicherheit garantieren. Als Vorsichtsmaßnahme entschied Global G.A.P im Fall EHEC beispielsweise, alle Zertifikate der 13 zertifizierten Betriebe, die Sprossen produzierten, vorerst zurückzuziehen, um bei Bedarf neue notwendige Zertifizierungsmaßnahmen zu erlassen.

Darüber hinaus verfügen die Handelsbetriebe aber auch selbst über ausgefeilte Qualitätsmanagementsysteme und eigene Labore, in denen im Rahmen der Eigenuntersuchungen jährlich tausende Produkte kontrolliert werden. Über ihre Rückverfolgbarkeitssysteme könnten sie den Weg der Lebensmittel sehr gut nachvollziehen und belastete Produkte identifizieren und gegebenenfalls abweisen, versichert der BVL. Auch bei Frischeprodukten seien die Händler jederzeit in der Lage, Lieferanten, Chargen und Lieferdaten zu identifizieren. Die sorgfältige Einhaltung der Hygieneregeln ist und bleibt im Risikomanagement aber das A und O. Und diese Aufgabe sollten auch die Händler vor Ort sehr ernst nehmen.

Richtig absichern!

Umsatzverluste und Vertrauensschwund, das trifft natürlich die Ernährungsbranche beim Auftreten von Lebensmittelskandalen doppelt. Wie eine Untersuchung seitens der Versicherungsbranche zeigt, sind dennoch mindestens 60 Prozent der Lebensmittelunternehmen im Rahmen ihrer Versicherungsprogramme nicht ausreichend gegen solche Risiken abgesichert – und messen dem Thema Risikomanagement oftmals auch einen zu geringen Stellenwert bei. Vor allem der Mittelstand ist hier gefährdet. „Zahlreiche Unternehmen wissen nicht, dass Versicherer mit einem prozentualen Anteil das so genannte präventive Krisenmanagement im Bereich der Produktschutzversicherung für Rückrufpläne, Rückrufsimulationen und Krisenpläne bezuschussen“, erklärt Frederik C. Köncke, Geschäftsleitungsmitglied bei BDJ Versicherungsmakler GmbH & Co. KG. Seit einigen Jahren können solche Deckungserweiterungen im Versicherungsmarkt eingekauft werden.