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Handel Trend 2021

Reiner Mihr | 18. Januar 2021
Handel: Trend 2021
Bildquelle: Anna Schnauss

Das Jahr 2020 ist schon jetzt in die Geschichte eingegangen. Leider nicht, weil der Weltfriede ausgebrochen ist oder das Weltklima gerettet wurde, sondern wegen eines gefährlichen Virus, das die Welt in Atem hält. Das gilt sicher auch noch 2021 und verändert den Blick auf das Kommende. Auch in der jährlichen Trendumfrage der Lebensmittel Praxis.

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Dramatisch – so lässt sich die Situation in Deutschland und der Welt beschreiben – jetzt wo diese Zeilen geschrieben werden: Höchstwerte bei den Corona-Infizierten, viel zu hohe Todesraten bei den Erkrankten, eine gefährliche Mutation des Virus, Engpässe in Krankenhäusern und Krematorien. Es ist düster zur Jahreswende 2020 …

Ein wenig Licht in diesem endlos langen Tunnel gibt es aber auch: Die Impfungen starten. Die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie ist berechtigt. Die internationalen Börsen reagieren bereits entsprechend.

Doch was bedeutet das für den LEH? Gegessen wird immer – klar, aber eine Rückkehr zur alten Normalität wird kaum möglich sein oder aber sehr lange dauern.
Mögliche Veränderungen werden in der diesjährigen Trend-Umfrage der Lebensmittel Praxis in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Nielsen deutlich. Die hier repräsentativ (siehe Methode) befragten LEH-Entscheider setzen deutlich andere und zum Teil neue Akzente. Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass Hygienemaßnahmen und -regeln einen derart hohen Stellenwert erlangen würden wie jetzt?

Aber das ist noch lange nicht alles. Das Virus produziert auch Gewinner: Amazon, Zalando, Lieferdienste, DHL werden in dem Zusammenhang oft genannt. Auch der Lebensmitteleinzelhandel wird von vielen als Krisengewinner gesehen. Klar, Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie haben vielen eine Sonderkonjunktur gebracht, Kaufleute sprachen von „einer Saison wie sonst nur vor Weihnachten“. Mittlerweile reduzieren die Deutschen die Einkaufsakte drastisch, das zeigt eine Nielsen-Untersuchung, geben aber dafür gerne etwas mehr aus – der Vorratskauf ist wieder populär. Der Spaß am Einkaufen ist laut Nielsen vielen Deutschen (56 Prozent) aber weitgehend vergangen. Und für 62 Prozent ist es wichtig, im Geschäft keine Zeit zu verlieren. Ergebnis: One-Stop-Shopping, bei dem vor allem kleinere Verbrauchermärkte und klassische Supermärkte profitieren.

Das spiegelt sich wider in den Ergebnissen der diesjährigen Trend-Befragung der Lebensmittel Praxis, durchgeführt vom Marktforschungsunternehmen Nielsen. Das Jahr 2020 wird in seiner wirtschaftlichen Entwicklung von über 60 Prozent der befragten Entscheider im Lebensmittelhandel besser als das Vorjahr eingestuft. Vor allem Einkäufer in den Zentralen sehen das so (77 Prozent). Für 2021 sind die Befragten vorsichtig. 45 Prozent sehen weder eine Verbesserung noch Verschlechterung, nur ein gutes Drittel erwartet eine weitere Verbesserung.

Denn die meisten sehen einen weiterhin großen Mehraufwand in den Märkten für Schutzmaßnahmen und Hygiene. Dafür rücken bestimmte Themen stärker als schon zuvor nach vorn: Nachhaltigkeit und regionale Vermarktung/Positionierung erhalten durch die Pandemie einen weiteren Schub. Für das Sortiment bedeutet das eine Bedeutungszunahme für regionale Artikel, und Produkte, die besondere Ernährungsansprüche erfüllen, gewinnen.

Das Ganze ändert am harten Wettbewerb und am weiter intensiv geführten Preiskampf wohl wenig, meinen die Befragten. Und einige noch vor der Pandemie sehr wichtige Themen verlieren an Gewicht: Gastronomie oder Bedienung sind gerade etwas weniger im Fokus.

Eine Herausforderungen für Kaufleute bleibt zunächst die anhaltende Umsetzung der zusätzlichen Hygienemaßnahmen in allen Bereichen.
Wie ein Beschleuniger wirkt Corona offenbar auch für die Digitalisierung im Handel. Trotzdem tröstlich, dass auch ohne Corona schon wichtige Themen wie Umwelt und Entsorgung nicht an Bedeutung verlieren.

Das gilt natürlich auch für das Profil eines jeden Lebensmittelgeschäfts. Was sind die Eigenschaften, die den Super- oder Verbrauchermarkt einzigartig machen? Gar nicht einfach, aber für die meisten der Befragten sind es Produkte von lokalen und regionalen Erzeugern, nach wie vor die Frische, aber auch Bioprodukte. Attraktive Aktionen werden genauso wenig verschmäht wie attraktive Saisonartikel oder Preisaktionen. Bei der Bedeutung von Eigenproduktion oder Eigenmarken ist das Stimmungsbild gemischt. Etwa die Hälfte der Befragten hält dies für die Profilierung und das Image eines Marktes für entscheidend.
Was nach Meinung der Entscheider im Lebensmittelhandel weniger wichtig ist oder an Bedeutung verliert, sind Verkostungen. Ein nachvollziehbares Votum wegen der Kontaktbeschränkungen, aber auch ein bitterer Schlag für Hersteller. Dass die Onlinebestellung, die To-go-Artikel oder der Lieferdienst das Image eines Marktes gerade nicht verbessern, findet übrigens eine auffallende Zahl der Befragten.

Wo werden Händler 2021 investieren? Vor allem in Hygieneschutzmaßnahmen für Kunden und Mitarbeiter, erst danach kommen die normalerweise üblichen Punkte wie Werbung und Kommunikation oder Modernisierung. Was wird den Handel auch über die Pandemie-Zeit hinaus beschäftigen? Hygiene und Gesundheitsschutz – sicher nicht die schlechteste Erkenntnis …