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Energieeffizienz Umrüsten lohnt

Elena Kuss | 02. Oktober 2019
Energieeffizienz: Umrüsten lohnt
Bildquelle: Foto Sessner/Andreas Koehler/REWE

Handelsverband und IHK luden zum Thema Energieeffizienz im Handel. Dieter Oppenhäuser, Energieberater aus Niederburg, und Andre Steffens von Wisolar zeigten, was sich Händler zukünftig sparen sollten.

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Auch, wenn es der absolute Klassiker ist, laut Energieberater Dieter Oppenhäuser gibt es bei der Beleuchtungsanlage im Handel immer noch großen Handlungsbedarf. Umrüsten auf LED lohne sich nach wie vor: Denn die Leuchtdiode braucht nicht nur weniger Strom – fast 90 Prozent gegenüber einer Glühbirne. Das Licht lässt sich auch komponieren. Zehn Jahre nach dem Verbot der Glühbirne stehen LEDs der Vorgängerin in Sachen warmes Licht kaum noch nach.

Beleuchtung
Nebenwirkungen? Bei der LED-Technik ist es die feste Verbindung zwischen Lampe und Leuchtmittel. Haben Lampenhersteller früher Gewinde eingebaut, in die dann die Standardbirne eines anderen Herstellers eingeschraubt wurde, bauen sie heute das Licht fest ein. Geben die Leuchtdioden den Geist auf, ist oft die ganze Lampe nicht mehr zu gebrauchen. „Meiner Erfahrung nach sind die Netzteile immer noch die entscheidende Schwachstelle“, meldet sich Thimo Boch vom Food-Hotel Neuwied zu Wort. Michael Bender von Bender Lichtkonzepte sieht die Schwierigkeit eher im auf die LEDs aufgesprühten Lack, der das Licht warm und angenehm erscheinen lässt. „Genau der blättert ziemlich schnell ab und verkürzt die Lebensdauer der LEDs beträchtlich.“
Die Geräte werden zwar sparsamer. Entscheidend sei jedoch die richtige Nutzung. „Da wird zwar die Glühbirne ausgetauscht, aber die Lampe im Lager brennt den ganzen Tag, obwohl sich nur ein Mitarbeiter fünf Minuten darin aufgehalten hat“, berichtet der Energieberater aus der Praxis. Koste ja nicht mehr so viel.
Dabei gibt es viele Möglichkeiten: Von Licht, das sich automatisch anschaltet und stufenlos immer für die gleiche Helligkeit im Raum sorgt, bis zu Präsenzmeldern, die genauso viel kosten wie die bekannteren Bewegungsmelder und nur dann brennen, wenn das Licht auch jemand sehen kann.

Kälteanlagen
Viele Lebensmittel-Einzelhändler schalten die Kühlung während des Abtauens nicht aus. „Es wird also volle Pulle aufgeheizt, während parallel die Kühlung weiter ballert.“ Aber auch abseits des Sonderfalls: Kühlsysteme verschlingen mehr als ein Viertel des weltweit erzeugten Stroms, Tendenz steigend. Mit einem Frequenzumrichter, der im Handel problemlos nachgerüstet werden kann, wird die Drehzahl der Kälteanlage stufenlos veränderbar. „Ein Frequenzumrichter ist wie ein Gaspedal für den Motor“, erklärt Oppenhäuser. „Die Maschine kann dann nicht mehr nur an oder aus, sondern eben auch nur ein bisschen kühlen.“

Be- und Entlüftungsanlage
Statt feste Einstellungen empfiehlt Oppenhäuser bei Belüftungsanlagen eine bedarfsorientierte Fahrweise, die sich beispielsweise an den Co2-Werten im Raum orientiert. Wird ein festgelegter Wert überschritten, springt die Anlage an.
Die meisten Anlagen seien programmierbar. „Das kostet nichts, es muss einfach nur gemacht werden“, sagt der Energieberater. Dabei spielen die Öffnungszeiten die größte Rolle. „Es lohnt sich oft schon, wenn die Lüftungsanlage 20 Minuten vor Ladenschluss ausgestellt wird. Da fällt einem kein Kunde um, aber man spart jeden Tag.“

Photovoltaik auf dem Marktdach
Alternativ lässt sich Klimafreundlichkeit allerdings auch mit einem anderen Kniff erreichen: Statt Energiesparen, kann man auch die Sonne als Energiequelle nutzen. Händler, die sich vor 10 oder 15 Jahren für eine Fotovoltaikanlage entschieden haben, mussten da nicht lange überlegen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte auf Jahre eine üppige Einspeisevergütung. Die wurde schrittweise gekappt. Und die Zahl der installierten Module sank. Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet. Die Technik ist ausgereifter, die Preise für Module niedrig. Wer es dann schafft, einen gewissen Anteil des Stroms selbst zu verbrauchen, für den hat Andre Steffens von Wisolar in Kaisersesch eine Empfehlung: „Ich würde jedem Lebensmittel-Einzelhändler raten, nicht nächste Woche zum Installateur zu gehen, sondern sofort.“ Gerade die großen und flachen Supermarktdächer eigneten sich perfekt für Solaranlagen. Die teure Speicherung des Stroms sei nicht notwendig, da der Handel die Energie genau dann brauche, wenn die Sonne scheint. „Ich kenne keinen Markt, der Energie übrig hat“, so Steffens.

Auch oft vergessen:
Licht erzeugt Wärme. Gerade an gekühlten Orten wie Kühlhaus, Tiefkühlabteilung oder Frischedienste sollte das Licht nur dann an sein, wenn es wirklich notwendig ist.
10 Jahre alte Photovoltaikanlagen bringen heute durch die stärkere Sonneneinstrahlung so viel wie im Jahr der Installation.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in der Lebensmittel Praxis Nr. 16-2019 unter der Überschrift "Der Lack ist ab".