Ausbildung Azubis verzweifelt gesucht!

Der Handel will seine Ausbildungsplätze mit guten Kandidaten besetzen. Doch es scheitert schon an den Bewerbungen. Ergebnisse einer LP-Befragung.

Montag, 16. Mai 2011 - Management
Heidrun Mittler
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Bildquelle: Geisler

Wie praktisch wäre es, wenn man sich seine Azubis selbst backen könnte: junge, nette Menschen, mit einer gehörigen Portion Fleiß, einer schnellen Auffassungsgabe und dem Willen, den Laden im Nullkommanichts selbstständig zu schmeißen! Vom Wunschdenken zur Realität: Händler verbringen viel Zeit und Energie damit, geeigneten Nachwuchs zu finden, dabei wird die Lage immer schlimmer. Aber stimmt dieses Szenario überhaupt? Oder ist es maßlos übertrieben? Die Lebensmittel Praxis wollte es genau wissen und hat Anfang Mai eine Umfrage im deutschen Lebensmittelhandel gestartet. Mit 49 Antworten ist die Befragung zwar nicht repräsentativ, gibt aber ein gutes Stimmungsbild, was die Personalentwicklung in Filialen, bei Selbstständigen und in Handelszentralen betrifft.

Nachfolgend einige wichtige Antworten und Kommentare:
Viele Jahre hat der Lebensmittelhandel seine Anstrengungen in Sachen Ausbildung verstärkt, sprich: die Zahl der Ausbildungsstellen erhöht. Nun ist er offensichtlich auf einem ausreichenden Level angekommen: Die Zahl der planmäßigen Ausbildungsplätze bleibt 2011 bei der Mehrheit der Befragten (63 Prozent) konstant. Interessant: Wenn man die Antworten nach Vertriebskanälen aufschlüsselt, wird deutlich, dass die selbstständigen Kaufleute nur im Ausnahmefall mehr Azubis einstellen möchten. Sie scheinen besser versorgt zu sein als Filialbetriebe: Bei dieser Zielgruppe geben 50 Prozent an, dass sie mehr Azubis als im Vorjahr rekrutieren möchten. Dabei muss man berücksichtigen, dass unsere befragten Filialbetriebe eine große Zahl an Nachwuchskräften benötigen: Die Hälfte will mehr als zehn Menschen einstellen – hingegen suchen die Selbstständigen meist „nur" ein bis drei Azubis.

Das Recruiting – wie die Personalsuche heute neudeutsch heißt – scheitert oft schon im allerersten Schritt: Nur 31 Prozent der Händler bekommen genügend Bewerbungen von qualifizierten Schulabgängern. Die restlichen fast 70 Prozent erhalten nicht nur zu wenige Bewerbungen (16 Prozent der Antworten), sondern vor allem von Kandidaten, die laut Papierlage nicht geeignet scheinen. Hier stechen vor allem die Rückläufe der selbstständigen Händler aus der Masse heraus: Knapp 60 Prozent bemängeln die Qualifikation der Bewerber. Nicht ganz so stark scheint der Schuh bei den Filialisten zu drücken – wohl auch, weil die Zentralen schon eine Vorauswahl treffen und die allzu schwarzen Schafe aussortieren. Das erklärt auch, warum die Handelszentralen die größten Probleme mit der Qualität haben: Sie sind nur mit 17 Prozent der eingehenden Bewerbungen zufrieden, mehr als 66 Prozent halten sie hingegen für weniger geeignet, zudem fehlen speziell bei ihnen rein zahlenmäßig Interessierte für eine Ausbildung.

Fest steht: Bei Schulabgängern mit guten Noten steht der Lebensmittelhandel nicht ganz oben auf der Wunschliste. Und dass, obwohl der Handel massiv Anreize setzt, damit sich junge Menschen für eine Ausbildung bei ihm interessieren. Einige Beispiele aus der langen Liste, was Kaufleute sich alles einfallen lassen: eine höhere Ausbildungsvergütung als im Tarif festgeschrieben (Handelszentrale), weitere übertarifliche Leistungen, eigene Werbekampagnen zum Recruiting, Anreiz von Ausbildung plus Studium. Selbstständige schulen ihre Azubis oftmals auf eigene Kosten (also über die Maßnahmen der Zentralen hinaus) und locken mit Auslandsaufenthalten. Filialbetriebe führen betriebliche Altersvorsorge, Teamprämien und teilweise Teilzeitausbildungen für junge Mütter ins Feld.

Solange alle diese Maßnahmen nicht das Interesse der gewünschten Zielgruppe wecken, hilft nur eines: Den Zweitbesten eine Chance geben, sie mit viel Geduld schulen und sich über eine positive Entwicklung freuen!
Der Handel steht bei guten Bewerbern nicht unbedingt ganz oben auf der Wunschliste.