Anzeige

Edeka Appetit auf Expansion

Sonja Plachetta | 06. Mai 2011

Edeka und Netto wollen den Umsatz weiter steigern und weiße Flecken auf der Deutschlandkarte beseitigen. Geplant sind bis zu 5.000 Discount-Filialen.

Anzeige

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka hat ungebremsten Wachstumshunger: Mehr Kunden sollen künftig in mehr Läden mehr einkaufen. In Zahlen heißt das: Für 2011 erwartet Edeka-Chef Markus Mosa für den Verbund ein Umsatzplus von weiteren 3 Prozent. 2010 lag es bei 3,4 Prozent (auf 43,5 Mrd. Euro), im LEH sogar bei 3,9 Prozent (auf 39,1 Mrd. Euro).

200 neue Vollsortimenter sollen bis Ende des Jahres zusätzlich zu den bisherigen 7.700 Märkten Lebensmittel an den Mann und an die Frau bringen – allerdings nur hierzulande. Eine Auslandsexpansion ist Mosa zufolge derzeit nicht geplant, auch wenn er sich diese Option für die Zukunft ausdrücklich offenhält. „Wir haben in Deutschland noch genug Hausaufgaben zu erledigen", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz in Hamburg. Dazu zählen für ihn vor allem eine „Verdichtung des Filial- und Vertriebsnetzes und eine Veredelung der Standorte". Besonders im Rhein-Main-Gebiet, im Raum München und in Nordrhein-Westfalen, wo Edeka bisher unterrepräsentiert sei, sollen selbstständige Kaufleute neue Geschäfte eröffnen. Die Verkaufsfläche wird bevorzugt über 1.500 qm liegen, viele Märkte unter 1.000 qm fallen dafür weg.

Auch die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount soll weiter wachsen. Dort ist der Umsatz 2010 um 4,3 Prozent (auf 10,4 Mrd. Euro) gestiegen. Mit 267 neuen Märkten ist die 4.000er-Marke durchbrochen worden. Doch das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. 250 neue Filialen sind allein für 2011 geplant. Und Markus Mosa sieht insgesamt ein Potenzial von 5.000 Netto-Läden in Deutschland – ohne dass durch die hauseigene Discount-Konkurrenz die Existenz der 4.500 selbstständigen Edeka-Kaufleute gefährdet sei. Um diese mittelständische Struktur zu sichern, investiert Edeka in diesem Jahr mehr als 1 Mrd. Euro in die Steigerung der Effizienz. Zudem sollen wieder rund 100 Regie-Märkte an Unternehmer übertragen werden. Des Weiteren liegt ein besonderer Fokus auf der Weiterentwicklung der Eigenmarken, die 2010 überdurchschnittlich dazugewonnen haben. „Durch unsere Eigenmarkenphilosophie wollen wir neue Kunden ansprechen und in die Märkte locken", erläuterte Mosa.

Unsicher ist allerdings, wie die Verbraucher reagieren, wenn die Preise klettern. Und mit einer Teuerung rechnet Warenvorstand Gert Schambach: „Wir erwarten für dieses Jahr eine substanzielle Inflation von mindestens 2 Prozent."

Trotz vieler ambitionierter Ziele, eines steht derzeit nicht auf der Agenda: der Einstieg in den Online-Handel. Edeka beobachte zwar die Aktivitäten der Wettbewerber, doch „Lebensmittel sind keine Bücher, die man in einem Paket verschicken kann", sagte Mosa. Intern suche man allerdings Lösungen für das Problem.