Interview mit Michael Cames „Es fehlt uns nicht an Perspektiven“ - Interview mit Michael Cames: Teil 2

Die Frage der Größe ist beim Neusser Zustellgroßhandel Cames verhältnismäßig. Die Belieferung und Beratung „kleiner“ Verkaufsflächen, auch in ländlichen Regionen, sind etwas für Spezialisten, die vorausschauend und digital planen.

Donnerstag, 22. März 2018 - Management
Dieter Druck
Artikelbild „Es fehlt uns nicht an Perspektiven“ - Interview mit Michael Cames: Teil 2
Bildquelle: Carsten Hoppen, Cames

Inhaltsübersicht

Gastronomie im Handel ist ein Riesenthema auch bei den Kleinen?
Sicherlich bieten gastronomische Angebote Ansätze für unsere Kunden. Als Partner des MSC-Vertriebsverbunds sind wir beispielsweise dabei, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Tankstellen- sowie LEH-Bereich geeignete Standorte mit Aryzta-Vermarktungskonzepten für Backwaren sowie Snacks zu versorgen.

Welche Ansätze ergeben sich für Sie aus dem zumindest medial boomenden Online-Handel mit Food?
Das Online-Geschäft ist noch in der Findungsphase. Derzeit beliefern wir als Großhändler Online-Shops mit speziellen Sortimenten, zum Beispiel in den Segmenten Süßwaren, Haushaltswaren/Nonfood. Der größte unter diesen offeriert rund 1.200 Artikel, andere haben ein Sortiment mit 20 oder 30 Artikeln. Hier ergeben sich durchaus Expansionsmöglichkeiten.

Wäre es erstrebenswert, als Großhändler für Amazon zu agieren? Haben Sie die Fühler ausgestreckt?
Darüber denken wir nicht nach.

Cames in der Übersicht

Der Lebensmittelgroßhändler und MCS-Partner (Marketing und Convenience -Shop System GmbH) liefert an rund 300 selbstständige Kaufleute, an etwa 400 Tankstellen, 300 Kioske sowie an Bahnhofs- und Flughafenshops. Die Kunden betreut ein zwölf Mitarbeiter umfassender Außendienst. Insgesamt zählt das 1920 gegründete Unternehmen 99 Mitarbeiter. Die Peter Cames GmbH plant Neueinstellungen, insbesondere im IT-Sektor. Das Vertriebsgebiet erstreckt sich im Norden bis Emmerich, im Süden bis Trier und in östlicher Richtung bis Olpe. Dazu kommt noch ein kleiner Anteil Benelux. Etwa 14.000 Artikel zählt das Sortiment. Der Großhandelsumsatz stieg 2017 um 5 Prozent auf 71,5 Millionen Euro.

Was hält Sie ab?
Cames und Amazon sind Unternehmensgrößen und -kulturen, die einfach nicht zusammenpassen. Als Mittelständler wären wir dort nur ein kleines Rädchen im Getriebe, mehr nicht. Nichtsdestotrotz muss man anerkennen, dass Amazon seine Kunden perfekt kennt und wir davon lernen können. Vor diesem Hintergrund hat Amazon durchaus Vorbildfunktion für uns.

Haben Handelsmarken bei Cames ein Profilierungspotenzial?
Unsere LEH- und Tankstellenkunden profilieren sich nicht über Handelsmarken, sondern über die Markenartikler. 20 bis 23 Prozent EH-Spanne sollten für sie schon drin sein. Die lassen sich aber mit einem handelsmarkenlastigen Angebot kaum realisieren.

Wie läuft das Geschäft mit den Tankstellen?
Im vergangenen Jahr erzielten wir einen Großhandelsumsatz von 71,5 Millionen Euro. Das war ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und das resultiert überwiegend aus dem Tankstellenbereich.

Wie sieht hier die Kundenstruktur aus?
Mit dem Kern aus mittelständischen Tankstellenbetreibern wie zum Beispiel ED in Ihrer Region sind wir gut aufgestellt. Und wir gewinnen auch Neukunden unter anderem aus dem Netz ehemaliger Aral-Standorte hinzu.

Ist Aral im Verbund mit Rewe to go der neue Maßstab, und sind auch für Sie Gastro und Frische die Wachstumstreiber an den Tankstellen?
Das ist komplex, aber vereinfacht dargestellt, ergibt sich für uns, dass gastronomische Angebote und Frische keine signifikanten Einflüsse auf den Absatz der Kernsortimente wie Süß- und Tabakwaren haben. Frische und to go zeigen je nach Standort und Angebotsbreite teilweise sehr unterschiedliche Performances. Die Abschriften können manchem ordentlich zu schaffen machen. Sie müssen meist eher als Marketingausgaben betrachtet werden, um Kunden eine Frische- oder Gastrokompetenz zu vermitteln.

Macht Ihnen auch der Blick in die Zukunft zu schaffen?
Wir bewegen uns weiter vorwärts, nicht so aufsehenerregend wie die Großen, aber nachhaltig, vor allem in Bezug auf die Entwicklung unserer Großhandelskunden. Wir werden auch personell expandieren aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung unserer in- und externen Abläufe.