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Interview mit Markus Buntz Mit neuer Kraft - Interview mit Markus Buntz: Teil 2

Dieter Druck | 20. Februar 2018

Der tief greifende Umbau bei Bünting ist beendet. Das ostfriesische Handelsunternehmen geht auf „eigenen Füßen“ die Zukunft an. Die Konzepte für die Combi- und Famila-Standorte werden ausgerollt. Für beide sollen auch eigene Online-Shops installiert werden.

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Sind Effekte in den umgestellten Combis bereits spürbar?
Alle umgestellten Märkte liegen im Zielkorridor und überzeugen durch eine positive Entwicklung. Die Maßnahmen schlagen sich in Mehrumsätzen nieder, die im Wesentlichen aus gestiegenen Kundenzahlen resultieren. Und diese bewegen sich mitunter durchaus im zweistelligen Bereich.

Die Großfläche hat es in Deutschland generell schwer. Ist Famila nach wie vor ein Expansionsformat?
Famila ist bei uns ein Expansionsfeld. Das untermauern wir unter anderem mit dem Konzeptmarkt in Vechta. Darüber hinaus haben wir bei den Famila-Verkaufsflächen eine Bandbreite zwischen 3.500 und 11.000 Quadratmetern. Also ist es nicht immer die klassische Großfläche. Wir bieten Kunden durch frisch zubereitetes Sushi und andere gastronomische Angebote mit der Produktion vor Ort, Weinberatung und so weiter ein besonderes Einkaufserlebnis, aber ebenso die Möglichkeit des verkürzten, schnellen Einkaufs.

Bünting bedient über den Großhandel auch rund 250 Markant-Kaufleute. Wie entwickelt sich diese Sparte und wie zukunftsträchtig ist sie?
Die Sparte entwickelt sich stabil. Sie ist eine für uns eine wichtige und zukunftsträchtige Geschäftseinheit. Hier stärken wir uns über die zusätzlichen Vertriebswege der selbstständigen Einzelhändler als Nahversorger, die unter den Vertriebsmarken Markant, nah & frisch und Ihre Kette firmieren und über die Bünting Großhandel und Service GmbH & Co. KG betreut und beliefert werden.

Der neue Famila

Den richtungsweisenden Famila-Konzept- Markt hat Bünting Ende 2016 in Vechta am alten Standort in der Falkenrotter Straße neu installiert. Breite, unverbaute Gänge und flache, nur 1,60 Meter hohe Regale vermitteln Offenheit und erleichtern dem Kunden die Orientierung. Sortiment und Warenpräsentation verbreiten eine angenehme Wochenmarktatmosphäre. Das Frischangebot wurde vergrößert. So wuchs beispielsweise die O-& G-Abteilung um 100 auf 350 Quadratmeter. Die Fronten der Bedienungstheken summieren sich jetzt auf 46 Meter. Bedienung und Frische sind hervorstechende Merkmale. Auf 5.600 Quadratmeter Verkaufsfläche werden etwa 70.000 Artikel angeboten, davon circa 32.000 im Foodbereich. Rund 60 neue Lieferanten wurden hier aufgeschaltet, die vor allem neue Frischeartikel, insbesondere Käse, Salate und frische Pasta, liefern. Das Bio-Angebot wurde generell ausgebaut. Gleichzeitig wurde innerhalb des Angebotes der regionale Bezug deutlich verstärkt. Ess-Bar und Schnippelküche stehen für Gastronomie, Snacking, Takeaway und Produktion vor Ort. Im Markt wird auch vor den Augen der Kunden Sushi zubereitet. Die Bake- Off-Station wurde neu aufgestellt. Bei identischer Größe befindet sie sich jetzt im Eingangsbereich und ist offen über Eck angelegt. Die Planung geht von Umsatzeffekten in Höhe von plus6 Prozent aus.

Kommen Ihnen nicht doch Zweifel beim Online-Geschäft, angesichts von Rückzugtendenzen beziehungsweise reduziertem Expansionstempo bei einigen der großen Wettbewerber in Deutschland?
Der Online-Handel ist für uns zukunftsgerichtet eine wichtige Komponente. Das Einkaufsverhalten wird sich auch in Deutschland verändern. Das Onlinegeschäft auch mit Lebensmittel hat großes Potenzial. Bünting ist vorbereitet und kann daran partizipieren, wenn es in die Phase der Neuverteilung geht.

Wie soll es online weitergehen?
Wir verfügen über eine mehrjährige Expertise im Online-Geschäft. In den zurückliegenden zwei Jahren haben wir auch dieses Geschäftsfeld deutlich optimiert. Dazu zählt auch, dass MyTime.de logistisch und administrativ in die zentralen Strukturen integriert wurde. Das Online-Geschäft sehen wir nicht ausschließlich als Pure-Player, sondern in Verbindung mit unseren stationären Märkten. Der Kunde kennt uns aus dem stationären Handel. Das ist eine gute Vertrauensbasis. Im Einklang von Kundenbedürfnissen und wirtschaftlicher Tragfähigkeit bieten wir aktuell neben der direkten Zustellung auch Pick-up-Lösungen an 6.000 DPD-Stationen an. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit Click-&-Collect-Lösungen. Dafür planen wir Online-Plattformen für Combi und Famila möglichst noch in diesem Jahr.

Trotz des Umkehrschubs bei Bünting, der Wettbewerb ist hart. Ist Bünting in der sich weiter verdichtenden deutschen Handelslandschaft ein Übernahmekandidat?
Das kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Wir haben uns in den zurückliegenden zwei Jahren zukunftsfähig aufgestellt und können uns als regional fest verankertes Unternehmen im Nordwesten eigenständig behaupten.