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Interview mit Dieter Overath Arbeit mit Siegel

Bettina Röttig | 27. Januar 2017
Interview mit Dieter Overath: Arbeit mit Siegel

Bildquelle: Carsten Hoppen

Immer mehr Bundesbürger greifen zu Kaffee, Rosen oder Schokolade aus fairem Handel. Wir sprachen mit Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von Trans-Fair, über die Weiterentwicklung der Kennzeichnung, deutsche Milchbauern und die Kommunikation im Handel.

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Herr Overath, immer mehr Verbraucher greifen zu fair gehandelten Produkten. Insbesondere der Anteil der Käufer mit niedrigeren Einkommen und Bildungsabschlüssen hat sich stark erhöht, zeigt eine Verbraucherumfrage von Forum Fairer Handel. Worauf führen Sie dies zurück?
Dieter Overath: Es gibt kein Geschäft mehr in Deutschland, das nicht wenigstens ein Fairtrade-Produkt im Sortiment hat. Aber auch im Außer-Haus-Bereich treffen Sie immer häufiger auf Angebote aus fairem Handel. Allein 7.000 Bäckerei-Filialen bieten zertifizierten Kaffee an, darüber hinaus auch immer mehr Firmen-Kantinen, Universitäten etc. Die Zahl der Berührungspunkte nimmt also zu. Wenn darüber Normalität geschaffen wird und das Produkt zudem schmeckt, greift der Konsument unabhängig vom Einkommen oder Bildungsniveau auch im Supermarkt zu.

Welche Vertriebsschiene ist die richtige, um die erklärungsbedürftigen Produkte erfolgreich zu verkaufen?
Bei den Vollsortimentern, vor allem den selbstständigen Kaufleuten von Edeka oder Rewe, können wir Themen anders platzieren und die Klaviatur unserer PoS-Aktivitäten mit Werbedamen und Verkostungen besser spielen als in einem Discounter. Viele Kaufleute zeigen von sich aus großes Interesse an Kooperationen und sind sehr engagiert in Fairtrade-Town-Projekten. Das heißt sie stehen persönlich hinter unserem Engagement. Einsätze am PoS sind übrigens auch für uns sehr wichtig, um analysieren zu können, welche Fragen von Kunden gestellt werden, wie die Einstellung zu Fairtrade ist.

Fakten
  • 2016 wurde erstmals die 1-Mrd.-Euro Umsatzmarke für Fairtrade-Produkte geknackt
  • Der Umsatz verteilt sich je zu einem Drittel auf den Discount, die Vollsortimenter sowie den Außer-Haus-Bereich und Fachhandel
  • 92 Prozent der Bundesbürger, die das Fairtrade-Siegel kennen, vertrauen ihm.
  • Lebensmittelsortiment: Rund 4.000 Artikel gibt es bereits mit dem Fairtrade-Siegel
  • 70 Prozent der Fairtrade-Lebensmittel hierzulande tragen zusätzliche das Bio-Label: 2015 betrug bei fairem Kaffee der Bioanteil 72 Prozent, bei Schokolade 61 Prozent, bei Tee 85 Prozent und bei Bananen 100 Prozent.

Nimmt die Skepsis zu?
Nein, die ist weiterhin auf geringem Niveau. Wir setzen aber auch alles daran, Transparenz zu schaffen und umfangreich zu informieren, z. B. über Fairtrade-Codes, die auf vielen Produkten zu finden sind. Damit waren wir Vorreiter in der Branche. Auch über die Barcoo-App stehen viele Informationen zur Verfügung.

Wie häufig werden die Codes tatsächlich abgescannt?
Monatlich registrieren wir rund 5.000 Abrufe auf unserer Website fairtrade-code.de.  Zusätzlich gibt es beispielsweise auch noch die Produktdatenbank, den Produkt-Finder, auf unserer Website fairtrade-deutschland.de mit Informationen zur Produktvielfalt nach Kategorie, den jeweiligen Anbietern und Verkaufsstellen.