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Warenverkaufskunde Alte Gemüsesorten - WVK Alte Gemüsesorte: Teil 2

Michaela Hennecke | 22. September 2017
Warenverkaufskunde: Alte Gemüsesorten

Bildquelle: Getty Images, Pro-Specie-Rara, Gerhard Müller Lang, Stefan Abtmeyer

Sie haben andere Formen und Farben als das Gemüse, das wir kennen. Mit ihrem ungewöhnlichen Aussehen tragen sie heute zur Verwunderung von so manchem Konsumenten bei. Aber: Alte Gemüsesorten helfen, die Nutzpflanzenvielfalt zu erhalten. Ein Einblick, warum es sich lohnt, diese Sorten im Markt anzubieten.

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Genbanken
Sorten, die nicht mehr angebaut werden, werden in Genbanken konserviert. Dies sind riesige Archive, in denen Samenproben eingelagert werden. 2008 wurde der „weltweite Saatguttresor auf Syalbart“ von dem Welttreuhandfond für Kulturpflanzenvielfalt (GCDT) in Spitzbergen eröffnet. Hier lagern 4,5 Mio Samenproben. So hofft man, dass sie je nach Art zwischen 55 und 10.000 Jahren haltbar bleiben, sodass ihre Sorteneigenschaften nicht verloren gehen.

Was neue Sorten so anders macht
  • Neue Sorten sind meist Hybride. Sie verfügen über besonders einheitliche, große Früchte, die hohe Erträge gewährleisten. Jedoch können sie sich nur beschränkt oder gar nicht mehr weitervermehren. Ihre Nachkommen sind in aller Regel extrem uneinheitlich, klein und kümmerlich.
  • Samenfeste Sorten erhalten hingegen in der nächsten Generation ihre Eigenschaften, sind aber auch in der Lage sich bei ihrer Weitervermehrung an verschiedene Umweltbedingungen anzupassen.
  • Saatgutfirmen haben sich jedoch mit der Einführung der Gentechnik noch andere Methoden einfallen lassen, den Ertrag zu erhöhen: Bestimmte Sorten wurden gegen Schädlinge immun gemacht oder können mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden ohne dabei selbst abzusterben.
  • Diese Entwicklungen sind natürlich aufwendig und teuer. Daher lassen sich Firmen ihr Saatgut patentieren. Es darf nicht ohne die Abgabe von Lizenzgebühren nachgebaut werden. Für kleinere Firmen sind diese Methoden der Züchtung häufig zu teuer. Eine ungeheuere Konzentration von Firmen, die Saatgut anbieten, ist die Folge.
Ein Blickfang

Alte Gemüsesorten sind etwas Besonderes und als solches sollten sie auch in der Gemüseabteilung behandelt werden.

Ein eigenes Regal für die alten Gemüsesorten bietet sich an. Hier variiert das Gemüse, da die alten Sorten immer nur saisonal erhältlich sind. Es lohnt sich, das Gemüse mit einfachen Mitteln zu präsentieren, um einen Vintage-Look herzustellen: zum Beispiel auf Stroh, mit Packpapier oder in Weidekörben. Es muss dem Kunden sofort ersichtlich werden, was das Besondere an diesem Gemüse ist, wie es schmeckt, wo es herkommt und wie es angebaut wird. Hilfreich sind große Tafeln, die diese Informationen tragen. Ein kleiner Flyer, auf dem diese Eigenschaften noch einmal zusammen gefasst sind, ist sicher hilfreich. Hier kann auf einer Seite auch ein Rezept abgedruckt werden. Auf jeden Fall sollte auf die Problematik der verschwindenden Sortenvielfalt hinzuwiesen werden. Auch dies kann auf den Flyern geschehen, mit dem Verweis auf Internetseiten, um sich näher zu informieren.

Die alten Sorten werden nicht im großen Stil angebaut. Kunden unterstützen also einen besonderen Landwirt. Warum den Landwirt also nicht vorstellen? Schöne Bilder helfen hier immer. Der Kunde muss schon am Regal erfahren, dass er nur in einem begrenzten Zeitraum die Möglichkeit hat, dieses Gemüse zu probieren.

Im Fall von blauen Kartoffeln oder der Chioggia Rote Bete lohnt es sich, ein aufgeschnittenes Exemplar danebenzulegen. Außerdem fördern Kochanreize, in denen das bunte Gemüse auch schön zur Geltung, kommt, den Absatz. Aber wie immer ist es von größter Bedeutung, dass die Mitarbeiter wissen, warum die alten Sorten erhalten werden müssen und warum sie ausgerechnet dieses Gemüse im Markt anbieten.

Wissen checken

Wer aufmerksam gelesen hat, kann die folgenden Fragen beantworten.

 

Fragen

  1. Warum ist der Erhalt der alten Sorten wichtig?
  2. Warum sind alte Sorten für die industrielle Landwirtschaft uninteressant?
  3. Wo werden alte Gemüsesorten im Markt am besten platziert?

 

Antworten

  1. Sie erhalten die genetische Vielfalt mit ihren Sorteneigenschaften.
  2. Alte Sorten sind weniger gleichförmig und können mit modernem Gerät nicht geerntet werden. Der Pflegeaufwand für die Pflanzen ist höher.
  3. An einem Platz, der die Einzigartigkeit in Form und Geschmack herausstellt. Ein Vintage-Look vermittelt „Alter“.

 

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, Pro Specie-Rara und Slow Food Deutschland für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Material.