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Warenverkaufskunde Alte Gemüsesorten

Michaela Hennecke | 22. September 2017
Warenverkaufskunde: Alte Gemüsesorten

Bildquelle: Getty Images, Pro-Specie-Rara, Gerhard Müller Lang, Stefan Abtmeyer

Sie haben andere Formen und Farben als das Gemüse, das wir kennen. Mit ihrem ungewöhnlichen Aussehen tragen sie heute zur Verwunderung von so manchem Konsumenten bei. Aber: Alte Gemüsesorten helfen, die Nutzpflanzenvielfalt zu erhalten. Ein Einblick, warum es sich lohnt, diese Sorten im Markt anzubieten.

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Ein Modethema?

Heute sind sie wieder in aller Munde: die sogenannten alten Sorten. Sie gehören zu unserem Kulturgut und helfen auch für spätere Generationen die Ernährungsvielfalt zu sichern. Michaela Hennecke

Eine gut sortierte Gemüseabteilung ist das Aushängeschild eines jeden Lebensmittel-Einzelhändlers. Kartoffeln, Salat, Zwiebeln und Kohl gehören wie selbstverständlich dazu. Warum aber die Gemüseabteilung nicht einmal mit ein paar auffälligen Gemüsearten bestücken? Blaue Kartoffeln, gestreifte Auberginen, gesprenkelter Salat oder blaue Kohlräbchen wären da als Alternative zu nennen. Die Kunden werden sich bestimmt interessiert nach ihnen umschauen. Für den Händler ist dies die Chance, sich durch den Verkauf ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. Er kann diese Sorten saisonal in seinem Portfolio anbieten.

Alte Exoten
Heutiges Gemüse sieht häufig sehr einheitlich aus, aber das war nicht immer so. Alte, regionale Sorten verfügen zum Teil über andere Farben und ein anderes Aussehen. Aber vor allem haben sie einen anderen Geschmack: nussiger, intensiver, ausgewogener. Über tausende von Jahren entwickelten sich Sorten, die sich auf die regionalen Verhältnisse eingestellt haben. Sie passten sich veränderten Umweltbedingungen an und erweiterten so die biologische Vielfalt bei Kulturpflanzen.

Warum so wenige?
Heute sind 90 Prozent der Samenfesten Sorten (Sorten, die sich aus ihrem eigenen Saatgut, mithilfe von Wind und Insekten, vermehren lassen) aus unseren Gärten und Äckern verschwunden. Zurückzuführen ist dies auf einen mehr oder weniger schleichenden Prozess: Heute werden nur noch wenige Hausgärten bewirtschaftet. Und wenn doch, wird das Saatgut meist zugekauft und nicht wie früher getauscht oder selbst nachgebaut. Im großen Stil kam es zu Veränderungen durch die Einführung der ersten Saatgutverordnung 1934. Diese sollte die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Es wurden nur noch bestimmte Sorten zum Anbau zugelassen.

Nicht zugelassene Sorten verschwanden zum Teil aus dem kollektiven Gedächtnis. Ihre Eigenschaften, die sich über Jahrtausende entwickelt haben, sind für immer verloren gegangen. Heute müssen Sorten, die vom Bundessortenamt zugelassen werden, drei wichtige Punkte erfüllen. Sie müssen einheitlich und stabil sein. Außerdem müssen sie eine klare Abgrenzung zu anderen Sorten vorweisen können. Eigenschaften, die die alten Sorten nicht einhalten können. Heute baut man sie nur noch in einer begrenzten Menge oder auf einer bestimmten Fläche an. Gemeinnützige Organisationen wie die schweizerische Pro-Specie-Rara oder Vereine wie der Verein zu Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt setzen sich dafür ein, dass auch spätere Generationen diese Sorten nutzen können. Immer häufiger finden sich auch Landwirte, die diese Arbeit unterstützen und das Saatgut anderen zur Verfügung stellen. Ein wichtiges Ziel ist dabei, die genetische Vielfalt zu erhalten. In der Wissenschaft spricht man dabei von der „Biodiversität“.