Selbst Kartoffeln schälen? Tränende Augen vom Zwiebelschneiden? Das war gestern. Kunden, die in diesem neuen Jumbo Foodmarkt einkaufen, greifen zum Beutel mit geschnittenem Gemüse. Diese und andere Extras locken auch Kundschaft beispielsweise aus der Umgebung von Mönchengladbach in die Provinz Limburg, genauer gesagt nach Echt-Susteren. In der Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern, direkt hinter der deutsch-niederländischen Grenze gelegen, hat besagter Jumbo Foodmarkt auf dem Areal einer ehemaligen Pfannenfabrik eröffnet. Der bisherige Standort in Echt, näher am Stadtzentrum, ist seither geschlossen.
Im Markt steht das Motto Convenience an erster Stelle. Wer die Fläche betritt, landet direkt in der Obst- und Gemüseabteilung. Sie ist von hohen Kühlschränken gesäumt – rund 10 Meter sind allein mit fertig geschnittenem Gemüse gefüllt. So findet man nicht nur eine Variation geschälter Kartoffeln, sondern gleich mehrere: mehlige, vorwiegend festkochende und feste Sorten, kleine oder große Stücke, in Scheiben-, Wedges- oder Frittenform sowie Drillinge, alles in unterschiedlichen Portionsgrößen.
Neben den erwähnten Zwiebeln präsentiert die Abteilung zahlreiche Gemüse und beliebte Mischungen für asiatische Gerichte wie Nasi- oder Bamigoreng. Tüte auf, die Mischung aus Möhre, Spitzkohl, Lauch und roten Zwiebeln in die Pfanne, passende Sauce dazu, vielleicht noch ein Spiegelei drüber – fertig! Wer individueller kochen möchte, greift zu einem „Mahlzeiten-Paket“ mit unverarbeitetem Gemüse, Gewürzen und Saucen sowie einer Rezeptempfehlung. In einer eigenen Kühltruhe sind alle Zutaten platziert, die man für einen Burger braucht: Patties (auch veggie), Bacon, Cheddarkäse, obenauf stehen Buns, Ketchup, Mayonnaise und verschiedene Würzsaucen. Oder aber der hungrige Käufer richtet sein Augenmerk auf fertig zubereitete und gekühlte Produkte. Diese gibt es entweder zur Zubereitung in der heimischen Küche oder auch zum Sofortverzehr im Foodcafé.
So kann man sich beispielsweise eine Pizza oder Pinsa aussuchen, die Mitarbeiter an einer Theke frisch belegen. Dann bezahlt man an einer eigenen Kasse und wartet im Café, während die Pizza im Ofen backt. Gleiches gilt für Salate, Bowls, Wraps, Sushi, Focaccias und belegte Brote in allen möglichen Ausprägungen. Das Kaltgetränk nimmt man direkt aus dem Kühlregal auf der Verkaufsfläche. Falls man die Flasche nicht leer trinkt, klebt ein Mitarbeiter einen Sticker auf die Flasche, als Zeichen, das sie schon bezahlt ist. Jumbo nennt das Thekenkonzept „Chefs & Slagers“ (Köche und Metzger). Seit der Einführung im Jahr 2013 in Breda ist das Konzept an zahlreichen hoch frequentierten Standorten im Einsatz.
In Echt fällt eine Theke für Vegetarier ins Auge, der „Green Grill“. Die erste vegetarische Station steht seit Ende des vergangenen Jahres ebenfalls in Breda, als der Markt nach Renovierung wieder in Betrieb gegangen ist. Neben herzhaften Snacks und Gerichten kann der Kunde auch süße Stückchen und Salziges aus der Bäckerei zum Sofortverzehr auswählen und vor Ort genießen.
Drei Fragen an …
Manon Schroff, Junior-Chefin bei Edeka Schroff, Kleve
Wie locken Sie an Ihrem Standort Kunden aus den Niederlanden in den Markt?
Unser großes Plus sind die Frischetheken Fleisch, Wurst, Fisch und Käse, außerdem Antipasti und Pralinen in Bedienung. Die Niederländer steuern die Bedienung an, die es so bei ihnen im Lebensmittelhandel nicht mehr gibt.
Welche Produkte kaufen die Niederländer bevorzugt?
Sie greifen gern bei unseren Grillpaketen zu: zehn Teile für 12,99 Euro mit Produkten, die wir selbst produziert haben, wie etwa Bratwurstschnecken. Besonders interessieren sie sich für Fleisch wie fertiggewürzte Braten aus unserer Metzgerei.
Suchen diese Kunden auch hochpreisige Lebensmittel?
Ja, Patties aus Dry-Aged-Rindfleisch sind ein Renner. Aber auch Spirituosen und Kaffee.
Sonntags geöffnet
Wochentags von 8 bis 10 Uhr, sonntags von 9 bis 11 Uhr offeriert der Markt ein Frühstück mit Heißgetränk zum Angebotspreis von 3,99 Euro. Apropos Sonntagsöffnung: Dieses Argument zieht speziell bei der deutschen Klientel. Das Foodcafé an sich ist allerdings ebenso bei Niederländern und Belgiern beliebt, nicht zuletzt wegen der hohen Preise in der Gastronomie in den beiden Ländern.Klassische Bedientheken sind in den Niederlanden nicht üblich, jedenfalls nicht im klassischen Lebensmittelhandel. Sie sind den Fachgeschäften wie Fleischereien vorbehalten, die oftmals in der unmittelbaren Umgebung angesiedelt sind. Im Jumbo Foodmarkt stehen Arbeitsstationen zentral auf der Fläche. Hier schneiden und verpacken Mitarbeiter zum Beispiel Fleisch- und Wurstwaren; sie erfüllen auch spezielle Kundenwünsche. „Tapas & Borrel“ heißt eine Abteilung, die Snacks bereithält: Käsewürfel, Salami, Schinken, Oliven – Kleinigkeiten, die gut zu einem Glas Wein oder Bier passen.
Die Wein- und Bierabteilungen überzeugen durch Größe und das internationale Angebot. Hochprozentige Spirituosen hingegen sind in einem separaten Store mit Bedienung gebündelt, links neben dem Kassenbereich. Das Sortiment in Echt ist auf die Bedürfnisse von Verbrauchern jenseits der Landesgrenze zugeschnitten. Deutsche Kunden freuen sich über das Kaffeeregal mit Paketen Eduscho ganze Bohnen, Melitta Auslese und Jacobs Krönung oder über die Vielfalt bei den Dr. Oetker-Backmischungen.
Angebote für Deutsche und Belgier
Außerhalb der Verkaufsfläche, aber auf dem Gelände der ehemaligen Pfannenfabrik, bietet die Bäckerei Jos Puts neben heimischen Broten auch solche mit Sauerteig an. Belgische Kunden greifen zu Croissants (auch TK-Ware zum Aufbacken) oder dunklen Bieren mit einem relativ hohen Alkoholgehalt. Gern hätte die LP die Verantwortlichen im Markt gefragt, wie die Besonderheiten im Sortiment bei den Käufern ankommen, was sich bewährt hat und wo Änderungen nötig sind. Leider war die Marktleitung aber weder zu einem gemeinsamen Rundgang noch zur Beantwortung von Fragen bereit.
Das könnte daran liegen, dass das Unternehmen derzeit kein Interesse daran hat, in den Medien zu erscheinen. Im August stand in der europäischen Presse zu lesen, dass der frühere Geschäftsführer Frits van Eerd von einem Gericht in Groningen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden ist. Der Schuldspruch lautet auf Geldwäsche, Betrug und Urkundenfälschung. Frits van Eerdt war 2023 aus der Geschäftsführung ausgeschieden. 1921 hat sein Großvater Johan van Eerdt das Unternehmen gegründet, es ist noch bis heute im Familienbesitz. Ab dem kommenden Jahr übernimmt der 48-jährige Däne Jesper Højer den Jumbo-Chefsessel. Er war bis 2019 Chef von Lidl International und zuvor bei Lidl in Belgien und den Niederlanden tätig. Højer soll Jumbo in der nächsten Wachstumsphase begleiten und die Aktivitäten in den Niederlanden und Belgien weiterentwickeln. Das Unternehmen betreibt derzeit 732 Filialen in beiden Ländern.
Jumbo Foodmarkt, Plein de Valk 1, 6101 DM Echt-Susteren, Niederlande
| Eröffnet | Juni 2025 |
| Verkaufsfläche | 2.456 qm |
| Öffnungszeiten Mo.- Sa. | 8 bis 21 Uhr |
| Öffnungszeiten sonntags | 9 bis 20 Uhr |
| Mitarbeiter (Köpfe) | 150 |
| Parkplätze | 350 |
| Umsatzziel | k. A. |
| Foodcafé | 100 Plätze |
| Kassen | 2 |
| SCO-Kassen | 8 |
| Einzugsgebiet | ca. 35 km |
| Lokale Produkte | 260 |
Quelle: Jumbo Supermarkten, Joep Meijsen (Distrifood.nl), eigene Recherche
Auf Wachstumskurs
In den Niederlanden hält die Kette nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 21 Prozent. Die gesamte Gruppe machte 2024 einen Umsatz von 10,7 Milliarden Euro.
Im laufenden Jahr ist Jumbo vor allem in Belgien gewachsen. Hier hat man gleich sieben Mal Eröffnung gefeiert und betreibt dort jetzt 43 Standorte. In den Niederlanden hingegen hat Jumbo 2025 lediglich zwei Standorte von der Supermarkt-Kette Plus übernommen. Neuigkeiten gibt es auch bei der Warenbeschaffung: Jumbo hat die Zusammenarbeit mit den Einkaufsorganisationen Everest und Epic Partners für den Einkauf von A-Marken zum Jahresende gekündigt. Die Zusammenarbeit mit Edeka für Eigenmarken bleibt bestehen.
