Marktrundgang Nach dem Umbau – Uwe Georg macht seinen Markt in Idstein zum Vorzeigemodell

Hintergrund

Kaufmann Uwe Georg hat im letzten Jahr seinen Markt in Idstein renoviert. Auf der MLF-Tagung präsentiert er den Fachbesuchern seinen „Vorzeigemarkt“ mit all seinen Besonderheiten.

Dienstag, 28. Oktober 2025, 07:40 Uhr
Heidrun Mittler
Edeka Georg Mopro-Abteilung
Die Weinabteilung, das Steckenpferd des Kaufmanns.
Der Standort in Idstein ist seit 2009 am Netz. Im letzten Jahr hat Georg ihn bei laufendem Betrieb renoviert. Dabei ist die Käsetheke neben die übrigen Bedienungstheken gerückt. Auf dem frei gewordenen Platz steht jetzt die Mopro-Abteilung. Bildquelle: Ingo Hilger

Er kann’s nicht lassen: Wann immer Uwe Georg durch einen Supermarkt geht, greift er in ein Regal. Räumt auf, zieht Packungen vor, dreht sie mit dem Gesicht nach vorn zum Kunden. „Selbst im Urlaub, in fremden Märkten, muss ich anpacken“, lacht er. Handel ist sein Leben und seine Leidenschaft. Wenn die MLF-Kaufleute den Markt in Idstein besichtigen, stehen alle Regale natürlich wie eine Eins, dafür sorgt das gesamte Team. Dass die Verkaufsfläche auch an jedem x-beliebigen Tag mit Ordnung und Sauberkeit punktet, dafür ist Marktleiterin Fevziye Demir zuständig. Die quirlige Frau aus Persien arbeitet seit 2012 bei Georg, der Chef nennt sie „Frau Duracell“.

Seinen Markt in Idstein, nördlich von Wiesbaden gelegen, bezeichnet der Inhaber als „Vorzeigemarkt“. Allerdings geht es noch besser: Sein Markt in Oberursel, weiter östlich im Einzugsgebiet von Frankfurt, erzielt fast den gleichen Umsatz. „Mit 23 Jahren und auf 2.000 Quadratmetern“, erklärt Georg. Eine Ursache dürfte der hohe Kaufkraftindex in Oberursel sein, der mit 143 deutlich über dem Durchschnitt liegt. Aber auch in Idstein wohnt und lebt gut betuchtes Publikum, das bei jedem Einkauf im Schnitt 34 Euro an der Kasse lässt.

Im vergangenen Jahr hat der Edekaner ordentlich Geld in die Hand genommen und die Fläche in Idstein modernisiert. Wenn der Kunde nun den Markt betritt, trifft er zuerst auf die „Fischtheke Poseidon“. Untermieter Salvatore Dindia betreibt die Theke und erzielt damit einen Umsatzanteil von 4 Prozent. „Besser als ich es selbst könnte“, räumt Georg ein, der in nur einem Markt eine Bedienungstheke Fisch unter eigener Leitung managt.

An Bäckerei und Café vorbei (beides untervermietet an Schäfer’s) gelangt der Käufer durch ein Gate in die Obst- und Gemüse-Welt. Die Abteilung bietet mit 300 Quadratmetern Platz für viele regionale Produkte: etwa Mulke Topfkräuter oder Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln sowie Beeren vom Hof Birkenhöhe – beide Produzenten aus dem benachbarten Wiesbaden. „Auf Regionalität habe ich schon vor über 20 Jahren gesetzt, lange bevor es modern wurde“, äußert der Betreiber. Jahrelang habe er die Lieferbeziehungen per Handschlag besiegelt: „Wir leben im Handel vom Verkaufen, nicht vom Diskutieren.“ Wenn ein Lieferant top Ware habe, feilsche er nicht am Preis herum. In der Abteilung offeriert er frische Pilze, die der Verbraucher selbst mittels einer Zange abpackt. Bei der Klientel, die im Markt einkauft, funktioniere das. Eine Schnippelküche ist hingegen kein Thema. „Das können die Spezialisten besser“, weiß Georg. Überdies stören ihn die „irrsinnigen Anforderungen“ seitens des Gesetzgebers. Deshalb findet der Kunde convenientes Obst und Gemüse in ausladenden Schränken und Truhen. Spezialist Eat Happy produziert am eigenen Stand frisches Sushi.

Die Bedienungsabteilungen für Fleisch, Wurst und Käse stehen seit dem Umbau in einer Reihe. Georg, der sich zur Bedienung bekennt, freut sich über ausreichend Personal hinter den Theken. Gerade hat ein Handwerksmetzger im Einzugsgebiet geschlossen, er konnte fünf Personen zu sich herüberziehen. Er bietet den Mitarbeitern Anreize, damit sie lange im Unternehmen bleiben und arbeiten: einen Gesundheitsbonus (wenige Krankheitstage werden mit maximal 750 Euro belohnt), Zuschüsse für Sportcenter und Schwimmbäder, Jobrad und nicht zuletzt eine Weihnachtsfeier. Der Kaufmann richtet auf der Feier jedes Jahr eine Tombola aus, bei der er einige Preise wie Wochenendreisen aus eigener Tasche finanziert.

Das Engagement zahlt sich aus. Laura Schleginski, die schon bei Georg gelernt hat, ist seit 17 Jahren im Unternehmen. Sie kann „alles außer Fleisch“, sagt die junge Frau lachend. Obstfachberater Ralf Bardenhewer arbeitet schon seit 32 Jahren im Unternehmen. Am Wochenende kocht ein und dieselbe Landfrau live in der Gemüseabteilung, und das seit 31 Jahren. Ein Weinterminal als Berater – das käme bei Georg niemals in den Einsatz. „Richtig ist es, einen Menschen hinzustellen“, ist Uwe Georg überzeugt. Sein Geschäft läuft auch rund, weil mehrere Familienmitglieder in der Zentrale und auf der Fläche beschäftigt sind. So arbeitet beispielsweise sein Bruder Thomas im Rechnungswesen, Tochter Corinna Schneider im Personalbereich.

Doch zurück in den Markt: Nach der Fleischabteilung zieht es den Kaufmann in die Weinabteilung („mein Steckenpferd“). Hier warten unter anderem „große Gewächse“ vom Rheingut Trenz auf Kundschaft. Und gleich dazu das Storytelling: Georg erzählt, dass die Weine bei Staatsempfängen ausgeschenkt werden und der Bundespräsident zur Fangemeinde gehört. Der Kaufmann kümmert sich seit Jahrzehnten selbst um den Direktimport von Wein. Das Sortiment zählt über 1.200 verschiedene Weine, „damit ist ständiges Ein- und Auslisten verbunden“. Allein sieben Winzer aus dem Rheingau beliefern den Markt, zudem einer aus Rheinhessen.

Calvados für 799 Euro

Klar, dass er auch hochpreisige Flaschen im Regal stehen hat, wie einen prestigeträchtigen Champagner aus dem Haus Ruinart für 429 Euro. „Ich hatte auch mal einen Calvados für 799 Euro im Angebot“, erzählt Georg. Den konnte er zwar nicht verkaufen, den zweitteuersten für 399 Euro hingegen schon. Gleich gegenüber steht ein komplettes Regal mit alkoholfreien Weinen. Dafür schwärmt der Weinliebhaber zwar nicht, doch „alkoholfrei liegt im Trend“, bestätigt er.

Was hat sich weiter durch den Umbau verändert? Ungewöhnlich groß präsentiert sich die Abteilung „Milch und Butter“, die in einem runden, lichtdurchfluteten Raum Platz findet. Alle Kühlregale sind verglast. „Bis vor Kurzem war ich gegen die Türen, aber jetzt bin ich überzeugt“, sagt Georg mit Blick auf die Energieersparnis. Auf dem Weg Richtung Kassen kommt der Kunde an der vergrößerten Drogerieabteilung vorbei. „Nicht ganz so viele Artikel wie bei Budni, aber mehr als üblich in einem Supermarkt.“

In der Tiefkühl-Abteilung hat Georg beim Umbau die Truhen gegen Schränke ausgetauscht. Das findet er vorteilhaft in Bezug auf Handling, Optik – und die Kunden könnten die Preise besser erkennen. Es ist nach seinen Angaben gelungen, die Stromkosten im gesamten Markt um 10 Prozent zu senken, von einer Million auf jetzt 900.000 Kilowattstunden.

Edeka Georg, Weldertstr. 1, 65510 Idstein

Eröffnet 2009
(umgebaut 2024)
Verkaufsfläche 3.000 qm
Artikel 45.000
Regionale Produkte 4.000
Mitarbeiter (Köpfe) 80
Öffnungszeiten Mo. bis Sa., 8-21 Uhr
Parkplätze 280
E-Ladesäulen 2
Durchschnittsbon 34 Euro
Investition 4,2 Mio. Euro
Rücknahmeautomaten 3
Kaufkraft Ort 119*

*Kaufkraftindex 100 = 30.555 Euro; Das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Idstein in Höhe von 36.326 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: IHK Wiesbaden und MB Research

Sechs Märkte sind genug

Ambitionen, einen weiteren Markt zu eröffnen, hat Uwe Georg derzeit nicht: „Sechs Standorte sind genug.“ Zumal er nicht nur im Lebensmittelhandel aktiv ist. Georg ist Mitinhaber eines Unternehmens, das Schreibhefte für Kinder produziert. Sie sind so gestaltet und gestanzt, dass speziell die i-Dötzchen Buchstaben und Zahlen leichter schreiben lernen. Die Hefte und ihre Macher hatten bereits einen Auftritt bei der Show „Die Höhle der Löwen“ und sind danach erfolgreich gestartet.

Außerdem braucht er Freiraum für die Unterstützung sozialer Projekte. „Twendi Shuleni“ (Suaheli für „Lasst uns zur Schule gehen“) heißt ein Projekt in Idstein, das eine Schule in Tansania erbaut hat. Der Kaufmann hat Pfandbons gesammelt und damit eine Solaranlage auf dem Dach der Schule finanziert.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Die Weinabteilung, das Steckenpferd des Kaufmanns.
Bild öffnen Blick auf die Drogerieabteilung. 
Bild öffnen Alle Schränke sind verglast, hier die TK-Abteilung.
Bild öffnen Die Bedienungsabteilung Fleisch und Wurst… 
Bild öffnen … an die sich Käse anschließt.
Bild öffnen „Kirmesbonbons“, die sich gut verkaufen.
Bild öffnen Der Herbst beginnt! Das Team der Obst- und Gemüse-Abteilung feiert das mit einem Kürbis-Aufbau.
Bild öffnen Der „Frische-Garten“ macht seinem Namen alle Ehre.
Bild öffnen Bio und Regional sind starke Themen in Idstein.
Bild öffnen Ein einfacher Aufbau signalisiert den Kunden, dass sie im Markt frische Produkte vorfinden.

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