Rewe Filips Dortmund Industrie plus Charme

Günther Filips hat mit seiner Frau Jutta und den beiden Kindern Nadine und Peter seinen alteingesessenen Markt binnen vier Wochen komplett umgekrempelt. Das Ergebnis ist ein Laden, der mit Industriecharme und einem strukturierten Sortiment Akzente setzt.

Freitag, 16. April 2021 - Ladenreportagen
Elena Kuss
Artikelbild Industrie plus Charme
Bildquelle: Reinhard Rosendahl

Den Parkplatz teilt sich Rewe Filips in der Husener Straße in Dortmund mit dem Discounter Lidl. Die alte Filiale wird abgerissen und das neue Lidl-Konzept ein paar Meter weiter aufgebaut. „Wir mussten also etwas machen“, sagt Günther Filips, Inhaber von drei Rewe-Filips-Märkten. Mit Unterstützung seiner Frau Jutta und den beiden Kindern Na‧dine und Peter hat der Kaufmann den Markt in der Husener Straße auf den Kopf gestellt. „Nur der Fußboden ist der alte“, sagt Filips. „Und der glänzt immer noch. Sehen Sie das?“ Am 3. November 2020 öffnete der Markt nach einer vierwöchigen Umbauphase wieder seine Türen.

Kunden loben Umbau
Während der schwarze Terrazzo-Boden seit 20 Jahren unverändert für Glanz im Markt sorgt, wurde die Rasterdecke entfernt und die rundum erneuerte Technik freigelegt. Die dazugewonnene Höhe lässt den Markt größer und offener wirken. „Die Kunden fragen ständig, ob wir angebaut haben“, freut sich Filips. Dabei seien von den 1.700 Quadratmetern sogar ein paar weggefallen, um das Büro zu begradigen. Die komplett verglasten Kühlmöbel werden mit CO2 betrieben. „Es war beim besten Willen nicht einfach, schöne Kühlmöbel zu finden“, merkt der Kaufmann an. Auf der Euroshop 2020 entdeckte er dann jedoch ein Möbel der Firma Hauser, das ihm zusagte. Die Glastüren seien einfach, gerade und elegant. Er habe auf keinen Fall diese gebogenen gewollt.

Wärme, die beim Kühlen entsteht, wird für die Beheizung der Räume genutzt. Die Beleuchtung ist vollständig auf LED umgestellt worden. Der Strom wird aus zertifiziertem Grünstrom gewonnen, also aus Wasserkraft, Wind oder Biomasse.

Das Feedback der Kunden sei überwältigend gewesen, da ist sich die Kaufmannsfamilie einig. Michael Junker, Ladenbauarchitekt und guter Freund von Filips, wollte mit dem Umbau die Marke der selbstständigen Kaufleute stärker betonen und die Verweildauer der Kunden erhöhen. Der Architekt hat deshalb die Geschichte des Standorts in die Gestaltung geschickt eingewoben. Der Rewe-Markt ist auf dem Gelände der alten Zeche Kurl. Im Eingang ziert ein historisches Bild die Wand, das die noch intakte Fabrik zeigt.

Gegenüber der Bäckerei, die ebenfalls deutlich mehr Platz bekommen hat, gibt es jeden Donnerstag und Freitag einen Sonderverkauf: donnerstags Wurst, freitags frischen Fisch. „Das war einer der Gründe für den Umbau“, sagt Vater Günther. Der Verkauf habe vorher im beengten Eingangsbereich stattgefunden. Die Schlange habe sich weit über den Parkplatz gezogen. Während der restliche Markt offen, aufgeräumt und großzügig wirkt, hat Junker in der Kassenzone ein im Vergleich niedriges Deckenelement eingezogen. Die Kunden sollen sich weniger beobachtet und sicherer fühlen. „Gerade beim Bezahlen geht es um eine vertrauliche Atmosphäre“, erklärt er. Die fünf bedienten Kassen haben ein verlängertes Kassenband bekommen. Self-Check-out kam für die Familie nicht infrage. „Dortmund klingt vielleicht nach Stadt, die Husener Straße ist aber eher eine grüne Wiese“, erklärt Sohn Peter.

Abteilungscharakter
Der Markt hat eine klare Struktur, die die Kunden nicht immer durch den gesamten Markt zwingt. Vom Hauptkundenlauf gehen kleinere Seitengänge ab, die in die einzelnen Abteilungen führen. Ein Durchgang zwischen Obst- und Gemüse-Abteilung und Kassen ermöglicht den schnellen Frischekauf. „Wir haben aber beobachtet, dass die Kunden den Durchgang nur nutzen, wenn sie etwas vergessen haben, also wieder zurückwollen“, erklärt Nadine Filips. Elf Prozent des Umsatzes machen die Verkäufe in der Abteilung aus.

Auch das Sortiment wurde zusammen mit dem Umbau grundlegend überarbeitet. „Wir haben uns sehr genau angeschaut, was unsere Kunden kaufen“, sagt Nadine Filips. Einige Produkte wurden aussortiert, dafür der Anteil an Bio- und regionalen Produkten deutlich erhöht. Von den etwa 20.000 Artikeln sind 2.800 Bio-Artikel und 500 regional . Besonders beliebt ist der regionale Eierlieferant Gut Nordhausen aus Iserlohn. „Der Eierlikör: Sie können sich nicht vorstellen, wie lecker der ist“, schwärmt Nadine Filips.

Die regionalen Eier nehmen fast doppelt so viele Regalmeter ein wie die Angebote der Rewe. Auch die Mehrweg-Eierdosen werden gut angenommen, sagt Tochter Nadine. Auf einem Monitor an der Kasse läuft eine kleine, vom Lieferanten selbst gedrehte Szene aus dem Hühnerleben. Der Bauer arbeitet mit mobilen Ställen und setzt auf Freilandhaltung. Auch der regionale Honig aus Kamen hat die Kaufmannsfamilie überrascht. Die Kunden liebten ihn. Um den Imker zu unterstützen, bringen sie sogar die leeren Gläser gespült wieder zurück. Und tatsächlich: Im untersten Regalboden sammeln sich die leeren Gläser – bereit zur Abholung durch den Imker.

Cocktail-Hour bei Rewe Filips
Vor der Kasse wartet ein Aufsteller mit Cocktails der Firma Bar-Basics aus dem Nachbarort Selm. Aus einer Flasche können mehrere Cocktails gemixt werden. Je nach Wahl müssen lediglich Eis oder Sahne hinzugefügt werden.

Es sei nicht möglich, sich alle Produkte anzuschauen, die junge Unternehmen vorstellen möchten, betont Nadine. Dafür gebe es einfach zu viele Anfragen. Trotzdem überzeuge sie manchmal etwas und das werde dann auch sofort ausprobiert. Ihr Bruder Peter ergänzt: „Wir sind jeden Tag hier im Markt und hören ganz genau hin: Wonach fragt der Kunde? Was fehlt ihm? Was findet er gut?“ Seiner Meinung nach kann man nur mit feinen Antennen mit einem Markt einen Ort schaffen, der nicht nur den Bedarf deckt, sondern auch inspiriert. „Wir leben Lebensmittel“, unterstreicht Günther Filips.

Fakten im Fokus

1.700 qm Verkaufsfläche, inkl. 350 qm Getränkemarkt
40 Mitarbeiter, nur die Marktleiterin ist Vollzeitkraft
20.000 Artikel, darunter 2.800 in Bio-Qualität, 500 regionale Produkte
1.800 Kunden am Tag
von montags bis samstags 8 - 20 Uhr


Schnell gelesen
Rewe Filips, Husener Str. 46, Dortmund

  • Der 1.700 qm große Markt überzeugt mit rundum erneuerter Technik und klarer Struktur.
  • Die Theke ist mit einem Umsatzanteil von 21 Prozent die stärkste Position im Markt.
  • Über einen Bildschirm an der Kasse werden aktuelle Nachrichten ausgespielt. Regionale Lieferanten werden in kurzen Clips vorgestellt.
  • Der Sonderverkauf von Wurstwaren und Spezialitäten am Donnerstag und Fisch am Freitag hat durch den Umbau deutlich mehr Platz dazugewonnen.