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Anuga Information statt neuer Vorschriften

Heidrun Mittler | 24. Oktober 2017
Anuga: Information statt neuer Vorschriften

Bildquelle: Peter Eilers

Die Ernährungsindustrie brummt. Welche Rahmenbedingungen braucht sie, damit das so bleibt? Antworten von Wolfgang Ingold, Bundesvereinigung der Ernährungswirtschaft.

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Herr Dr. Ingold, wie bewerten Sie die aktuelle Lage der bundesdeutschen Ernährungsindustrie?
Wolfgang Ingold: Die Ernährungsindustrie erzielt Spitzenleistungen, und das aus eigener Kraft, ohne Subventionen. In rund 6.000 Betrieben haben mehr als 600.000 Mitarbeiter Arbeit. Ich nenne nur eine Zahl: Allein im Juli 2017 haben die Betriebe 14,5 Mrd. Umsatz erwirtschaftet, ein sattes Plus von fast 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wolfgang Ingold

sitzt ganz entspannt auf einem Kunstwerk von Otmar Alt. Ingold hat allen Grund, entspannt zu sein. Seine Nachfolge ist geregelt, Ende des Jahres übernimmt Sohn Ingmar die Geschäftsführung von Wiltmann.

Welche politischen Weichen müssen in der nächsten Legislaturperiode gestellt werden, damit der Aufwärtstrend anhält?
Die Nahrungsmittelindustrie, eine traditionelle und zugleich innovative Branche, löst ihre Probleme in aller Regel selbst. Allerdings brauchen wir Produzenten die Möglichkeiten, uns frei entfalten zu können. Es kann nicht sein, dass wir unsere Rezepturen demnächst von den Ministerien vorgeschrieben bekommen. Der Ansatz für die Politik sollte lauten, die Verbraucher möglichst gut aufzuklären. Aber nicht, der Industrie Vorschriften zu machen.

Der BVE hat zur Anuga eine Studie zum Konsumentenverhalten veröffentlicht. Danach will sich die Hälfte aller Verbraucher gesund ernähren, weiß aber nicht, wie das geht. Wie reagieren die Hersteller darauf?
Es gab noch nie so viele gesunde Lebensmittel wie heute. Das müssen wir dem Verbraucher nur klarmachen. Und zwar auf allen Kanälen, in denen sich Verbraucher heute informieren. Jeder Schminktipp erreicht im Internet tausende Follower, warum sollte das nicht auch bei Fragen der gesunden Ernährung funktionieren?

Kommen wir zum Handel, der immer größere Strukturen ausbildet. Können sich insbesondere die mittelständischen Produzenten noch auf Augenhöhe mit den mächtigen Handelszentralen unterhalten?
Wenn sie Lebensmittel herstellen, die vom Verbraucher geschätzt werden, ist Augenhöhe keine Frage der Größe des Herstellers. Der Handel weiß, dass Innovationen nicht ausschließlich bei den großen Produzenten stattfinden. Er hat übrigens auch immer darauf geachtet, dass es nicht nur einen oder zwei Anbieter in einem Bereich gibt.

Der Export ist eine wichtige Größe, rund ein Drittel der deutschen Lebensmittel geht ins Ausland. Wie wird sich der Export entwickeln?
Ein Drittel – das ist schon eine beeindruckende Größe. Aber ich hoffe, dass der Export mittelfristig noch leicht zulegen kann. Das kann nur durch Innovationen und weiter exzellente Qualitäten der Produkte gelingen.

Online-Shopping und Einkaufen mit digitalen Medien wird immer populärer. Wie kann die Ernährungsindustrie von dieser Entwicklung profitieren?
Jeder Hersteller arbeitet so, dass er die Bedürfnisse des Verbrauchers befriedigen kann. Den besten Weg zur Vermarktung muss jedes Unternehmen selbst finden.