„Es ist gut möglich, dass wir schon bald einen weiteren Chefwechsel bei Kaufland erleben werden.“ So kommentiert Carsten Kortum im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis die Personalie Ivan Chernev, der überraschend Stefan Hoppe als Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Kaufland Deutschland abgelöst hat.
Komplexität durch große Flächen und Sortimentsbreite
Kortum, der als Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg lehrt und dort den Studiengang BWL-Handelsmanagement leitet, ist sich trotzdem sicher: „Kaufland hat kein Chefproblem.“ Allerdings müsse das Unternehmen eine entscheidende Frage beantworten: „Wie werden seine Verkaufsflächen vom 4.000 Quadratmetern und mehr wieder zum Wettbewerbsvorteil?“
Das „strukturelle Formatproblem“ nach Überzeugung des Handelsexperten: Große Flächen und Sortimentsbreite erzeugten Komplexität, hohe Bestände und Kosten, während Kunden stärker Convenience, schnelle Einkäufe und klare Sortimente erwarteten.
Nonfood-Angebot hilft nicht mehr
Ein großes Nonfood-Angebot, das früher ein Pluspunkt von Großflächendiscountern gewesen sei, funktioniere heutzutage angesichts der scharfen Konkurrenz von Action und ähnlichen Konkurrenten nicht mehr. Außerdem habe die Übernahme von mehr als 120 ehemaliger Real-Märkte viel Kraft gekostet, so Kortum. Er fasst zusammen: „Heutzutage zeigt sich Kaufland in erster Linie promotiongetrieben. Hingegen spielen Service und Erlebnis kaum eine Rolle.“
