Kochboxen und Fertiggerichte Hellofresh wird profitabler und bringt die Marke Factor in US-Supermärkte

Der Kochboxen-Lieferdienst Hellofresh hat im dritten Quartal erneut weniger umgesetzt, verdient aber deutlich mehr als im Vorjahr. Das Fertiggericht-Segment erreichte erstmals die Gewinnschwelle. Mit der Marke Factor drängt der Berliner Konzern nun auch in den stationären Einzelhandel in den USA.

Donnerstag, 05. November 2026, 11:27 Uhr - Strategien
Theresa Kalmer
Bildquelle: Hellofresh

Hellofresh hat im dritten Quartal 2026 zwar die Profitabilität gesteigert, musste aber erneut einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen. Der währungsbereinigte Umsatz sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,3 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro, wie das Berliner Unternehmen mitteilte. Als Hauptgrund nannte Hellofresh bewusst reduzierte Marketingausgaben, die im Vergleich zum Vorjahr um 24,1 Prozent sanken. Zudem fiel die Neukundengewinnung in der sogenannten Back-to-School-Saison geringer aus als erwartet. Die Zahl der ausgelieferten Bestellungen ging um 17,9 Prozent auf 19,6 Millionen zurück.

Trotz des Umsatzrückgangs verbesserte Hellofresh nach eigenen Angaben die Ertragslage. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (AEBITDA) stieg währungsbereinigt um 26,3 Prozent auf 50,9 Millionen Euro. Im Segment Kochboxen erreichte die AEBITDA-Marge 10,7 Prozent nach 9,4 Prozent im Vorjahresquartal. Das Segment Fertiggerichte erreichte den Angaben zufolge erstmals die Gewinnschwelle, nachdem es im dritten Quartal 2025 noch einen Verlust von 21,6 Millionen Euro verzeichnet hatte. Der durchschnittliche Bestellwert stieg währungsbereinigt um 7,5 Prozent auf 70,50 Euro – laut Hellofresh eine Folge von Preiserhöhungen, stärkerer Nutzung von Zusatzprodukten und einem höheren Anteil an Premium-Rezepten.

Gleichzeitig räumte das Unternehmen operative Probleme ein. Die rasche Ausweitung der Menüs habe zu vorübergehenden Ineffizienzen in Einkauf, Produktion und Auslieferung geführt. Zudem belasteten negative Skaleneffekte durch geringere Volumina das Ergebnis. „Bevor wir jedoch verfrüht wieder in Wachstum investieren, müssen wir zunächst einige der vorübergehenden operativen Ineffizienzen angehen, auf die wir gestoßen sind“, zitierte das Unternehmen Gründer und Vorstandschef Dominik Richter in der Mitteilung. Der Free Cash Flow verbesserte sich deutlich auf minus 5,7 Millionen Euro nach minus 80,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Hellofresh bringt Fertiggerichte in US-Supermärkte

Für den Lebensmittelhandel relevant: Hellofresh hat im September seine Fertiggericht-Marke Factor in Filialen der US-Handelskette Target eingeführt. Damit weitet das Unternehmen nach einem regionalen Pilotprojekt seine Einzelhandelsstrategie aus. In Australien verfolge die konzerneigene Marke Youfoodz bereits einen vergleichbaren Ansatz, teilte Hellofresh mit.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Hellofresh einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von 9 bis 11 Prozent sowie ein währungsbereinigtes AEBITDA zwischen 350 und 370 Millionen Euro. Diese Prognose hatte das Unternehmen den Angaben zufolge bereits Ende September veröffentlicht. Zur Optimierung der Kapitalstruktur zahlte Hellofresh im August ein Darlehen über 72,8 Millionen Euro zurück und verlängerte im Oktober eine revolvierende Kreditlinie über 375 Millionen Euro bis Oktober 2030.

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