Kühltechnik-Schwächen IT-Experte Skrobisch appelliert nach Cyberattacken an die Branche

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Die Cyberattacken auf Supermarktkühlungen zeigen: Die Kühltechnik kann zum blinden Fleck der IT-Sicherheit werden. IT-Experte Stephan Skrobisch (Foto) erklärt im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis, worauf Händler bei Fernzugängen, Dienstleistern und Temperaturüberwachung achten sollten.

Donnerstag, 05. November 2026, 13:01 Uhr - Strategien
Thomas Klaus
Stephan Skropisch ist ausgewiesener IT-Experte und richtet einen Appell an den Lebensmitteleinzelhandel. Bildquelle: Privat

Der IT-Experte Stephan Skrobisch ruft den Lebensmitteleinzelhandel zu mehr Sicherheit in der Kühltechnik auf. „Die Kühltechnik ist im Handel oft ein blinder Fleck der IT-Sicherheit“, kritisiert er im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis. Hintergrund sind die Cyberattacken auf die Kühlungen von Supermärkten in mehreren europäischen Ländern, auch in Deutschland.

Skrobisch ist studierter Informatiker und zertifizierter Cybersecurity-Architekt. Er verfügt nach eigener Darstellung über mehr als 20 Jahre Erfahrung in IT und IT-Sicherheit und hat die Entwicklung digitaler Bedrohungen von klassischen Computerviren bis zu autonomen KI-Agenten begleitet.

Sein Schwerpunkt liegt auf der Sicherheit von KI-Agenten, KI-gestütztem Betrug, Ransomware und dem menschlichen Faktor in der IT-Sicherheit. Skrobisch ist Autor des Buches „Cybersecurity Ratgeber“ und des Whitepapers „Sieben Härtungsschichten für KI-Agenten“. Er gründete ClawNews, das deutschsprachige Fachmedium über KI-Agenten und Open Claw: Open Claw ist ein Open-Source-KI-Agent, der nicht nur Fragen beantwortet, sondern auf einem Rechner tatsächlich Aufgaben ausführen kann.

Seine These von dem blinden Fleck begründet Skrobisch damit, dass die Kühltechnik im Lebensmitteleinzelhandel meist von externen Kältefachbetrieben betreut werde: „Viele Betreiber sehen sie deshalb gar nicht als Teil ihrer IT.“ Nach seiner Einschätzung sind insbesondere selbstständige Kaufleute, Fleischereien und kleinere Lebensmittelbetriebe gefährdet, wenn sie sich bei der IT-Sicherheit vollständig auf ihren Dienstleister verlassen. Ein Tipp von Skrobisch: „Jeder Betreiber sollte seinem Kältedienstleister jetzt drei Fragen stellen: Ist unsere Steuerung direkt aus dem Internet erreichbar? Wie ist der Fernzugang abgesichert? Wurden die Standardpasswörter geändert?“

Gesonderte Temperaturüberwachung ratsam

Auf Fernwartung muss der Handel aus Sicht des IT-Experten nach wie vor nicht verzichten. Sie sei für die Überwachung der Kühlkette sinnvoll und spare Techniker-Einsätze vor Ort. Allerdings: „Die Steuerung selbst darf nicht direkt aus dem Internet erreichbar sein. Ein abgesichertes VPN mit Mehrfaktor-Anmeldung, individuellen Zugängen für die Techniker und eng gefassten Rechten reduziert das Risiko eines unbefugten Zugriffs erheblich.“

Entscheidend sei ebenfalls die Sicherheit des Wartungsdienstleisters. Denn über dessen Infrastruktur seien möglicherweise mehrere Märkte erreichbar. Steuerungen, für die der Hersteller keine Sicherheitsupdates mehr liefert, sollten Skrobisch zufolge ersetzt werden. Zusätzlich empfiehlt er eine Temperaturüberwachung, die unabhängig von der eigentlichen Steuerung einen Alarm auslöse. Der IT-Experte stellt fest: „In mehreren betroffenen Märkten wurden die Manipulationen offenbar erst am nächsten Morgen bemerkt.“

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