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Tegut Kennenlernphase abgeschlossen

Bettina Röttig | 25. Oktober 2013

Mutter und Tochter haben sich viel Zeit genommen, einander kennenzulernen. Nun gehen Migros Zürich und Tegut erste Schritte, um das hessische Handelsunternehmen wieder konkurrenzfähig zu machen. Die LP sprach mit Tegut-Geschäftsführer Thomas Gutberlet und Migros-Zürich-Chef Jörg Blunschi.

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Gut zehn Monate ist es her, seit das Handelsgeschäft des Familienunternehmens Tegut unter die Flagge der Migros Zürich genommen wurde. Nun zeigen sich erste sichtbare Veränderungen im Sortiment und auf der Fläche. Tempo ist für Jörg Blunschi, Geschäftsleiter der Migros Zürich und Beiratsvorsitzender von Tegut, jedoch nicht die oberste Prämisse auf dem Weg, die hessische Handelskette wieder konkurrenzfähiger zu machen. „Mir war es von Anfang an wichtig, die richtige Balance zu finden zwischen Tempo und Sorgfalt. Wir haben daher zunächst gemeinsam ganz sauber evaluiert, welche Themen wir in den Fokus nehmen und in einem Zeitrahmen von drei Jahren bearbeiten wollen“, so Blunschi im Gespräch mit der LEBENSMITTEL PRAXIS.

Das erste Halbjahr 2013 stand daher vor allem unter dem Motto des Kennenlernens, Zusammenwachsens und Absteckens von Chancen, erklärt Thomas Gutberlet. Der ehemalige Tegut-Vorstandschef ist als Geschäftsführer weiterhin für das Handelsunternehmen verantwortlich. „Wir haben natürlich genau analysiert, wo die Stärken der Migros liegen, die man für Tegut übernehmen und integrieren kann.“ Im laufenden zweiten Halbjahr gehe es nun darum, einen Fahrplan zu entwickeln, der Tegut über die nächsten Jahre neu erstarken lasse.

Blunschi zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung, sieht das Unternehmen auf Kurs, mit der neuen Führungsriege gut aufgestellt. „Meine Erfahrung ist: Man kann ein Unternehmen nur vor Ort führen. Wir haben in Fulda ein ’Winning Team’ aufgestellt, das mit allen nötigen Kompetenzen ausgestattet ist.“ Dieses wurde seit der Übernahme noch einmal umgestrickt. Neben Thomas Gutberlet gehören zudem Lukas Sommer (Leiter Supermärkte), Klaus-Peter Keil (Leiter Nahversorgermärkte), Ralf Schwarz (Leiter Beschaffung), Dirk Knoll (Leiter Finanzen und IT), Michael Egerer (Leiter Logistik), Alexander Wilhelm (Leiter Expansion / Bau / Immobilien) und Karl-Heinz Brand (Leiter Personelles) zur Geschäftsleitung.

Am selbst gesteckten Ziel, bis 2015 das operative Ergebnis in die schwarzen Zahlen zurückzubringen, halten Blunschi und Gutberlet fest. Die Weichen dafür seien gestellt

Sortimentseffizienz und Lesbarkeit für den Kunden nennt Gutberlet einen Schwerpunkt, den das Unternehmen aktuell bearbeitet, um die Flächenproduktivität zu steigern. Hierfür wird das Angebot umgekrempelt. Mehr Alternativen sollen geboten werden, um wieder als Anbieter „für den ganzen Einkaufswagen“ wahrgenommen zu werden. Vor allem das Preiseinstiegssortiment unter der Tegut-Eigenmarke wird aktuell neu aufgestellt. Zudem wurden erste Schweizer Produkte – Schokolade und Nespresso-kompatible Kaffeekapseln sowie Frische-Produkte – ins Sortiment integriert.

Auch an der Aufwertung der bestehenden Verkaufsflächen wird mit Hochdruck gearbeitet. Rund 50 Mio. CHF (rund 40 Mio. Euro) fließen in das Ladennetz, bestätigt Blunschi. Aktuell seien bereits in 16 Standorten Umbaumaßnahmen angelaufen, bis Ende 2013 kommen drei weitere hinzu. Vor Ostern 2014 werden die Kunden in einem ersten Markt das neue Ladenbaukonzept erleben, im Laufe des Jahres 2014 wird das Ladenbaukonzept aller Vertriebsschienen (vgl. Grafik) gelauncht, kündigt der Schweizer an. „Absolutes Must“ auch hierbei: der Aspekt Nachhaltigkeit.

Ab dem kommenden Jahr will Tegut weiter expandieren – im bestehenden Gebiet sowie in weiteren Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg. Auf genaue Zahlen wollen sich Gutberlet und Blunschi nicht festnageln lassen, aber „obwohl neben der Expansion immer auch eine Bereinigung des Filialnetzes stattfindet, werden wir in drei Jahren mit Sicherheit größer sein als heute“, sagt Blunschi. Übernommen hatten die Schweizer nach einer ersten Bereinigung 290 Märkte. Nach weiteren Schließungen sind es aktuell noch 280.

Das ausführliche Interview lesen Sie in Ausgabe 19/2013 der LEBENSMITTEL PRAXIS, die am 15. November erscheint.