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65 Jahre Lebensmittel Praxis Gut informiert die Zukunft gestalten

Heidrun Mittler | 18. August 2013
65 Jahre Lebensmittel Praxis: Gut informiert die Zukunft gestalten

Bildquelle: Shutterstock

Unser Magazin feiert einen markanten Geburtstag – kein Grund, in Nostalgie zu verfallen. Aber Zeit für einen Rück- und Ausblick.

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Lang ist’s her: Vor nunmehr 65 Jahren wurde in Neuwied am Rhein die Lebensmittel Praxis aus der Taufe gehoben. Genauer gesagt, der Vorgänger des heutigen Magazins, die damaligen „Neuwieder Hefte“. Die Gründer, allesamt Dozenten im „Haus für Berufsgestaltung“, dem heutigen Bildungszentrum Neuwied, wagten diesen Schritt unter anderem, weil sie besseres Unterrichtsmaterial für ihre Schüler brauchten. So schrieben Dr. Clemens Richter, Rudolf Wurm und Helmut Mett nicht nur über das Neueste aus dem sich damals neu formierenden Handel, sondern Bodenständiges und Lehrreiches: Wie man ein Schaufenster ansprechend gestaltet, ein Plakat malt oder den Preis für ein Produkt richtig kalkuliert. Dieser Praxisbezug ist uns in der Redaktion nach wie vor wichtig, neben dem aktuellen Branchengeschehen geht es uns immer darum, Empfehlungen zu geben, welche die Arbeit im Handel erleichtern sollen.

Ganz schön stürmisch ging es in den ersten 20 Jahren zu: Deutschland erstarkte in einem ungeahnten Tempo, der Handel wuchs parallel zum Wirtschaftswunder der Republik, ebenso die Hersteller all der wunderschönen Produkte. Kann sich heute noch jemand vorstellen, dass wichtige Köpfe in der Anfangszeit über Selbstbedienung stritten? Das Erfolgsprinzip, das spätere Entwicklungen wie Großflächen auf der Grünen Wiese und den Discount überhaupt erst möglich machten? Und – wie so oft – war das Wohl des einen Trends das Wehe des anderen: Tante Emma hat sich längst von der Bildfläche verabschiedet.

65 Jahre Lebensmittel Praxis: Nichts bleibt, wie es war – weder im Handel noch im Journalismus. Aber: Gut aufbereitete Informationen bilden auch künftig eine verlässliche Orientierungshilfe.

Handel ist Wandel – in den 80er-und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts ist keine Ausgabe der Lebensmittel Praxis erschienen, in der nicht über Fusionen, Zusammenschlüsse (oder wenigstens der Absicht dazu) berichtet wurde. Das Karussell drehte sich immer schneller, viele Marken auf Industrie- und auch Handelsseite konnten sich der Zentrifugalkraft nicht widersetzen, fanden keinen Halt mehr und schlüpften unter das Dach eines ehemaligen Konkurrenten: Der Startschuss für die Big Player war gefallen, die heute wiederum oft in Global Player aufgegangen sind. Doch ein, zwei Dekaden später zeigte sich, dass zumindest der Handel stark in der jeweiligen Region verankert ist, ausländische Anbieter haben sich schon nach wenigen Jahren wieder vom Markt verabschiedet.

Zur gleichen Zeit hat moderne Technik Einzug gehalten, erst in Zentralen, aber kurz danach auch auf Verkaufsflächen. Die ersten Warenwirtschaftssysteme brachten ungeahnte Möglichkeiten, aus dem Klingeln der Kassen wurde ein einfaches Piep beim Scannen der Ware – allerdings machte zunehmend das hässliche Wort Rationalisierung die Runde. In den Belegschaften wuchs die Angst, dass die Mitarbeiter bald überflüssig werden könnten.

Erstens kommt es anders... Im neuen Jahrtausend allerdings zeigte und zeigt sich sich drastisch, wie wichtig gutes, geschultes Personal ist. Genauer gesagt, dass es überlebenswichtig für das Bestehen eines Unternehmens sein wird. Sowohl Handel als auch die Industrie liefern sich einen intensiven Wettbewerb um die besten Köpfe. Kein Wunder. Vor 65 Jahren mag es schwierig gewesen sein, ein Angebotsschild sinnvoll zu beschriften. Heute hingegen gilt es, komplexe Vorgänge zu verstehen und zu bearbeiten, als Beleg seien hier nur die Schlagworte Category Management oder die Optimierung der Supply Chain genannt.

Die einzige Konstante ist nach wie vor der Kunde, früher gern als „König Kunde“ bezeichnet. Er (bzw. sie) will immer noch nett beraten werden, vielleicht einen Plausch halten, ist aber anders als früher heute supergut informiert: Hinterfragt die Inhaltsstoffe im Lebensmittel, ruft aktuelle Testberichte ab und googelt direkt vor dem Wein- oder Waschmittelregal den Angebotspreis beim Wettbewerber.

Langeweile – niemals! In den vergangenen Jahren hat die Lebensmittel Praxis viele heiße Eisen angefasst, Fakten sorgfältig recherchiert und Hintergründe aufgearbeitet: Verkauf unter Einstandspreis, Lohndumping, aber auch dubiose politische Entscheidungen. Einige Male hat die Redaktion über die hohe Kaufkraft der jung gebliebenen Silver-Ager geschrieben. Jetzt wird die LP selbst 65 und denkt noch lange nicht an die Rente. Schließlich haben wir noch so viele Themen im Visier, die angepackt werden wollen: Wie steht es um die Datensicherheit in Industrie und Handel, wie viele Informationen gibt der Kunde (un-)freiwillig preis? Kommt ein gesetzlicher Mindestlohn für die Mitarbeiter im Handel? Wer muss die Kosten für die Energiewende schultern? Wann fällt die Baunutzungs-Verordnung?

„Eines ist sicher“: Na ja, ob es wirklich die Rente ist, wie uns seinerzeit Norbert Blüm versprochen hat, wissen wir leider nicht. Aber fest steht: Wir greifen in alter Frische interessante Themen auf und freuen uns, mit unseren Lesern in Kontakt zu treten: Sei es auf unseren zahlreichen Veranstaltungen, auf Messen oder am Telefon, pardon: Smartphone.