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Edeka-Märkte haben beim „SuperMarkt des Jahres“ in den vergangenen 20 Jahren sehr erfolgreich abgeschnitten. Was sind die wesentlichen Gründe dafür?
Markus Mosa: Ich möchte drei Erfolgsfaktoren nennen. Erstens unsere Märkte, die eine ganz besondere Einkaufsatmosphäre schaffen. Eine individuell auf den Standort zugeschnittene Architektur und stimmige Ladenbau-Konzepte geben jeder Fläche einen unverwechselbaren Charakter. Das Design ist aber kein Selbstzweck, sondern dient der Präsentation der Lebensmittel – Erfolgsfaktor Nummer zwei. Unser Sortiment bietet eine echte Vielfalt aus Marken, Eigenmarken und regionalen Produkten – in hoher Qualität und zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch all dies wäre nichts ohne Erfolgsfaktor Nummer drei: Unsere selbstständigen Kaufleute mit ihren Mitarbeitern. Sie überzeugen mit hoher Beratungs- und Servicekompetenz und machen den Einkauf bei Edeka erst zu einem Erlebnis.
Warum ist es so entscheidend, dass die Kaufleute selbstständig sind?
Der selbstständige Handel ist das Zukunftsmodell für Vollsortimenter. Und wir als „Unternehmer-Unternehmen“ haben da einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die 4.500 selbstständigen Edeka-Kaufleute und ihre Teams zeichnen sich durch eine einzigartige Kundennähe aus. Unsere bewährte Formel lautet: So viel Systematisierung wie nötig, so viel Individualisierung wie möglich. Das gibt uns die erforderliche Flexibilität, um uns immer wieder optimal auf die Anforderungen des Marktes einzustellen. Deshalb ist unser Handeln auf allen Stufen unseres Verbunds der Stärkung unserer mittelständischen Kaufleute verpflichtet.
Wie kann Edeka in Zukunft wachsen? Der deutsche Markt ist verteilt. Zukäufe sind kaum noch möglich.
Für einen guten, inhabergeführten Supermarkt ist immer Platz. Deshalb sehen wir auch in Deutschland noch gute Perspektiven, organisch zu wachsen. Der demografische Wandel erfordert neue Strategien, um die Menschen zu erreichen und Marktanteile zu gewinnen. Mit unserem Nahversorger-Konzept sind wir dafür gut aufgestellt. Unser Anspruch ist es, mit maßgeschneiderten Sortiments- und Vertriebskonzepten die qualifizierte Nahversorgung der Menschen in Deutschland dauerhaft zu sichern – auf dem Land wie in den Ballungszentren. Darunter verstehen wir eine verbrauchernahe Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs durch moderne Vollsortimenter mit einer Verkaufsfläche ab 1.500 qm. Unsere eigenen Produktionsbetriebe, z. B. für regionale Fleisch- und Wurstwaren sowie Backwaren, werden dafür in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.
Wie sieht für Sie der Supermarkt der Zukunft aus?
Ich bin überzeugt, dass die besten Vollsortimentsmärkte der Zukunft unverändert in den Händen des selbstständigen Einzelhandels liegen. Hohe Kundenorientierung ist und bleibt ein absolutes Muss. Das gilt auch für die Vernetzung des stationären Handels mit der digitalen Welt, insbesondere durch mobile Anwendungen. Der Einsatz von Technologie darf nicht zum Selbstzweck mutieren, sondern muss jederzeit zum Ziel haben, unternehmerische Flexibilität und damit auch die Kundenzufriedenheit zu steigern. Angefangen von einer artikelgenauen Bestandsverwaltung über die automatisierte Warendisposition bis hin zum Zahlen per Smartphone und den dazugehörigen Kassenanalysen. Die Büros der Kaufleute werden die Schaltzentrale für ein Marktportal, das jederzeit konsolidierte betriebswirtschaftliche Daten bereitstellt.
Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit dabei?
Natürlich ist der Supermarkt der Zukunft auch energieeffizient und klimaneutral gebaut und ausgestattet – ökologischer Passivhaus-Standard auf 2.000 qm. Die eingesparten Mittel gilt es, dann wieder für eine unverwechselbare und persönliche Kundenansprache einzusetzen.
Stichwort Retail Branding: Mit welchen Themen soll der Endverbraucher Edeka in Verbindung bringen?
Die harte Währung der Zukunft heißt Glaubwürdigkeit, weil das Bedürfnis vieler Menschen nach Nähe, Authentizität und Glaubwürdigkeit wächst. Da kann Edeka punkten, weil wir wie kein anderer Händler für genussvolle und hochwertige Lebensmittel stehen. Besonders unsere selbstständigen, lokal verwurzelten Kaufleute erfüllen dieses Bedürfnis in idealer Weise. Regionalität ist für uns gelebte Praxis. Das gilt auch für das Thema Nachhaltigkeit und generationenübergreifendes Denken und Handeln. Wir wollen verstärkt Innovationen, unter anderem im Eigenmarken-Segment, in unsere Sortimentsstrategie integrieren und dabei auf den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen besonders achten.
