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Energiemanagment Mehr Frische - mehr Kälte, mehr Licht

Udo Mett | 18. Mai 2012

Der Ausbau der Frische-Abteilungen geht einher mit dem Bemühen, den Energieverbrauch zu reduzieren. Wesentliche Ansatzpunkte hierfür sind die Kühlung und die Beleuchtung.

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Vor allem wegen der Preissteigerungen bei Heizöl, Gas und Strom verzeichneten drei Viertel der führenden Handelsunternehmen im vergangenen Jahr steigende Kosten für Energie. Weitere Faktoren, die zu einem Anstieg der Energiekosten beitragen, sind Flächenerweiterungen und der Ausbau der Convenience-, Frische- und Kühl-/Tiefkühlsortimente. Die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten hat zudem zu einer Ausweitung der Betriebszeiten geführt. Das geht aus der Studie „Energiemanagement im Einzelhandel 2011“ des EHI Retail Institutes hervor. Auffällig ist, dass sich der Anteil der Energiekosten, der auf den Bereich Obst- und Gemüse entfällt, gegenüber 2010 auf 6,3 Prozent fast verdreifacht hat. An dieser Entwicklung wird deutlich, wie sehr der LEH das Thema Frische forciert. Gleichzeitig investiert der Lebensmittel-Einzelhandel erhebliche Mittel in die Verbesserung der Energieeffizienz ; dies vielfach nicht allein aus Gründen der Kostensenkung, sondern auch im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens zur Verbesserung der Öko-Bilanz. Allein auf die Bereiche Kühlen und Beleuchten entfallen zusammen weit über 70 Prozent der Stromkosten. Deswegen stehen diese Kostenfaktoren ganz besonders im Fokus des LEH für gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz.

Etwa zwei Drittel der Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmen verzichten bei Neu- und Ersatzinvestitionen inzwischen auf steckerfertige Kühlmöbel und setzen stattdessen auf wesentlich energieeffizientere zentrale Verbundanlagen . Steckerfertige Kühlmöbel sind in der Anschaffung zwar deutlich günstiger als Kühlmöbel in einem Kälteverbund, und sie verbrauchen in der Regel auch weniger Strom. Allerdings haben sie zwei wesentliche Nachteile: Die Abwärme dieser Kühlgeräte wird in der Regel nicht genutzt, sie erwärmt unnötig die Luft im Verkaufsraum. Bei einer größeren Anzahl von steckerfertigen Kühlmöbeln kann damit in vielen Fällen eine zusätzliche Klimatisierung notwendig werden, was wiederum den Verbrauch an elektrischer Energie für erhöht. Zudem besitzen steckerfertige Kühlmöbel in der Regel keine automatische Abtauvorrichtung (Abtauheizung). Sie vereisen demzufolge schneller und müssen regelmäßig manuell abgetaut werden. Das wiederum ist mit zusätzlichem Handlingaufwand und Störungen im Marktbetrieb verbunden, weil dafür das Ausräumen und Zwischenlagern der Ware in einem dafür vorzuhaltenden separaten Kühlraum notwendig ist.

Zentral gesteuerte Kälteverbundanlagen, wie sie im LEH bereits vielfach im Einsatz sind, erfordern zwar deutlich höhere Investitionen. Sie bieten aber gegenüber herkömmlichen steckerfertigen Kühlmöbeln weitere Optionen zur Energieeinsparung. Zum Beispiel kann die Abwärme einer Kälteanlage über einen Wärmetauscher für die Warmwasserbereitung oder zur Vorwärmung der Zuluft für die Klimatisierung des Marktes genutzt werden. Energieexperten sind überzeugt, dass hierdurch bis zu 40 Prozent der Heizenergie eingespart werden können. Bei modernen Kühlanlagen werden zudem zumeist klimaneutrale Kühlmittel eingesetzt, was der Klimabilanz und der ökologischen Nachhaltigkeit des Betriebes zugute kommt.

Der Ersatz alter Einrichtungen durch moderne Kühlmöbel bringt laut Energieagentur NRW von vornherein bereits eine Stromersparnis von 20 bis 40 Prozent mit sich. Dazu trägt nicht nur die moderne Kühltechnik bei. Neue Kühlmöbel verfügen in der Regel auch über Schiebedeckel bzw. Glastüren, damit möglichst wenig Kälte in den Raum entweichen kann. Rahmenlose Türen ohne Senkrechtstützen gewährleisten zudem einen freien Blick auf die Ware. Der Kühlmöbelhersteller Epta zum Beispiel verspricht für seine steckerfertigen Kühlmöbel mit Glastüren eine Energieersparnis gegenüber Kühlmöbeln ohne Türen von 25 Prozent. Jedoch lässt sich auch bei älteren Kühlmöbeln durch Nach- und Umrüstungen mit Glastüren bei Kühl- und Tiefkühlregalen bzw. Schiebedeckeln bei Tiefkühlinseln und -truhen deutlich Energie sparen. Wo Glastüren und Abdeckungen wenig Sinn machen, und gekühlte Frische-Produkte offen präsentiert werden – zum Beispiel im Mopro-Schnelldrehersortiment – sollten Rollos für die Abdeckung der Regale jedoch zum Standard gehören. Experten schätzen den durch diese Nachrüstungen erzielbaren Minderverbrauch bei Strom auf bis zu 30 Prozent.

Aber auch durch einfache Maßnahmen und Vorkehrungen lassen sich Stromsparpotenziale in der Kühlung nutzen. Hierbei sind vielfach die Mitarbeiter gefordert, was eine entsprechende Einweisung/Schulung erfordert. Beim Einräumen von Ware müssen sie zum Beispiel darauf achten, dass Kühlmöbel nicht mit Ware überfüllt werden und die Ware so eingeräumt bzw. platziert wird, dass es nicht zur einer Störung oder Unterbrechung des Luftstroms innerhalb der Kühlregale und -truhen kommt, weil Luftauslässe oder Ansaugöffnungen versperrt werden. Das würde zu einem erhöhten Stromverbrauch führen und möglicherweise auch zu einer Beeinträchtigung der Produktqualität. Und natürlich sollte nur Ware in der Kühlung liegen, die zwingend gekühlt werden muss.

Wesentlichen Einfluss auf die Energieeffizienz von Kühlmöbeln hat auch die direkte Warenbeleuchtung in den Möbeln. Hier setzt sich mehr und mehr LED durch. Die verbrauchsarme Leuchtdioden-Technik ist prädestiniert für den Einsatz in kalter bzw. kühler Umgebung, weil niedrige Temperaturen hier nicht zu Einbußen bei der Lichtleistung führen und die Leuchten selbst keine Wärme und UV-Strahlung entwickeln. Weitere Vorteile sind die kleine Dimensionierung der Leuchten, ihre weitgehende Wartungsfreiheit mit in der Regel mindestens 50.000 Betriebsstunden. Diese und weitere Vorteile der LED-Technik nutzt der Lebensmittel-Einzelhandel inzwischen aber längst auch für andere Ladenbereiche, zum Beispiel in den Bedien- und Frischetheken. „Hier kann mit LED deutlich warenschonender beleuchtet und das Licht einer LED sehr präzise auf das Farbspektrum der Ware abgestimmt werden“, hebt Christof Volmer von Bäro hervor. In der Konsequenz sei die speziell für die Beleuchtung bestimmter Frische-Bereiche – z.B. Fleisch- und Wurstwaren – entwickelte LED-Technik deutlich flexibler und effizienter, weil bei konventionellen Lampen Filter oder gefärbte Reflektoren zu Hilfe genommen werden müssten.

Hinsichtlich der Energieeffizienz und der Wirtschaftlichkeit (Amortisation) gibt es unterschiedliche Einschätzungen der Experten. Stefan Grote von Ansorg zum Beispiel macht die Beurteilung von Einspareffekten durch eine LED-Umrüstung davon abhängig, welche Lichttechnik zuvor eingesetzt wurde. Im LEH werden oftmals noch veraltete Natriumdampfentladungslampen (HST) verwendet. Diese seien sehr ineffizient, wodurch ein Wechsel zur LED-Technik hier eine sehr hohe Energieeinsparung mit sich bringe. Ehrlicher sei ein Vergleich der LED-Technik mit den deutlich effizienteren Halogenmetalldampflampen (HIT): „Die LED-Technik erreicht in puncto Effizienz die HIT-Technik im Bereich zwischen 35 und 50 W. Hier zeigt die LED-Technik bei gleicher Lichtqualität eine höhere Effizienz von ca. 14 Prozent.“ Für eine realistische Beurteilung der Effizienz müsse jedoch immer das gesamte Lichtkonzept betrachtet werden. Ähnliches gelte für die Amortisation. Hier liegen die Einschätzungen der Lichtexperten von Bäro und Ansorg übereinstimmend bei drei bis acht Jahren. LED in Tiefkühl- und Kühlmöbeln amortisieren sich hingegen deutlich schneller: Martin Döbler von Nualight erwartet ein Return on Investment nach ein bis zwei Jahren (LED im Bereich Tiefkühlung) und zwei bis drei Jahren für LED-Investitionen im Bereich Normalkühlung. Unterstellt ist hierbei ein Energieeinspareffekt von bis zu 70 Prozent bzw. bis zu 40 Prozent und eine Lebensdauer der LED von 50.000 Betriebsstunden.

Auch wenn es in der LED-Technik eine sehr dynamische Entwicklung gibt, werden vorläufig konventionelle Lichttechnik – vorwiegend Halogenmetalldampflampen – und LED als Mischkonzepte dominieren, meint zumindest Lichtexperte Grote.

Um die bestmöglichen Energiespareffekte zu erzielen, ist ein Energiemanagement-System letztlich unerlässlich, in dem alle Verbrauchsbereiche, Faktoren und Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz zusammengeführt werden, sowohl technisch als auch organisatorisch. Wie zum Beispiel bei dm-Drogerie Markt. „In unserem Energiemanagement setzen wir neben intelligenter Steuerungstechnik und regenerativen Energien auf das Miteinander von Kollegen in Filialen und der Fachabteilung Energiemanagement in der Zentrale sowie auf Transparenz und Information“, erklärt dm-Geschäftsführer Markus Trojansky. Der jährliche Energiereport zeigt für jede dm-Filiale mögliche Ansatzpunkte für Energieeinsparungen auf. Sind die Verbräuche zu hoch, suchen die Filialen gemeinsam mit betriebseigenen Energieexperten nach den Ursachen. Filialleiter besprechen das Thema mit ihren Teams. Mitarbeiterzeitung und Lehrlings-Magazin geben regelmäßig Tipps für den Filial-Alltag. Im dm-Intranet sensibilisiert eine E-Learning-Plattform künftig zusätzlich für das Energiesparen und den Ressourcen schonenden Umgang mit der Technik.

Viele Beispiele neu erbauter und modernisierter Lebensmittelmärkte belegen laut Umweltbundesamt (UBA), dass durch die energetische Modernisierung (Umbau oder Neubau) von Lebensmittelmärkten im Vergleich zum Standardmarkt bis zu 50 Prozent Energie eingespart werden kann. „Die Energieeinsparmöglichkeiten bei Geschäften des LEH sind umso größer, je mehr die Einzelgewerke – Gebäude, Beleuchtung, Kälteerzeugung und Heizung etc. – bei der Planung aufeinander abgestimmt werden“, erklärt Reinhard Albert vom UBA-Fachreferat Energieeffizienz. Dies zeige sich insbesondere bei der Bereitstellung von Kälte und Wärme. Moderne Integralanlagen könnten sowohl Wärme als auch Kälte erzeugen, wobei die Abwärme des Kälteanlagenteils für Heizungszwecke genutzt werde. Durch die Verwendung saisonaler Energiespeicher könne Energieeinsparung noch weiter erhöht werden.

Nicht Kühlpflichtiges trotzdem kühlen?
Energiesparen ist für jeden Händler ein Thema. Schließlich sollen nicht mehr Kosten als nötig entstehen. Darum wäre es nur logisch, nur Produkte zu kühlen, die auch gekühlt werden müssen. Dennoch finden sich landauf, landab in vielen Kühlregalen nicht kühlpflichtige Artikel wie Getränke, Margarine oder verschiedene Schinkensorten. Die LP hat nachgefragt, wann es sich lohnt, nicht Kühlpflichtiges trotzdem zu kühlen.
„Um eine Anbindung zu schaffen und Zusatzumsatz zu ?generieren, platziere ich gelegentlich zum Beispiel eine nicht kühlpflichtige Feinkostsauce im Kühlregal neben der Bratwurst. Wir kühlen auch Champagner, weil unsere Kunden ihn direkt gekühlt kaufen wollen.“
Tilo Lehmann, ?Karstadt Perfetto in Wiesbaden

„Als wir die Margarine ungekühlt platziert haben, bekamen wir Absatzschwierigkeiten, weil die Kunden sie nicht mehr gefunden haben. Sie suchen Margarine bei der Butter. Traditionell lagern sie Margarine auch zuhause im Kühlschrank, und ihr Qualitätsanspruch ist, dass sie auch bei uns gekühlt wird. ?Deshalb nehme ich den zusätzlichen ?Energieverbrauch in Kauf.“
Rainer Rentschler, Edeka Rentschler, Pfalzgrafenweiler-Bösingen
„Um Energie zu sparen, haben wir Anfang des Jahres das Kühlregal aufgelöst, in dem wir bis dahin nicht kühlpflichtigen Schinken und Salami platziert hatten. Wir haben dadurch keine Einbußen erlitten. In Planung ist auch, ?Margarine aus der Kühlung zu nehmen, ?um den Energieverbrauch zu senken.“
Thomas Richter, ?Dodenhof Posthausen

www.ehi.org
www.baero.com
www.ansorg.com