Einkaufen mit Hans-Theo Hennes Packungen können nicht mehr viel kleiner werden

Hans-Theo Hennes von Kaiser’s Tengelmann spricht im LP-Interview über veränderte Verpackungsgrößen in den Frischeabteilungen.

Donnerstag, 03. Mai 2012, 00:00 Uhr
Sonja Plachetta
Artikelbild Packungen können nicht mehr viel kleiner werden
Viel Verpackung, wenig Inhalt: Kleinverpackungen machen die Produkte teurer und belasten die Umwelt, sagt Hans-Theo Hennes, Gruppen Category Manager Frische bei Kaiser’s Tengelmann und Geschäftsführer von Birkenhof.
Bildquelle: Christian Belz

Es gibt immer mehr Kleinhaushalte und Senioren. Spielt der demografische Wandel eine Rolle dabei, dass sich Verpackungsgrößen ändern?
Hans-Theo Hennes: Selbstverständlich. Im SB-Bereich gibt es immer mehr Singlepackungen. Verändert hat sich auch die Stückzahl im Kolli. Wenn früher 20 Salami-Packungen in einem Kolli waren, sind heute noch acht Packungen enthalten. Unsere Erfahrung ist, dass ältere Menschen gerne an Bedienungstheken einkaufen, weil diese für sie ein Kommunikationsort sind und weil sie beraten werden möchten. Dass Senioren geringere Mengen kaufen, ist ein Grund dafür, dass sich die Verpackungseinheiten auch an den Bedienungstheken in den vergangenen Jahren drastisch verkleinert haben.

Welche Gründe gibt es außer dem demografischen Wandel für die Verkleinerung der Einheiten an den Bedientheken?
Wir bei Kaiser’s Tengelmann wollen auch der geringeren Umschlagshäufigkeit in umsatzschwächeren Filialen gerecht werden. Deshalb sind die Bestelleinheiten kleiner geworden, damit die Ware stets frisch ist. Außerdem ist die Thekenbewirtschaftung ein wichtiges Thema. Um Geld zu verdienen, muss die Bewirtschaftung der Bedientheke optimal gewährleistet sein. Je weniger Fachpersonal zur Verfügung steht, desto mehr muss zentral für die Filiale vorkonfektioniert werden. Zum Beispiel werden bei den Edelteilen die Teilstücke bereits für die Filialen thekenfertig zur sofortigen Portionierung zugeschnitten. Dies bedeutet einen erhöhten EK-Preis, erleichtert jedoch das Handling und garantiert eine schnelle und gleichbleibende Thekenbestückung.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie eine kleinere Bestelleinheit für Bedienungstheken bei Kaiser’s Tengelmann aussieht?
Ein Beispiel ist der Bierschinken. Früher bestand die Bestelleinheit aus einer ganzen Kistenbelegung von drei Bierschinken, heute kann ein einzelner Bierschinken bestellt werden. Und: Jeder Bierschinken an sich ist kleiner geworden. Früher wog er 2,7 kg, heute noch 1,5 kg. Früher wurde der 2,7-kg-Bierschinken halbiert, heute kommt das ganze Stück direkt in die Theke. Ein anderes Beispiel ist der Schweineschinken: Wenn früher die Verpackungseinheit bei einem Schweineschinken der ganze Schinken war, so bekommt die Filiale dieses Teilstück heute geteilt in vier Teile – vakuumiert oder auch frisch.

Sie sind auch Geschäftsführer bei Birkenhof. Ist es eine große Herausforderung, die Ware in Verpackungseinheiten unterschiedlicher Größe zu verpacken?
Das ist eine Frage der Investition in Maschinentechnik. Wenn die Ware aus der Bedienungstheke auch im Prepack zentral vorverpackt wird, um die Filialen zu entlasten, braucht man Packstraßen, Schneidetechnik und andere bauliche Gegebenheiten dafür.

Wie werden sich die Packungsgrößen in den nächsten Jahren entwickeln?
Wesentlich kleiner als heute geht es kaum noch. Im Prepack packen wir zum Teil drei, vier Scheiben Wurst ab, dazu wäre die Alternative ja nur, eine einzelne Scheibe an der Theke zu kaufen. Nur eine oder zwei Scheiben im Prepack anzubieten, ist von den Kosten her nicht zu stemmen. Denn wenn in einer SB-Verpackung nur noch 50 g Wurst sind, die Verpackung selbst aber schon 60 g wiegt, wird das Produkt teurer, weil die Preise für die Rohmaterialien von Verpackungen nicht mehr im Verhältnis stehen. Außerdem wird mehr Abfall produziert und die Umwelt belastet.


Man kann also sagen: Kleinere Verpackungen sind nicht nachhaltig?
Die Umweltbelastung wird dadurch nicht reduziert.

Können kleinere Verpackungen denn zumindest, wie Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner glaubt, die Lebensmittelverschwendung in Deutschland reduzieren?
Dazu müssten die Verbraucher ihr Verhalten ändern. Sie bestimmen, was weggeworfen wird. Sie kaufen immer das Produkt mit dem längsten Mindesthaltbarkeitsdatum, auch wenn sie schon wissen, dass sie es in den nächsten Tagen essen werden. Und vor allem im Aktionsgeschäft ist immer wieder zu erkennen, dass viele Kunden nach wie vor Großpackungen kaufen – wohl wissend, dass sie ein Drittel wegwerfen – und eben nicht an die Theke gehen, wo sie kleinere Mengen bekommen könnten.

Worauf müssen Händler achten, um profitabel zu arbeiten?
Wichtig ist, die Rückläufe gering zu halten, also nicht mehr Ware zu verpacken als man verkaufen kann. Sonst ist die Kalkulation hinfällig. Denn dann hat der Händler nicht nur einen hohen Kostenaufwand für die Verpackung, sondern muss die Ware anschließend auch noch vernichten. Bei SB-Artikeln sollte man nicht zwei verschiedene MHD in der Regalierung haben, weil die Kunden wie gesagt immer das Produkt mit dem längsten MHD kaufen. Neuere Ware sollte man deshalb länger im Lager lassen, selbst wenn sie in der Regalierung noch hinter die ältere Ware passen würde. Wenn man dennoch zu hohe Abschriften hat, muss man entweder den Artikel auslisten oder mit der Industrie sprechen, ob man die Verpackungseinheit im Kolli verkleinern kann.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Kosten zu reduzieren?
Je teurer die Rohstoffe werden, desto mehr setzen sich die Unternehmen mit den Verpackungsstärken auseinander. Es wird versucht, in den Produktionsbetrieben die Stärke der Folien und in den Filialen die Papierstärke zu verringern. Auch bei den SB-Verpackungen ist das ein Thema. Ein Nachteil kann entstehen, wenn auch an der Umverpackung im Karton gespart wird. Wenn auf einer Palette die Ware sechs, sieben Kollis hoch gestapelt ist, kann es passieren, dass die unteren Kollis instabil werden.

Ist der Verbraucher gegenüber „grünen“ Verpackungen sensibilisiert?
Jeder, der zuhause eine gelbe Tonne hat und sieht, wie der Müll darin wächst, müsste normalerweise ein Bewusstsein dafür entwickeln. Bei den Händlern gibt es dieses Bewusstsein unter dem Aspekt des Kostendrucks, dass es aber diesbezüglich Druck seitens der Kunden gibt, kann ich so nicht bestätigen.

Fakten zur Person
Hans-Theo Hennes ist bei Kaiser's Tengelmann zuständig für die Frischabteilungen.
Seit 2004 hat Hennes zusätzlich auch die Funktion des Geschäftsführers von Birkenhof inne.
Bildquelle: Christian Belz

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Bild öffnen Verbraucher kaufen immer das Produkt mit dem längsten MHD, auch wenn sie es in den nächsten Tagen essen wollen, ist Hennes’ Erfahrung.