„Eine Herausforderung für den stationären Handel“
Von Christoph Werner, dm Drogeriemarkt
Christoph Werner ist der Vorsitzende der dm-Geschäftsführung.
KI und Agentic Commerce haben das Potenzial, den Einzelhandel sehr zu verändern. Dabei stellen sich entscheidende Fragen: Sind die Menschen künftig bereit, ihre Kreditkarte einem Agenten anzuvertrauen, der verbindlich Bestellungen aufgibt? Was passiert, wenn der Agent Dinge kauft, die unerwartet über das Budget hinausgehen oder die man eigentlich nicht wollte? Vor allem: Kann die KI wirklich verstehen, was die Konsumbedürfnisse der Menschen sind? Der Einzelhandel lebt unter anderem von Produktinnovationen. Kann die KI diese in die Kaufentscheidungen einbeziehen? Wenn das Einkaufen selbst nicht nur transaktional, sondern inspirierend und als Mehrwert erlebt wird, muss das, was der Agent bietet, schon sehr attraktiv sein, damit der Kunde darauf verzichtet und seine Zeit anders nutzt. Ich bin sehr zuversichtlich, was dm betrifft. Wenn wir mit unserer Omnichannel-Strategie weiterhin nah am Kunden sind, dann werden KI-Tools und Agenten das erkennen und uns präferieren. Für den stationären Einzelhandel wird es jedoch härter, und es wird sich zeigen, wer wirklich gut ist und überlebt. Wir arbeiten ständig an unserer Qualität, investieren in Ladenbild und die Ausbildung der Mitarbeiter, damit der Einkauf bei dm stets ein positives Erlebnis ist. Ich bin überzeugt, wir werden uns behaupten.
„Kein geschlossener Raum, der Händler benachteiligt“
Von Philipp Gooding, Google
Philipp Gooding ist als Pressesprecher bei Google Germany tätig.
Der KI-Modus verändert nicht das Ziel der Google-Suche, sondern die Qualität der Kaufentscheidung. Unser oberstes Anliegen ist es, Nutzer dabei zu unterstützen, Informationen aus diversen und zahlreichen Quellen zu finden. Wir machen mit dem KI-Modus die Google-Suche intuitiver und interaktiver: Man kann tippen, sprechen oder einfach ein Foto machen, um komplexe Fragen zu stellen – etwa die Planung eines Abendessens oder der Vergleich von Nährwerten. Außerdem kann man mit Folgefragen noch tiefer in Themen eintauchen. Tatsächlich stellen Nutzer im KI-Modus zwei- bis dreimal längere Suchanfragen, was eine tiefer gehende Recherche ermöglicht. Der KI-Modus ist kein geschlossener Raum, der Händler benachteiligt. Im Gegenteil: Durch das sogenannte Query-Fan-Out-Verfahren liefert die KI eine strukturierte Antwort, die gezielt mehr unterstützende Webseiten identifiziert. Wir beobachten, dass Nutzer ein größeres Spektrum an Webseiten besuchen und Klicks von höherer Qualität sind, weil sie sich intensiver mit den Inhalten der Händler und Marken beschäftigen. Für Lebensmittelhändler und -hersteller verschiebt sich die Strategie: Statt auf starre Keywords zu optimieren, muss der Kontext der Kaufabsicht erfasst werden. Wer sich auf den interaktiven Dialog einstellt, gewinnt.
