One-Stop-Shopping Darum setzt Kaufland auf gesundheitliche Versorgung

Hintergrund

Kaufland testet ein Konzept, das Einkaufen, Arztbesuch und Alltag verbindet – und zeigt, welche Rolle nicht nur Großflächen künftig spielen können.

Mittwoch, 26. November 2025, 07:40 Uhr
Matthias Mahr
Nicht nur Kaufland ist gespannt, wie der Medical-Room beim Verbraucher ankommt. Bildquelle: Kaufland

Kaufland wagt den Schritt in ein neues Terrain: Gemeinsam mit der Sana-Gruppe eröffnete der Großflächenbetreiber der Schwarz-Gruppe in Mosbach ein Gesundheitszentrum direkt am Marktstandort in der Vorkassenzone. Der Pilot gilt als strategischer Versuch, Handelsflächen künftig stärker als Orte ganzheitlicher Versorgung zu positionieren – mit telemedizinischer Arztsprechstunde, Apotheke, Drogerie und Einkauf unter einem Dach.

„Der Kunde soll bei uns nicht nur alles für seinen Wocheneinkauf finden, sondern durch ergänzende Dienstleistungen ganzheitlich versorgt werden“, sagt René Wolf, Leiter Vermietung bei Kaufland. Das Konzept firmiert nach seinen Aussagen unter dem Schlagwort „One-Stop-Shopping“ – und markiert eine weitere Facette in der Fortentwicklung des stationären Handels in Deutschland: der Supermarkt als Dreh- und Angelpunkt der Nahversorgung.

Ort der Gesundheitsfürsorge

Wo Arztpraxen, Banken und Poststellen schließen, übernimmt der Handel zunehmend Funktionen der Daseinsvorsorge. Die Gesundheitsversorgung sei ein wichtiges Zukunftsthema für Kaufland. „Wir wollen das medizinische Angebot dorthin bringen, wo die Menschen sind – und dem Kunden ermöglichen, seinen Arztbesuch mit dem Einkauf zu verbinden“, sagt Wolf auf Nachfrage der Lebensmittel Praxis.

Laut Analysen der Sana-Gruppe besteht am Kaufland-Standort in Mosbach im südlichen Odenwald hoher Bedarf für einen Medical-Room, weil hier viele Praxen keine Nachfolger mehr finden. Für Kaufland ist das Projekt daher mehr als eine Marketingidee. „Der Mietvertrag ist langfristig abgeschlossen“, erklärt der Kaufland-Manager. Das sei kein Pilotprojekt, das nach zwei Monaten wieder abgebaut werde. Statt eines fixen Zeitplans setzt das Unternehmen auf kontinuierliche Beobachtung und Bewertung, heißt es.

Mit über 780 Filialen und 1,1 Millionen Quadratmetern vermieteter Handelsfläche zählt Kaufland zu den größten gewerblichen Vermietern Deutschlands. Jeder neue Mieter soll nicht nur Umsatz bringen, sondern auch Frequenz. Wolf formuliert es so: „Je mehr wir den Nerv der Kunden treffen, desto größer ist der Mehrwert für den Standort.“ Die Gesundheitsangebote sollen deshalb keine Konkurrenz zu bestehenden Partnern wie Apotheke oder Drogeriemarkt sein, sondern Synergien schaffen. „Wenn jemand sein Rezept einlöst, geht er danach in die Apotheke. Das stärkt alle Beteiligten“, sagt Wolf.

Durchdachte Profilschärfung

Das Modell ist Teil einer breiteren Standortstrategie. Kaufland denkt Handel neu – nicht mehr nur als Verkaufsfläche, sondern als sozialer Treffpunkt und multifunktionales Zentrum. In Regionen, in denen öffentliche Infrastruktur ausdünnt, sieht der Schwarz-Konzern künftig Chancen, mit intelligenten Mietpartnerschaften die Attraktivität seiner Märkte zu erhöhen. Die 54 Quadratmeter große Sana-Fläche in Mosbach ist dafür Symbol und Test zugleich. Hier soll sich zeigen, ob Gesundheitsdienstleistungen tatsächlich als Frequenzbringer wirken können.

Für den Handel insgesamt deutet das Projekt auf eine neue Rollenverteilung hin: Wer künftig bestehen will, muss mehr bieten als Sortimentsbreite und Preis. Kaufland schärft das eigene Profil – nicht als Nahversorger allein, sondern als Knotenpunkt des täglichen Lebens.

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