Der selbstständige Edeka-Händler Alexander Kreuzberg schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf. „Es gab da eine Diebesbande, die über vier Wochen hinweg in unserem E-Center in Neuwied zugange war“, sagt er, „die Gruppe klaute uns Spirituosen im Wert von 5.000 Euro, bis wir sie schließlich fassen konnten.“ So weit, so gut und mittlerweile Alltag vieler Lebensmittelhändler in Deutschland. Was Kreuzberg aber bis heute fassungslos macht: Die Täter gingen straffrei aus. Der Händler schimpft: „Wir ertappten sie an einem Samstag. Der zuständige Staatsanwalt stand wohl auf dem Golfplatz und wollte keinen Haftbefehl beantragen.“ Die Täter blieben auf freiem Fuß – und tauchten später auf Nimmerwiedersehen unter.
Supermärkte in Deutschland sind zu Hotspots für Diebe geraten. Dazu trägt offenkundig bei, dass etwa Fleisch und Kaffee für viele Menschen zu Luxusgütern geworden sind. Hinzu kommt eine im europäischen Vergleich lasche Strafverfolgung, die organisierte Banden offenbar förmlich anzieht.
Und die Gewaltbereitschaft steigt – gleich, ob bei Gelegenheitsdieb oder Profi-Gangster. Die Justiz dagegen empfinden viele Händler zunehmend als zahnlosen Tiger ohne abschreckende Wirkung. „Ladendiebstahl gilt zu oft als Bagatelle, Verfahren werden zu häufig eingestellt“, sagt Dr. Peter Jens Schröder, Bereichsleiter Recht und Verbraucherpolitik beim Handelsverband Deutschland (HDE). Für viele Handelsunternehmen sei es in hohem Maße frustrierend, jeden Tag dieselben Täter wieder in ihren Geschäften zu erwischen. „Da geht viel Vertrauen in unseren Rechtsstaat verloren.“
Um sich zu schützen, greifen Händler inzwischen zu drastischen Mitteln: mehr Sicherheitskräfte, stichsichere Westen, physische Artikelsicherungen und den umstrittenen Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Videoüberwachung. Doch die Absicherung hat ihre Grenzen. Niemand will aus seinem Markt eine Festung mit Glasvitrinen machen. Schließlich ist das Anfassen und Erleben von Ware noch eines der wenigen Merkmale, die den stationären Handel vom Onlinekauf unterscheiden. Für viele betroffene Händler ist der tägliche Diebstahl zur psychischen Belastung geworden. „Jeden Morgen, wenn wir den Laden öffnen, wissen wir, dass wir im Laufe des Tages in irgendeiner Form bestohlen werden. Es ist frustrierend, weil wir dem oft machtlos gegenüberstehen“, beschreibt Frank Ebrecht, Geschäftsführer bei Edeka Niemerszein in Hamburg, dieses Gefühl.
Fast jeder Supermarkt-Betreiber hat eine spektakuläre Diebesgeschichte zu erzählen. Wie der Edeka-Kaufmann Bernd Wilger aus dem münsterländischen Borken. „Wir hatten vor Jahren einen runden Einschnitt im Dach exakt über dem Zigarettenregal, sodass sich die Diebe von oben abseilen konnten“, erzählt der Edekaner von einem fast hollywoodreifen Einbruch. Damals habe die veraltete Technik die Alarmanlage nicht ausgelöst, und eine große Menge Zigarettenstangen verschwand.
Andere Händler berichten, dass immer häufiger ganze Einkaufswagen mit teurer Ware wie Spirituosen oder Kaffee vollgeräumt und unbezahlt hinausgeschoben werden. Werden die Täter im hektischen Tagesgeschäft nicht geschnappt, summiert sich die Beute schnell auf mehrere Tausend Euro. Besonders schlimm erwischt es jene Betreiber und Mitarbeiter, die das traumatische Erlebnis eines Raubüberfalls, womöglich mit Gewaltanwendung, durchmachen müssen. Laut Polizeiangaben kam es 2023 allein in Berlin zu 45 solcher schweren Straftaten in Supermärkten und Discountern. Tendenz steigend.
Frank Ebrecht
Geschäftsführer bei Edeka Niemerszein
Wie viel geben Sie für Diebstahlprävention aus?
Die Ausgaben liegen im sechsstelligen Bereich. Das sind Kosten, die uns im Kerngeschäft nicht weiterbringen. Trotzdem müssen wir sie tätigen, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter zu gewährleisten. Wir haben abends eine Sicherheitskraft am Eingang und setzen Detektive ein.
Wie sichern Sie Artikel?
Das meiste ist frei zugänglich und kann schnell verschwinden. Ausnahmen sind Produkte, die wir in Vitrinen wegschließen. Das kann den Umsatz beeinträchtigen, weil Kunden oft keine Lust haben, auf Hilfe zu warten.
Was überrascht Sie noch?
Die Dreistigkeit. Es kommt vor, dass direkt vor den Augen unseres Inhabers Volker Wiem etwas gestohlen wird. Da fehlt dann plötzlich eine Flasche Champagner, als wäre es das Normalste der Welt.
Anketten? Wegschließen?
Wie also können sich Lebensmitteleinzelhändler schützen? Kaum jemand kann diese Frage besser beantworten als Hans-Jürgen Nausch, Leiter von Checkpoint Systems Deutschland. Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von physischer Warensicherung und verkauft neben Lösungen mit RFID-Etiketten, die bei Nichtbezahlen an der Kasse einen Alarm auslösen, auch immer stärker ganz profanen Diebstahlschutz: Plastikboxen, wie man sie aus dem Elektro- oder Parfümfachhandel kennt und die an der Kasse erst geöffnet werden, sowie „Spiders“, Kabelsicherungen, mit denen Ware quasi festgekettet wird. So absurd das klingt, es ist längst Alltag vieler Händler. „Früher reichten Klebeetiketten, heute nutzen wir teilweise schon Spider-Sicherungen bei Fleisch oder Käse“, berichtet Nausch. Die Sicherung löst einen Alarm aus, wenn die Kabel durchtrennt werden. Früher sei so etwas im Supermarkt undenkbar gewesen. „Kein Einzelhändler macht das freiwillig, sondern weil es mittlerweile einfach notwendig ist“, sagt Nausch.
Doch wie weit können es die Kaufleute auf der Fläche mit der Artikelsicherung treiben? Darf der eigene Markt zur Festung werden? Wie viele Produkte müssen in Vitrinen und Boxen verschlossen werden? Ein extremes Beispiel gab kürzlich eine Filiale des Drogeriemarktbetreibers Walgreens in San Francisco ab. Ein Video, das dort aufgenommen wurde, zeigt ausschließlich verschlossene Regale: Zahnpasta hinter Glasscheiben und sogar einen Tiefkühlschrank mit Eiscreme, der mit dicker Kette und Vorhängeschloss gesichert ist (siehe Foto). Walgreens begründet die extremen Maßnahmen mit der hohen Diebstahlquote. Genützt haben Ketten und Schlösser am Ende nichts: Die Filiale ist mittlerweile geschlossen.
Solche Zustände wünscht sich Nausch für den deutschen Handel nicht. Für einen Verkäufer von Sicherheitstechnik gibt er sich erstaunlich zurückhaltend: „Sie können Ihren Markt so sicher machen, dass sicher keiner mehr kommt“, lautet seine Quintessenz. Der Einzelhandel könne nie alles sichern, weder personell noch finanziell. Entscheidend ist ein durchdachtes Konzept: Kunden sollen sich willkommen fühlen, aber auch die Grenzen erkennen, etwa durch Eingangstore und für sie sichtbare Kameras oder Spiegel. Aufmerksames Personal spielt laut Nausch ebenfalls eine wichtige Rolle, auch wenn es immer weniger wird.
Physische Sicherungen sollten nach Ansicht des Fachmanns dort eingesetzt werden, wo sie nötig sind und Signalwirkung entfalten. „Wenn ich zum Beispiel im Regal mit Spirituosen eine beliebte Ankermarke mit einem Verschluss sichere, wirkt das psychologisch auch für die anderen Produkte, selbst wenn sie nicht gesichert sind“, erklärt Nausch. Ein Fan von Einzelsicherungen ist er nicht. Trotzdem hat Checkpoint Systems eine spezielle Sicherungsbox für Schokoladentafeln entwickelt, ähnlich wie früher für CDs und DVDs im Elektrofachhandel. Die Kunden hätten solche Lösungen verlangt. Doch das Entfernen dieser Boxen an der Kasse, besonders bei Selbstbedienungskassen, ist umständlich.
Also wegschließen? Es müsse die Ausnahme bleiben, raten viele Experten. „Der Einzelhandel hat die Aufgabe, den Kunden zu bedienen, und Vitrinen sind da nicht immer hilfreich“, sagt auch Dennis Hollmann, der bei Checkpoint Systems die großen Kunden aus dem Lebensmitteleinzelhandel berät. Die Nachteile kennen viele Händler: Es bindet Personal, für jeden Spirituosen-Einkauf einen Schrank öffnen zu müssen – und schreckt viele ehrliche Kunden ab. Edeka-Händler Ebrecht aus Hamburg setzt für manche Produkte trotzdem auf Vitrinen – und geht sogar noch einen Schritt weiter: Vergangenes Jahr habe man begonnen, die Spirituosen selbst von der Vitrine zur Kasse zu bringen, statt sie dem Kunden zu überlassen. „Die meisten haben Verständnis, aber einige fühlen sich beleidigt. Trotzdem haben wir diese Maßnahme durchgezogen, weil einfach zu viel gestohlen wurde, trotz Vitrine.“
Self-Check-out ist juristisch ein Problem
Umstritten ist, ob die wachsende Zahl an Selbstbedienungskassen Diebstähle begünstigt. Der Handelsverband Deutschland sieht die Self-Check-out-Systeme nicht als Hauptursache. Für Frank Horst, Spezialist für Inventurdifferenzen beim EHI Retail Institute, ist die Sache weniger eindeutig. Untersuchungen ergaben, dass 30 bis 40 Prozent von 40 befragten Handelsunternehmen höhere Differenzen an Self-Check-out-Kassen melden – teils doppelt so hoch. Juristisch sind die Risiken groß: Laut EHI gibt es inzwischen mehrere Urteile, die verlangen, dass Self-Scanning-Systeme absolut fehlerfrei funktionieren. Andernfalls könne der Kunde immer behaupten, es sei ein technischer Fehler gewesen. „Mir ist kein Fall bekannt, in dem jemand wegen Ladendiebstahls am Self-Check-out verurteilt wurde. Das ist eine sehr problematische Angelegenheit“, sagt Horst.
„Natürlich ist der Self-Check-out ein Bereich, der das Klauen erleichtern kann“, sagt Niemerszein-Geschäftsführer Ebrecht. Er meint: Wenn das einmal funktioniert, versucht es der Betrüger vielleicht erneut, sogar in größerem Umfang, bis wir ihn erwischen, und er behauptet, es sei das erste Mal gewesen. Die Hanseaten verzichten bislang auf die Technik. Im kommenden Jahr soll ein erster Test starten – den Anschluss an die Entwicklung will der Edeka-Filialist keinesfalls verpassen. Aber die Hamburger werden sehr genau hinschauen, was passiert.
Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Supermärkte besonders im Fokus von Dieben stehen. Das EHI Retail Institute beziffert den Verlust im gesamten deutschen Handel durch Diebstahl von Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und Servicepersonal auf insgesamt 4,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Mit annähernd 2 Milliarden Euro Verlust durch Inventurdifferenzen nimmt der Lebensmittelhandel den absoluten Spitzenplatz im Ranking ein. Zum Vergleich: In Textilgeschäften summierten sich 2024 die Verluste auf 460 Millionen Euro. „In den zurückliegenden Jahren hat sich die Situation im Lebensmitteleinzelhandel deutlich verschärft“, berichtet Frank Horst vom EHI.
Ein Grund liegt in der Preisentwicklung. Immer mehr Betreiber sehen sich denn auch gezwungen, Kaffee wegzuschließen, um Diebstähle zu verhindern. „Kaffee hat sich im Preis teilweise verdoppelt und ist ein beliebtes Diebesgut, da es sowohl für den Eigenbedarf genutzt als auch leicht weiterverkauft werden kann“, weiß Horst. Auch Parfüm, dekorative Kosmetik, Zigaretten, Schokolade, Fleisch sowie Spirituosen stehen hoch im Kurs. Den Löwenanteil bei den Diebstählen machen die Kunden aus, gefolgt von der eigenen Belegschaft sowie Lieferanten und Servicepersonal. Die Kölner Marktforscher vom EHI gehen davon aus, dass jeder zweihundertste Einkaufswagen in deutschen Supermärkten täglich unbezahlt die Kasse verlässt. Besonders kritisch: die geschätzte Dunkelziffer von rund 98 Prozent. Viele Diebstähle werden nicht entdeckt oder gar nicht erst angezeigt. „Oft ist der bürokratische Aufwand viel größer als der Ertrag“, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg.
Neben Gelegenheitsdiebstählen, die mitunter auch als Protest gegen steigende Preise verstanden werden, sorgt vor allem ein anderes Phänomen für Unruhe: die Organisierte Kriminalität. „Die größte Bewegung sehen wir tatsächlich bei den organisierten, professionellen Bandendiebstählen“, sagt EHI-Experte Horst. Teilweise nutzen diese Gruppen sogenannte Cloud-Taschen, die mit Aluminium ausgestattet sind, um Warensicherungen zu umgehen. Gestohlen werden vor allem Produkte, die sich auf dem Schwarzmarkt leicht verkaufen lassen. Häufig finden Händler ihre Ware in Kiosken oder auf Flohmärkten wieder.
Seit 2010 ist in den Statistiken ein Anstieg dieser organisierten Diebstahlkriminalität zu beobachten, die während der Corona-Pandemie aufgrund der eingeschränkten Reisefreiheit noch rückläufig gewesen war. „Es sind in der Regel aus dem Ausland angereiste Diebesbanden. Meist aus Osteuropa. Georgien, Bulgarien, Weißrussland, Ukraine“, sagt Matthias Dreiucker. Der Detektiv verfolgt kriminelle Banden seit 34 Jahren auf der Fläche, war Zeuge bei rund 6.000 Fällen und betreut heute in Norddeutschland mit einem selbstständigen Sicherheitsdienst verschiedene Lebensmitteleinzelhändler. „Ich habe in 34 Jahren Berufserfahrung erst eine deutsche professionelle Bande erwischt“, so der Ladendetektiv.

Gleicher Modus Operandi
Edeka-Händler Kreuzberg bestätigt: Aktiv seien oft Gruppen aus Osteuropa. Ihm und Dreiucker ist bewusst, dass solche Aussagen heikel sind. Dennoch wollen sie ihre Alltagserfahrungen nicht verschweigen, betonen beide. „Meistens haben sie Späher im Laden und einen, der einpackt. Es wird immer in großen Tedi-, Action- oder Ikea-Tüten verpackt, weil da am meisten Ware reinpasst und diese stabil sind“, erklärt Kreuzberg. Oft verlassen die Täter das Geschäft über Notausgänge. Diese schlagen zwar Alarm, doch bis ein Mitarbeiter reagiert, sind die Diebe längst verschwunden. Die Sorge steigt, da es beinahe täglich mehr und nicht weniger dieser Tathergänge gibt.
Warum reisende Tätergruppen besonders in deutschen Supermärkten aktiv sind, erklärt Horst vom EHI. „Deutschland ist für internationale Täter attraktiv, weil hier kaum Konsequenzen drohen“, so der Fachmann. Zwar stehen auf gewerbsmäßigen Diebstahl theoretisch Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren, aber in der Praxis werden viele Verfahren eingestellt. Die Justiz sei schlicht überlastet und komme mit dem Bearbeiten der Fälle nicht mehr nach. Horst schätzt, dass die Verfahren aus weit mehr als 80 Prozent der Anzeigen ohne jegliche Auflagen eingestellt werden. Meist mit der Begründung „Geringfügigkeit“. Dazu heißt es in der Strafprozessordnung: „Geringfügige Straftaten können – ohne Auflagen – eingestellt werden, wenn das (mögliche) Verschulden des Beschuldigten als gering anzusehen ist und kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht.“
Geringfügig? Nicht für Händler
Der Begriff „Geringfügigkeit“ ist für viele Händler wegen der zunehmenden kriminellen Energie der Täter ein Reizwort. Der Edekaner Bernd Wilger wünscht sich eine konsequentere Strafverfolgung und für die Täter tatsächlich spürbare Sanktionen. „Bei Tempoverstößen wird man ja auch immer bestraft, wenn man erwischt wird. Warum sollte das bei Ladendiebstahl anders sein?“, fragt Detektiv Dreiucker. Ebrecht bringt schon aus Prinzip jeden Diebstahl zur Anzeige. „Es gibt keine Bagatellgrenze. Wenn ein Detektiv jemanden im Visier hat, werden die Personalien aufgenommen und die Polizei gerufen“, berichtet der Händler.
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Die Kosten für Sicherheitsdienste und der bürokratische Aufwand zahlen sich für die Hamburger Edeka-Kaufleute aber nicht aus. In den vergangenen zwei Jahren hat Ebrecht nach seiner Einschätzung vielleicht drei Schreiben von der Staatsanwaltschaft erhalten, in denen von gefassten Tätern die Rede war. Zudem sind die Diebe oft ohne festen Wohnsitz oder in Privatinsolvenz – die Chance auf Schadensersatz ist dementsprechend gering. Selbst bei größeren Fällen sei es frustrierend, wie wenig am Ende unter dem Strich dabei herauskomme.
HDE-Experte Schröder kennt den Frust seiner Klientel. Der Verband tritt vor allem mit drei Kernforderungen an die Politik. Erstens müsse schwerer Diebstahl in Zukunft mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren geahndet werden. Damit wäre die Tat juristisch als Verbrechen definiert, eine Einstellung wie bei einem Vergehen ausgeschlossen. Zweitens fordert der HDE, dass Dieben, die nicht im großen Stil klauen, Sozialstunden aufgebrummt werden können. Drittens soll der Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Videoüberwachung erleichtert werden. Händler möchten diese Technologie „ohne unverhältnismäßige rechtliche Risiken“ nutzen können, wie es in einem Positionspapier des Verbandes heißt. Nach Einschätzung von Schröder hat der Handelsverband damit „große Aufmerksamkeit bei der Politik und dem Richterbund“ erzielen können.
Frank Ebrecht von Edeka Niemerszein hofft auf eine härtere Gangart gegen Diebe, auch aus psychologischen Gründen: „Das würde vielen Menschen helfen, besonders den Mitarbeitern und Unternehmern. Wenn man jeden Tag bestohlen wird, kann das einem wirklich den Spaß am Geschäft verderben.“
Der Rechtsstaat muss handeln, sonst werden Supermärkte zu Hochsicherheitszonen, Verkäufer zu Wachleuten, Kunden zu Verdächtigen. Der Alltag im Handel hat sich verändert – zunächst schleichend, jetzt aber für jeden spürbar.
