Interview mit Landgard-Geschäftsführer „Erst die Basics, dann der Feinschliff“ – so holen Händler mehr aus ihrer Blumenfläche heraus

Im Interview mit der Lebensmittel Praxis erklärt Florian Hinrichs, Geschäftsführer Blumen und Pflanzen bei Landgard, warum Blumenabteilungen echtes Profil schaffen – und wie Händler mit der richtigen Fläche, Sortimentsauswahl und Trends mehr aus ihnen herausholen können.

Donnerstag, 14. August 2025, 07:05 Uhr
Hedda Thielking
Bildquelle: Landgard

Welches Potenzial haben Blumenabteilungen?

Sie haben ein sehr großes Potenzial. Blumen sind im Vergleich zu Obst und Gemüse zwar eine kleinere Warengruppe, aber sie haben eine enorme Wirkung: Sie prägen das Bild des Marktes schon im Eingangsbereich und tragen klar zur Profilbildung bei.

Was raten Sie Neueinsteigern?

Eine Blumenabteilung erfordert eine prominente Fläche mit einer Größe von mindestens zehn Quadratmetern – idealerweise im Entree. Und dann heißt es: Ehrlich zu sich selbst sein. Wie viel Sortimentskompetenz bringe ich mit? Wie viel Zeit und Energie kann und will ich investieren? Wer keine Mitarbeiter für diese Abteilung hat und eine Lösung mit kalkulierbarem Aufwand sucht, sollte in Erwägung ziehen, die Fläche an einen Dienstleister zu übergeben. Der übernimmt dann die Bestückung, Pflege und Sortimentssteuerung.

Wie sollte das Grundsortiment aussehen?

Die Faustregel: Rund 60 bis 70 Prozent des Umsatzes macht der Händler mit Schnittblumen, 30 bis 40 Prozent mit Topfpflanzen. Entsprechend müssen Sortiment und Präsentation ausgerichtet sein. Hier gilt: Erst die Basics, dann der Feinschliff. Die Basis bilden klassische Monosträuße wie Tulpen oder Rosen und gebundene Sträuße in unterschiedlichen Preisklassen. Hinzu kommen saisonale Highlights wie Pfingstrosen und Amaryllis. Saisonalität ist bei Beet- und Balkonpflanzen noch wichtiger als bei Schnittblumen. Wichtig ist, das saisonale Geschäft auf eine stabile Basis zu stellen. Man muss bedenken: Das Sortiment ist ultrafrisch, extrem saisonal und Händler müssen es perfekt inszenieren. Sonst wird es schnell teuer – durch zu hohe Abschriften.

Welche Trends erkennen Sie?

Bei Topfpflanzen geht der Trend zu robusten, pflegeleichten Pflanzen mit langer Haltbarkeit. Die Geranie ist als Beet- und Balkonpflanze heute vor allem bei jüngeren Kunden weniger beliebt, da man Geranien häufig gießen und welke Blüten entfernen muss. Sie wird zunehmend von der Topfpflanze Dipladenie verdrängt. Sie ist hitzeresistent, blüht vom Frühjahr bis in den Spätsommer und braucht kaum Wasser. Die Kunden kaufen außerdem weniger gepflanzte Ampeln, da sie etwas teurer sind. Auch die Nachfrage nach Margeriten geht zurück, denn sie blühen nur kurz.

Was ändert sich bei Schnittblumen?

Da die Zahl der Floristen in Deutschland tendenziell rückläufig ist, übernimmt der Lebensmitteleinzelhandel hier ein Stück weit die Funktion des Fachhandels. Gefragt sind deshalb nicht nur gebundene Sträuße, sondern auch Monosträuße und gemischte Sträuße in unterschiedlichen Preispunkten. Und: Die Saison beginnt früher – Stichwort Wintertulpen. Die ersten Tulpen gibt es bereits im November.

Welche Gebinde sind gefragt?

Wir stellen fest, dass sich die allgemeine Kaufzurückhaltung der Verbraucher auf den Bereich Blumen und Pflanzen auswirkt. Sie suchen günstigere Produkte mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Deshalb laufen kleine Topfpflanzen aufgrund ihres niedrigeren Preises besser als bepflanzte Schalen oder große Solitäre, die eher etwas teurer sind.

Wie wichtig ist eine Bedienung für die Blumenabteilung?

Ob eine eigene Bedienung in einer klassischen Blumenabteilung wirtschaftlich ist, hängt sicher von der zur Verfügung stehenden Fläche und der Umsatzdimension des Marktes ab. Im Hinblick auf den Service und die Differenzierung kann eine Bedienung sinnvoll sein – sofern der Händler engagierte Fachkräfte findet. Sonst bringt eine Blumenabteilung mit Bedienung keinen Mehrwert.

Hier geht's zu den Gewinnern des Wettbewerbs "Beste Blumenabteilung des Jahres 2025".

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