Ladenbau Erfolgreich auf dem Holzweg

Zukunftsforscher rufen das „Holzzeitalter“ aus. Und Klimaforscher Schellnhuber spricht vom „Stoff, aus dem die Zukunft ist“: Holz im Ladenbau liegt im Trend – auch weil es Menschen tief berühren kann.

Dienstag, 28. Mai 2024 - Management
Thomas Klaus
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Bildquelle: Tegut

Zuerst hatte Bernd Oetken Zweifel. Seine Ladenbaufirma und der Architekt hatten ihm vorgeschlagen, beim Neubau des Inkoop-Verbrauchermarktes in Harpstedt im Landkreis Oldenburg intensiv auf Gestaltungselemente aus Holz zu setzen. Doch der Geschäftsführer der norddeut­schen Verbrauchermarktkette konnte anfänglich nicht einschätzen, wie die Kunden wohl reagieren würden. Zwei Jahre nach Eröffnung ist Oetken heilfroh, dass er sich auf die Anregungen der Fachleute eingelassen hat. Die Rückmeldungen der Kunden seien allesamt positiv gewesen, berichtet Bernd Oetken. Das Fazit: „Bei künftigen Um- und Neubauten soll Holz auf jeden Fall eine große Rolle spielen.“

Mit der Pro-Holz-Entscheidung setzt das Unternehmen Inkoop auf eine Entwicklung im Ladenbau, die das EHI Retail Institute sogar als „Megatrend im Einzelhandel“ bezeichnet. Holz schafft aus Sicht des EHI zusammen mit weicher und warmer Farbge­bung eine gemütliche Atmosphäre. Demgegenüber erzeugt es in Kombination mit Metallteilen, Beton und Gittern ein „rohes“, technisches Design. Die Vielfalt sei also gegeben, ebenso wie eine „Symbolkraft“ im Sinne von „Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit“.

Christine Scharrenbroch, Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, bestätigt im LP-Gespräch die Popularität von Holz im Ladenbau. Das lasse sich auch am Umsatz der Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln ablesen, der 2023 um 3,3 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro angestiegen sei.

Trifft den Zeitgeist
Das vom EHI Retail Institute erwähnte Signal für Ökologie und Nachhaltigkeit ist ein besonderes Argument, das anscheinend gut zum heutigen Zeitgeist passt. Das meint man auch beim Zukunftsinstitut mit Sitz in Frankfurt. Die dort tätigen Forscher haben im April das „Holzzeitalter“ ausgerufen, bescheinigen „dem Baumaterial der Stunde eine große Zukunft“. Von dem konkreten baulichen Nutzen abgesehen, verweist das Zukunftsinstitut auf die psychologische und emotionale Bedeutung.

Holz kann trösten und beruhigen
Holz sei eine „visuelle Verbindung zur Natur“ und „eine Art Ausgleich zu unserem digitalen Leben“. Aufmerksam gemacht wird auf die wachsende Anziehung der Wälder: Dem „Waldbaden“ und einer „freundschaftlichen“ Beziehung zu Bäumen werden inzwischen von der Medizin und Psychologie therapeutische Funktionen zugeschrieben. Holz kann demnach trösten, beruhigen, mental unterstützen – auch das eine mögliche Erklärung für die positive Haltung vieler Kunden zu Holz im Ladenbau.

Beim Deutschen Holzwirtschaftsrat (DHWR) sind keine Zukunftsforscher, sondern Praktiker aus 15 Verbänden der Holzwirtschaft aktiv. Entspre­chend „unphilosophisch“ ordnen sie den Stellenwert von Holz ein. So bewerten sie dessen Ökobilanz als „hervorragend“. DHWR-Präsident Erwin Taglieber stellt fest: „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und auch ein wirksamer Partner im Klimaschutz. Bäume im Wald sind Kohlenstoffspeicher, und das im Holz gebundene CO2 bleibt bei Verwendung in Produkten über lange Zeiträume erhalten.“ Unter dem Motto „Holz rettet Klima“ hat der DHWR im November 2023 eine Kampagne für verstärkte Holznutzung gestartet. Klimawissenschaftler Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber begrüßt die Kampagne. Er bezeichnet Holz auch mit Blick auf den gewerblichen Bereich und den Handel als „Stoff, aus dem die Zukunft ist“.