Energiesparen „Kleinvieh macht auch Mist“

Manche Märkte leisten regelrecht Detektivarbeit, um auch kleine „Energiefresser“ zu finden. Lebensmittel Praxis hat sich bei Händlern umgehört, welche Maßnahmen sie umsetzen.

Dienstag, 28. Mai 2024 - Management
Hedda Thielking
Artikelbild „Kleinvieh macht auch Mist“
Bildquelle: Getty Images

Zweifellos sind moderne, energiesparende Geräte und Technologien eine wichtige Voraussetzung, den Energie­verbrauch im Markt möglichst gering zu halten. Doch das ist nicht alles. Es kommt auch auf ein umsichtiges Verhalten des ganzen Personals an. „Manche Mitarbeiter laufen gedankenlos durch den Markt, nach dem Motto ,Ist ja nicht mein Strom‘. Ich sehe es als meine Aufgabe an, mein Team für ­dieses Thema zu sensibilisieren“, berichtet Elmar Engel, Inhaber von 
Rewe Familie Engel. So macht er sie nicht nur auf „Basics“ aufmerksam, wie das Licht beim Verlassen der Räume auszuschalten, sondern gibt auch spezifische Tipps. Die Papierpresse wird zum Beispiel erst dann eingeschaltet, wenn sie gefüllt ist.

Bei der Rewe Südwest informiert ein Energiefachberater die Marktmanager darüber, welchen Beitrag die einzelnen Märkte zum Energiesparen leisten können. Es sei zum Beispiel wichtig, die Glastüren von Kühl- und Gefriergeräten richtig zu schließen, wenn der Kunde sie auch nur einen Spalt offen gelassen hat. „In unserer Mopro-Abteilung kommt das nicht oft vor, hier schließen die Türen automatisch. In der Tiefkühlabteilung passiert das häufiger“, berichtet eine Marktleiterin bei der Rewe Südwest.

Nachtbegehung im Markt
Andreas Justen, Leiter Haustechnik Globus in Wittlich, macht mindestens einmal im Jahr eine Nachtbegehung und hat dabei schon einige „heimliche Stromfresser“ entdeckt. Er erklärt: „Nachdem jeden Abend die Alarmanlage scharf geschaltet wird, werden alle Steckdosen automatisch abgeschaltet, die nicht ,aktiv‘ sein müssen. Während der Nachtbegehung schauen wir dann nach, welche Geräte trotzdem noch laufen oder welche Lichtquellen noch brennen. Wir finden oft etwas“, schmunzelt Andreas Justen. So waren nachts schon mal die Lüfter in der Elektroabteilung eingeschaltet. Die müssen nicht rund um die Uhr laufen. Das Gleiche gilt für den Getränke-Kühlschrank. „Es genügt, wenn man ihn abends ausschaltet und morgens um fünf Uhr wieder einschaltet“, empfiehlt Andreas Justen.

Was auch häufig vorkommt: Wenn Mitarbeiter abends eine Kühltruhe ausräumen, vergessen sie, die Truhe auszustellen. Sie läuft dann unnütz 
24 Stunden durch. Auch darauf sollten die Mitarbeiter aufmerksam gemacht werden.

Strom-Unterzähler im Blick
Des Weiteren wertet Andreas Justen jeden Monat die Stromzähler­stände aller Unterzähler aus. Das sind 28 Stück, zum Beispiel für die Bäckerei oder die Beleuchtung. Diese Daten vergleicht er mit denen aus dem Vorjahresmonat. „Daran können wir ablesen, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind“, erläutert er.

Hinzu kommen viele kleine Dinge, auf die Mitarbeiter im Tagesgeschäft achten sollten: Einen Hähnchengrill stellt man besser aus, wenn sich darin kein Grillgut befindet. Und ein Getränke-Kühlschrank muss nicht zwingend bei 4 Grad Celsius betrieben werden. Hier genügen auch 10 Grad.

Energiespar-Team gründen
Die Lüning-Gruppe hat mit Beginn der Energiekrise ein Energiespar-Team gegründet, das sich in Sachen Energiemanagement laufend fortbildet. Jannis Flaskamp, Projekt­leitung Energiesparen, gibt folgende Tipps: An den Ventilatoren der steckerfertigen Kühlgeräte sammelt sich mit der Zeit sehr viel Staub. Unternimmt man nichts, benötigt das Gerät auf Dauer immer mehr Energie. Um das zu verhindern, sollte man den Ventilator mindestens zweimal im Jahr mit einem Kompressor oder einem Staubsauger reinigen. „Dadurch lassen sich vier bis acht Prozent des Energieverbrauchs dieses Kühlgerätes einsparen“, weiß Jannis Flaskamp.
Des Weiteren wird die Beleuchtung in Randstunden, also vor Ladenöffnung und nach Ladenschließung, auf ein Drittel reduziert und die Klimaanlagen im Sommer deutlich später als bisher eingeschaltet.

Maßnahmen bildlich zeigen
Wichtig sei es auch, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, wie effektiv solche kleineren Maßnahmen sind. „Viele Mitarbeiter können sich nicht vorstellen, ob eine Energieersparnis von 100 Kilowattstunden viel oder wenig ist. Rechnet man ihnen aber vor, wie viel Geld sich damit sparen lässt oder wie viele Einfamilienhäuser durch die Einsparung betrieben werden könnten, können sie die Bedeutung der Maßnahme besser einschätzen und noch verstärkter darauf achten“, so die Erfahrung von Jannis Flaskamp.