Personal WIR DUZEN UNS

Die Duz-Kultur in der Kommunikation und in Unternehmen selbst gilt als offen und modern. Bei Kaufland, Lidl und AB Inbev duzt man sich. Bei Aldi wird der Kunde zum Kumpel. Eine gute Idee, oder?

Freitag, 21. Oktober 2022 - Management
Elena Kuss
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Bildquelle: Aldi Süd

Es wird geduzt in deutschen Unternehmen! Und das immer häufiger. Die Schwarz-Gruppe machte 2016 Schluss mit dem formalen Siezen. Weitere Händler folgten. In einem modernen, internationalen Konzern störe das urdeutsche „Sie“ einfach nur, begründete Kaufland den Schritt. Unter jüngeren Menschen ist die Bereitschaft enorm gewachsen, gleichaltrige und jüngere, aber auch ältere und fremde Menschen spontan zu duzen. Das liege an der breiten Nutzung der sozialen Medien, der zunehmenden Internationalisierung des beruflichen Alltags, den amerikanisierten Umgangsformen und der Allgegenwart der englischen Sprache, die nur das „you“ kenne. So erklärt Christine Demmer, die als Jobcoach für die Süddeutsche Zeitung Leserfragen beantwortet, die Du-Kultur in Unternehmen.

Wenn man in den USA, England und Skandinavien unterwegs ist, wird ohnehin jeder Manager immer nur mit dem Vornamen angesprochen, heißt es oft. Schon richtig, gleichzeitig gibt es jedoch feine Unterschiede bei der Verwendung des „you“ im Freundeskreis und gegenüber einem im Job oder in der Gesellschaft Höhergestellten. Der Kontext liefert Anhaltspunkte dafür, ob eher „du“ oder eher „Sie“ gemeint ist. Je förmlicher die Beziehung zu einem Gesprächspartner ist, desto höflicher und zuvorkommender wird kommuniziert – mit oder ohne die respektvolle Anrede „Sir“ oder „Madam“.

Bei Kaufland ist man jedenfalls froh, dass nicht mehr gesiezt wird. „Das unterstützt den offenen Austausch sowie die Kommunikation auf Augenhöhe und vereinfacht die tägliche Zusammenarbeit“, heißt es auf LP-Anfrage. Tanja Eggers, Beraterin und Autorin des Buchs „Perspektive Patchwork“, war selbst über 20 Jahre bei Kaufland tätig. Im Podcast „Regalplatz“ der Lebensmittel Praxis erzählt die ehemalige Kaufland-Prokuristin, dass sie den Kulturwandel in der Schwarz-Gruppe als positiv empfunden hat und auch heute ihren Studenten das Du anbietet. Auch AB-Inbev-Brauereidirektorin Maria Degener glaubt an flache Hierarchien und an Beförderung aufgrund von Leistung. Im Unternehmen wird deshalb geduzt. Denn es soll klar sein, dass jeder Feedback und Kritik geben darf und soll.

Du zum Kunden
Auch in der Kundenkommunikation setzen immer mehr Händler aufs Du. Aldi buhlt seit 2020 mit der kumpelhaften Ansprache vor allem um die Gunst jüngerer Zielgruppen. In Handzetteln, Plakatwerbung und auch auf der Aldi-Süd-Website, in der Kunden-App und in den Social-Media-Kanälen wird geduzt.

Beraterin Tanja Eggers empfiehlt: „Fragen wir doch einfach unsere Kunden, wie sie angesprochen werden wollen.“ Auch wenn natürlich nur eine Stichprobe möglich ist, wenn es um die Kommunikation geht, kristallisiere sich doch oft eine vorherrschende Meinung heraus. Stephan Grünewald, Managing Partner beim Rheingold-Institut, widerspricht. Das Duzen oder Siezen solle man nicht von einem Mehrheitsvotum der Kunden abhängig machen, findet der Forscher. Er empfiehlt die Entscheidung auf Basis der Unternehmenswerte zu fällen.

Aldi sieht die Frage für sich als beantwortet an: „Unsere Kunden begrüßen in der Regel die lockerere Form der Anrede. Insbesondere bei der Ansprache der jungen Zielgruppe ist das Du mittlerweile die gängige Form und wird von den Kunden auch so erwartet. Natürlich verstehen wir auch, dass nicht alle Kunden geduzt werden möchten“, heißt es bei Aldi Süd auf LP-Nachfrage.