Interview Neumann - BBB&R Neue Bündnisse bei Bünting

Auch wenn die Volumen-Logik weiter ihre Berechtigung hat, verlässt Bünting die BBB&R. Warum und welche Zukunftspläne das Traditionshaus mit Sitz in Leer hat, erklärt Vorstands-Vorsitzender Manfred Neumann im LP-Interview.

Montag, 12. Juli 2010 - Management
Markus Oess
Artikelbild Neue Bündnisse bei Bünting

Inhaltsübersicht

Die Konsumlaune sinkt, die wirtschaftlichen Aussichten sehen nicht allzu rosig aus, was machen Ihre Kunden?

die aktuelle Krise ist nicht die erste, die unsere Branche beutelt. Die Frage ist eher, ob man sich davon treiben lässt. Wir planen generell mit mehreren Handlungsoptionen, die verschiedene Szenarien abdecken. Ich denke aber, dass wir dieses Jahr ein Umsatzplus von rund 5 Prozent erreichen. Das ist ganz ordentlich.

Wo sind die Expansionsschwerpunkte von Bünting in diesem Jahr?

Gut die Hälfte unserer diesjährigen Investitionen in Höhe rund 50 Millionen Euro fließt in die Optimierung des Bestandsnetzes – sei es durch Erweiterungen, durch neue Elemente oder Renovierungen. Bezüglich neuer Standorte konzentrieren wir uns sowohl auf die Verdichtung in unserem Kerngebiet, als auch auf die Ausweitung in den Randgebieten.

Wie sehen die Märkte der Zukunft aus, wird die Großfläche in ihrer heutigen Form überleben?

Der Famila XXL-Markt im Famila-Einkaufsland in Oldenburg wird mit 11.000 qm Verkaufsfläche die Ausnahme bleiben. Das ist eine Lösung genau für diesen einen Standort. Aber es wird auch weiterhin einen Markt für SB-Warenhäuser geben, mit regionaler Ausstrahlung und Flächen von bis zu 5.000 qm.

Sie suchen in den Niederlanden nach Standorten, wie weit sind denn diese Pläne gediehen?

Die Niederlande kennen den Vertriebstyp Großfläche konzeptionell bisher nicht. Es bahnen sich aber konkrete Projekte an. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren die ersten Standorte am Netz haben werden.

Waren Sie eigentlich überrascht, als seinerzeit Kaufland Lupus gekauft hat?

Ja, das hat uns schon überrascht.

Sehen Sie die Gefahr weiterer solcher Überraschungen in Verbindung mit Famila oder anderen Partnern innerhalb der Markant?

Die Erfahrung zeigt, dass fast alles möglich ist. Einen Verkauf bei Bünting kann ich allerdings ausschließen.

Die Kooperation mit Trinkgut dürfte sich doch auch erledigt haben, oder?

Wir gehen heute davon aus, dass der Verkauf an Edeka Rhein-Ruhr durch das Kartellamt nicht untersagt wird. Mit Trinkgut verbindet uns ein sehr partnerschaftliches Verhältnis, aber wir werden immer neue Wege finden, mit aktuellen Herausforderungen zurecht zu kommen. Und wir haben auch schon neue Pläne.

Welche, wollen Sie nicht sagen?

Nein, das wäre zu früh.

Wo bestehen für Bünting noch Möglichkeiten, langfristig in Deutschland zuzulegen?

Wir haben noch ausreichend Spielräume für Wachstum. Wenn wir unser Kerngebiet anständig entwickeln und unsere Randgebiete ordnen, haben wir Arbeit genug. Wir haben nicht den Anspruch, quantitativer Marktführer zu werden. Aber wir wollen immer die Besten sein! Neben dem stationären Geschäft werden wir auch unsere E-Commerce-Tätigkeiten strategisch ausbauen. Mit der J. Bünting Coloniale testen wir ein Konzept, dass die Unternehmenstradition mit unserer heutigen Kompetenz verknüpft. In den bislang drei Filialen in Oldenburg, Leer und im ECE-Center in Essen werden sehr hochwertige Produkte ‚rund um den gedeckten Tisch’ in nostalgischem Ambiente angeboten. Ein Geschäftskonzept, das wir ebenfalls ausbauen wollen.