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Interview mit Hans-Richard Schneeweiß „Man muss auch mal ins Risiko gehen.“ - Interview mit Hans-Richard Schneeweiß: Teil 2

Reiner Mihr | 06. Juli 2018
Interview mit Hans-Richard Schneeweiß: „Man muss auch mal ins Risiko gehen.“

Bildquelle: Peter Eilers

„Die kleinste Edeka der Welt“: So nennt Geschäftsleiter Hans-Richard Schneeweiß gerne mit kalkuliertem Understatement die Edeka Hessenring. Denn die Genossen in Hessen und angrenzenden Gebieten haben in ihrem Absatzgebiet einen guten Stand. Warum bloß?

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Und?
Ein dunkles Szenario: Wir Händler sind nur noch Grundernährungs-tankstelle, alles ist SB, zum Selberzapfen und -abfüllen inklusive 3-D-Drucker und Aroma-Mixer… Nein, so wird es nicht kommen, es wird auch keine Revolution, sondern eine Evolution werden.

Aber in der ländlichen Region, in der sich Hessenring meist bewegt, ist der Online-Kauf doch eine denkbare Alternative: neue Konkurrenz für Sie?
Nein. Die Online-Anbieter sind immer noch keine Konkurrenz, weil die letzte Meile einfach zu teuer ist und deshalb nicht bedient wird. Die Versorgungsdichte in Deutschland liegt bei 395 qm Verkaufsfläche pro 1000 Einwohner, in den USA deutlich unter 200 qm, in England um die 200. Dazu unsere Öffnungszeiten, Macys in New York öffnet von 11 bis 19 Uhr. Und nicht zuletzt das Preis-Leistungsverhältnis des deutschen Handels. Also: Ich sehe die Online-Konkurrenz noch recht gelassen.

Wie sehen Sie Kleinflächen-Konzepte à la Teguts „Lädchen“? Ist das ein Konzept für die ländliche Region?
Das steht und fällt mit dem ehrenamtlichen Engagement. Kann funktionieren. Wir sehen für uns Kleinflächen nur an Hochfrequenzstandorten und da gibt es in unserer Region nicht all zu viele.

Aber den Trend zur Regionalität spüren Sie doch ebenfalls. Nutzen Sie das auch?
Regionalität schlägt Bio. Es ist verrückt. Die Menschen glauben, dass Produkte aus der Region besser sind und dass Transportkosten gespart werden. Natürlich wollen einige auch regionale Erzeuger unterstützen. Transportkosten werden bei den derzeitigen Kosten für Seefracht, Lkw-Grob- und Kleinverteilung jedenfalls keine gespart und das andere ist auch nicht bewiesen. Der ökologische Fußabdruck für Produkte aus der Region ist jedenfalls nicht viel besser als für solche aus Übersee. Aber: Regionalität ist ein Pluspunkt, der für Image und Vertrauen sorgt. Ein Umsatzgarant ist es nicht.

Ein wenig kommt es drauf an, welche Sortimente man anspricht. Bei Obst und Gemüse ist es klar, bei Fleisch geht es nicht flächendeckend. Dann noch einige Ergänzungsbereiche, die lokale Brauerei vielleicht, aber dann ist Schluss. Ich glaube, dass die Größenordnung des Sortimentsumfangs endlich ist.

Was halten Sie von Start-ups?
Ein großes Thema, läuft erstaunlich gut. Diese Innovationskraft ist wichtig für uns. Stellen Sie sich vor: 50 Prozent der Produkte bei uns, gab es vor 10 Jahren noch nicht. Da muss man nur mal ins Müsli-Riegel-Regal schauen …