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Brexit Vorsichtig optimistisch - Vorsichtig optimistisch: Teil 2

Boris Planer | 11. August 2017
Brexit: Vorsichtig optimistisch

Bildquelle: Planet Retail

Mehr als ein Jahr nach dem Brexit-Referendum ist auf britischer Seite keine klare Austrittsstrategie erkennbar. Dass die geschwächte Premierministerin nun auf pragmatische Kompromisse angewiesen sein dürfte, gibt aber Grund zu vorsichtigem Optimismus.

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Die mehrfach geäußerte Meinung, kein Handelsdeal mit der EU sei besser als ein schlechter Handelsdeal, war ein weiteres eskalatives Signal in Richtung Brüssel, wo sich die Stimmung gegenüber London seit Januar spürbar abgekühlt hatte. Die Ankündigung, ein potenzieller Verlust des freien Marktzugangs zur EU könne durch bilaterale Handelsabkommen mit anderen Teilen der Welt zügig ausgeglichen werden, gilt derweil in Fachkreisen als realitätsfern.

Die britische Wirtschaft war und ist angesichts solcher Pläne besorgt, und gleiches gilt für europäische Unternehmen, die einen substanziellen Anteil ihrer Exporte ins Vereinigte Königreich verschiffen. Nicht zuletzt in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelindustrie wären zahlreiche Unternehmen betroffen, denn knapp 40 Prozent der in Großbritannien konsumierten Lebensmittel sind importiert.

Hoffnung auf pragmatische Lösungen
In den ersten Monaten nach dem Brexit-Referendum blieb die Stimmung bei den Verbrauchern, im Handel und bei den Lieferanten des Handels zunächst relativ gelassen: Der Brexit lag in weiter Ferne, unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft waren nicht zu spüren und überhaupt sollte noch viel Wasser den Bach hinunterfließen, bis die ersten echten Entscheidungen fallen würden.

Die Ankündigungen der Premierministerin im Herbst 2016, einen harten Brexit umsetzen zu wollen, erhöhten die Nervosität zu einer Zeit, als die Verbraucherpreise allmählich anzuziehen und die ersten in London ansässigen Banken laut über Jobverlagerungen nach Kontinentaleuropa nachzudenken begannen.

Jetzt, im Sommer 2017, wird die Lage allmählich ernst. Die Verbraucherstimmung ist angeschlagen, die realen Einkommen sinken (besonders in den einkommensschwachen Schichten), der Aufwärtsdruck des schwachen Pfundes auf die Verbraucherpreise bleibt hoch. Das Vertrauen in die politische Führung des Landes ist beschädigt.

In dieser Lage gilt es nun, potenzielle Brexit-Schäden für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals zu vermeiden. Ein Beispiel, das gerade viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind die Risiken für die Fischerei der EU und Großbritanniens. Hier sollten die Rechte, in bisher gemeinsam genutzten Gewässern zu fischen, deutlich eingeschränkt werden. Und die Wiedereinführung von Zöllen kann bei einer Lebensmittel-Importquote von knapp 40 Prozent in Zeiten sich ausbreitender Verbrauchersorgen in Großbritannien niemand wollen.

Kurz Notiert

Aldi UK will weiter expandieren
Insgesamt 1.000 Filialen bis 2022: Das ist das Ziel von Aldi in Großbritannien. Dafür ist der Discounter bereits auf der Suche nach rund 4.000 neuen Mitarbeitern. Matthew Barnes, Aldi- Chef für Großbritannien und Irland, sieht keinen Grund, die Wachstumspläne wegen des Brexits zu verändern. „Wir wollen weiterhin mehr neue Kunden anziehen als jeder andere britische Supermarkt“, sagte Barnes gegenüber der LP. Nach Unternehmensangaben kamen mehr als 900.000 neue Kunden in die aktuell rund 700 Märkte auf der Insel. Mit 6,2 Prozent Marktanteil ist Aldi laut Kantar Worldpanel derzeit der fünftgrößte Lebensmittelhändler in Großbritannien.

Klarheit muss her
Mehr Klarheit in den Brexit- Prozess, fordert Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) in Berlin. Ungewissheit hemme die Wirtschaftsaktivitäten und schade sowohl der EU als auch Großbritannien.

Whisky – quo vadis?
Whisky ist ein britischer Exportschlager schlechthin: Etwa 90 Prozent der schottischen Whisky- Produktion geht ins Ausland und davon wiederum ein Drittel in die EU. Zweitwichtigster Absatzmarkt sind die USA. Dabei ist nicht der Export in die EU das große Problem. Durch den Brexit drohen nämlich auch Zölle für Ausfuhren in andere Länder wie Südafrika, Südkorea oder Peru, mit denen die EU Freihandelsabkommen hat.