Warenverkaufskunde Kaugummi

Zahnpflege und frischer Atem sind die wichtigsten Argumente für Kaugummi. Wissenswertes zu Produktion und Platzierung am PoS.

Freitag, 30. Januar 2015 - Warenkunden
Heidrun Mittler
Artikelbild Kaugummi
Bildquelle: Shutterstock

Inhaltsübersicht

Es gibt viele Gründe, warum Menschen Kaugummi kauen. Frischer Atem ist sicherlich ein besonders wichtiges Argument, Minz- und Menthol-Kaugummis geben den Verbrauchern ein sicheres Mundgefühl. Ebenso relevant ist der Faktor Zahngesundheit: Zuckerfreie Kaugummis werden als Ergänzung zur täglichen Zahnpflege empfohlen. Manche nutzen Kaugummi, wenn sie nervös sind, um Spannungen abzubauen, andere, weil sie sonst einen trockenen Mund haben. Nicht vergessen aber sollte man diejenigen, denen das Kauen einfach Spaß macht. Während Kaugummi noch vor 20, 30 Jahren bei uns hauptsächlich als Kinderprodukt angesehen wurde, hat er längst die Welt der Erwachsenen erobert. Statistisch betrachtet, verzehrt jeder Bundesbürger im Schnitt 100 Kaugummis pro Jahr – wobei verzehren es nicht genau trifft, denn die Gummimasse wird nach dem Genuss (hoffentlich!) in ein Papier gewickelt und über den Müll entsorgt.

Interessant ist die Erklärung, warum zuckerfreier Kaugummi die Zahngesundheit unterstützen kann. Entscheidend ist dabei die Zahnpflege nach jeder Mahlzeit. Doch im Alltag ist es schwierig, sich nach jedem Essen die Zähne zu putzen. Zuckerfreier Kaugummi regt die Speichelbildung an und puffert so aggressive Säuren ab, die entstehen, wenn bestimmte Bakterien in der Mundhöhle Zucker und Stärke abbauen. Die Säure greift ansonsten den Zahnschmelz an und entzieht ihm Mineralstoffe, was die Bildung von Karies begünstigt. Regelmäßiges Putzen und Kauen können also helfen, die Zähne gesund zu halten.

Das Kauen von Kaugummi ist keine neue Entwicklung, schon in der Antike schätzte man ihn in Form von eingedicktem Harz und Latex oder süßen Gräsern und Körnern. Der moderne Kaugummi entstand um 1860 in den USA, nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich auch in Deutschland durch.

Wie schafft es das Produkt, lange seinen Geschmack zu behalten? Dazu sollte man einen Blick auf die Herstellung werfen. Kaugummi wird aus fünf Hauptbestandteilen gefertigt: Kaugummibase, Zucker, Maissirup, Aromastoffe sowie Zusätze, die die Kaumasse weich und geschmeidig machen. Beim zuckerfreien Kaugummi ersetzen Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe den Zucker oder Maissirup. Die zuckerfreien und gleichzeitig zahnschonenden Varianten machen heute den weitaus größten Teil aller angebotenen Kaugummis in Deutschland aus (siehe Kasten auf dieser Seite).

Die Base ist der eigentliche „Gummi”, auf dem man kaut. Die natürliche Kaumasse besteht aus Harzen, Kautschuk und Milchsaft bestimmter Bäume, die vorwiegend in Südamerika, Indonesien und Malaysia wachsen. So gewinnt man in Südamerika beispielsweise aus dem Saft des Sapotillbaumes das „Chicle”, eine altbewährte Grundlage für Kaugummi. Heute wird dieser Grundstoff allerdings nur noch selten eingesetzt, die Masse besteht aus gummiartigem, synthetischen Kautschuk und naturidentischen Harzen (die Chemiker sprechen von „lebensmittelechten Polymeren“).

Der eingedickte Saft wird in festen Blöcken zur Weiterverarbeitung zu den Herstellern geschickt. Dort werden natürliche und künstliche Rohstoffe kombiniert, um Kaugummi den bestmöglichen Biss zu verleihen. Glyzerin und andere Produkte pflanzlichen Ursprungs erleichtern das Vermischen der Zutaten, außerdem bleibt er so weich und elastisch.

Für das gewünschte Aroma sorgen natürliche und naturidentische Aromastoffe, wobei oft ein Minz-Geschmack im Vordergrund steht. Nach der Ernte der Pfefferminze werden die Pflanzen destilliert, dabei wird Minzöl gewonnen, das einen erfrischenden Geschmack liefert. Verschiedenste Aromen hingegen sorgen für unterschiedliche Noten, wie Erdbeere, Heidelbeere, Papaya, Johannisbeere, Melone, Apfel oder Zimt. Nicht zuletzt können Farbstoffe eingesetzt werden, wie immer abhängig vom Produkt.

Die wesentlichen Produktionsschritte: Alle Kaugummi-Zutaten werden bei der Anlieferung einer Qualitätskontrolle unterzogen. Die eigentliche Produktion beginnt mit dem Zerkleinern und Mahlen des jeweiligen Basis-Materials.. Dann wird die Base geschmolzen und in Zentrifugen und Filtrieranlagen gereinigt. In flüssiger Form gelangt die Masse anschließend in Mischtrommeln, wo je nach Rezept die anderen Zutaten in genau berechneter Menge hinzugefügt und gemixt werden. Das Ergebnis gleicht einem Brotteig. Dieser Teig läuft durch Maschinen und Rollen, die ihn immer dünner auswalzen. Zuletzt wird das in einzelne Portionen oder Streifen geschnitten, teilweise beschichtet, und gelangt dann in einen Klimaraum, wo es bei exakt gesteuerter Temperatur und Luftfeuchtigkeit gehärtet wird.

Nach Durchlaufen von automatisierten Verpackungsbändern erreicht der Kaugummi dann die Endinspektion. Die maßgeschneiderte Verpackung spielt für die Qualitätssicherung eine entscheidende Rolle: Sie garantiert, dass der Kaugummi weich und aromatisch bleibt und seinen Bestimmungsort unbeschadet erreicht.

Je nach Zielgruppe wird Kaugummi in unterschiedlichen Darreichungsformen und Verpackungen angeboten: Zu den Klassikern zählen einzeln verpackte Streifen in der Größe zwei mal sieben Zentimeter. Gleichermaßen beliebt sind heute kleinere Streifen, ebenfalls einzeln verpackt, Kissen oder Dragees. Sie werden entweder in kleine Riegelformen oder als Päckchen verpackt, oder aber in Dosen, die häufig im Auto oder am Schreibtisch für Vorrat sorgen. Die Zielgruppe Kinder wird insbesondere von bunten Stücken, langen Streifen (Tapes) oder Kugeln, teilweise mit Überzug, angesprochen. Manche davon eignen sich bestens dazu, Blasen zu machen – ein Spaß, nicht nur für Kinder.

Im Lebensmittelhandel gehören Einzelpackungen zu den typischen Impulsartikeln. Damit sind Produkte gemeint, die der Kunde nicht unbedingt auf der Einkaufsliste hat, sondern spontan kauft, wenn sein Blick auf sie fällt. Diese Einzelpackungen zählen zu den Schnelldrehern an den Kassen. Selbstverständlich gibt es auch geplante Vorratskäufe am Regal, wo gezielt Großpackungen (Multipacks) gesucht werden. Deshalb ist es sinnvoll, Kaugummi doppelt zu platzieren, im Süßwarenregal und in der Kassenzone. Studien zum Kaufverhalten haben ergeben, dass sich beide Platzierungen nicht kannibalisieren, sondern sinnvoll ergänzen.

Gerade die Kassenzone – die alle Kunden automatisch passieren müssen – profitiert von der Ertragsstärke des Kaugummi-Sortiments. Hier ist es wichtig, dass die Ware tatsächlich immer verfügbar ist. Out-of-Stock-Situationen (also Lücken in der Platzierung) führen zu merklichen Umsatzeinbußen. Deshalb lautet der wichtigste Ratschlag im Umgang mit Kaugummi: Regalpflege betreiben, ganz gleich, ob im Regal oder an der Kasse! Wie auch bei anderen Sortimenten können Promotions helfen, den Absatz anzukurbeln. Dazu stellen die Anbieter häufig Displays zur Verfügung.


Süß ohne Zucker

Mehr als 90 Prozent aller in Deutschland angebotenen Kaugummis sind zuckerfrei. Welche alternativen Süßungsmittel zum Einsatz kommen, steht auf der jeweiligen Packung. Diese haben eine viel höhere Süßkraft als Zucker, zugleich einen niedrigeren Brennwert – man spart also Kalorien. Außerdem wirken sie nicht kariesfördernd, haben stattdessen einen positiven Einfluss auf die Zahngesundheit. Zum Einsatz kommen Süßstoffe (wie zum Beispiel Aspartam) und Zuckeraustauschstoffe, wie Xylit oder Maltit.

Auf manchen Produkten, die mit Aspartam gesüßt werden (darunter Kaugummi), steht der Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“. Das hat folgenden Hintergrund:

Aspartam ist ein Süßstoff, der etwa 200-mal süßer als Zucker ist. Bei der Verdauung wird er unter anderem in L-Phenylalanin aufgespalten, eine lebensnotwendige Aminosäure. Sie kommt in der Muttermilch und vielen natürlichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Getreide und Gemüse vor. Bei der Phenylketonurie – einer seltenen Erbkrankheit – wird verhindert, dass der Baustein Phenylalanin normal abgebaut und verstoffwechselt werden kann. Der Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“ ist also eine wichtige Information für die sehr kleine Bevölkerungsgruppe, die an dieser angeborenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie (abgekürzt PKU) leidet. Für alle anderen Verbraucher hat dieser Hinweis keine Bedeutung.

Zuckeraustauschstoffe sind süß schmeckende Kohlenhydrate, die einen geringeren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben als Haushaltszucker, da sie insulinunabhängig verstoffwechselt werden. Daher werden sie zum Beispiel in der Diabetikerernährung verwendet, zudem in Kaugummis oder Zahnpasta eingesetzt. In der EU sind einige Zuckeraustauschstoffe zugelassen, die chemisch betrachtet zu den Zuckeralkoholen gehören. Das hat aber nichts mit dem Alkohol zu tun, den alkoholische Getränke enthalten (dabei handelt es sich stattdessen um Ethylalkohol; chemisch: Ethanol).

Zuckeraustauschstoffe wie Isomalt, Sorbit, Mannit, Maltit oder Xylit werden meist aus Früchten und Gemüse gewonnen. Aus gesundheitlicher Sicht sind sie unbedenklich. Zuckeralkohole können jedoch in größeren Mengen (mehr als 20 bis 30 g pro Tag) abführend wirken, weil sie im Darmtrakt nur langsam resorbiert werden, dort Wasser binden und so den Stuhl verflüssigen.

Wissenscheck

Wer diese Warenverkaufskunde aufmerksam gelesen hat, kann folgende Fragen leicht beantworten.

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie, Bonn, und der Wrigley GmbH, Unterhaching, für den fachlichen Rat.

Bilderklärung

1. Zahnpflege steht bei diesem Streifen im Vordergrund, das zeigen die blauen Mikrogranulate.
2. u. 3. Geballte Ladung: Die kompakten Streifen entlassen beim Kauen Fruchtaroma.
4. Kissen: Praktische Einzelportion mit Überzug, häufig in größeren Stückzahlen in Dosen verpackt.
5. Brocken: Auf Englisch auch Chunk genannt, weiche Konsistenz, meist beliebt bei Kindern.
6. Dragee: Kleine Form, oft mit Minz- oder Mentholgeschmack.
7. Kugel/Drops: Mit buntem Überzug, in verschiedenen Geschmacks-richtungen erhältlich.
8. u. 9. Klassiker: Streifen mit den Maßen zwei mal sieben Zentimeter.