Länderküche Asien Um K-Food ist ein Hype entbrannt – davon lässt sich profitieren

Hintergrund

Von Kimchi bis Corn Dogs – koreanische Küche boomt. Was auf Tiktok und Youtube Millionen begeistert, sorgt längst für Nachfrage im Supermarkt. Für Handel und Hersteller ergeben sich daraus neue Chancen.

Montag, 27. Oktober 2025, 07:40 Uhr
Theresa Kalmer
Von Squid-Game-Süßigkeiten bis zu außergewöhnlichem Streetfood: K-Food erobert die Feeds auf Social-Media-Plattformen wie Tiktok. Bildquelle: Screenshot Tiktok

Knoblauchduft liegt in der Luft, während sich auf der Korea-Tour der Anuga eine Gruppe Messebesucher um einen Stand mit frisch zubereitetem Korean Fried Chicken drängt. Gleich nebenan serviert ein Koch dampfende Tteokbokki, auf großen Bildschirmen laufen koreanische Videos. Wer Anfang Oktober durch die Hallen der internationalen Lebensmittelmesse lief, stieß unweigerlich auf Korea: Mehr als 100 Aussteller präsentierten die Vielfalt der koreanischen Küche – von traditionellen Klassikern bis zu modernen Streetfood-Varianten. Für die Koelnmesse war die Wahl des Partnerlandes daher naheliegend, denn kaum eine andere Küche boomt derzeit so stark.

Tiktok schreibt den Speiseplan

Die eigentliche Bühne für den Siegeszug von K-Food sind jedoch Social ­Media. Dort entstehen die Bilder, die Appetit machen, dort laufen die Challenges, die Millionen Klicks sammeln – und dort entscheidet sich oft auch, welches Gericht es vom Bildschirm in den Einkaufswagen schafft. Wie stark die sozialen Medien das Essverhalten beeinflussen, zeigt eine Studie von Publicis Commerce: Fast 72 Prozent der Gen Z planen ihre Mahlzeiten über Social Media – 84 Prozent auf Tiktok, 75 Prozent auf Instagram. 42 Prozent geben sogar an, Zutaten zu kaufen, die sie zuvor in Videos gesehen haben.

„Viele koreanische Gerichte, wie farbenfrohes Bibimbap oder die leuchtend rote Tteokbokki-Sauce, sind extrem fotogen und eignen sich perfekt für visuell getriebene Plattformen“, erklärt Christian Lutterbeck, Head of Youtube Sales Deutschland, gegenüber der Lebensmittel Praxis. Die schnelle Verbreitung funktioniere über ein Zusammenspiel von kulturellen Phänomenen, Plattformmechanik und visueller Ansprache.

Auch Tiktok setzt Trends, die weit über die Plattform hinaus wirken. „Food-Trends auf Tiktok kommen aus der Community heraus“, sagt Sahra Al-Dujaili, Group Vertical Director Consumer Goods bei Tiktok Deutschland. Sie verweist auf Beispiele wie die Erdbeerringe von @miralina.halal.sweets, die nach einem viralen Clip über zwei Millionen Aufrufe erzielten, was die Verkäufe sprunghaft steigen ließ. „Dazu passt auch ein übergeordneter Trend: Die Zahl der Suchanfragen auf Tiktok ist 2025 um 191 Prozent gestiegen – die Plattform ist für viele die erste An­laufstelle für Inspiration.“ Gerade im ­Food-Bereich werde diese Suche nach Ideen schnell in konkrete Nachfrage übersetzt.

Vom Geheimtipp zum Hype

Die ersten Wellen der Korea-Begeisterung erreichten Europa Mitte der 2010er-Jahre, als die „Fire Noodle Challenge“ und Mukbang-Videos auf Youtube viral gingen. Den endgültigen Durchbruch brachte schließlich die Pandemie: Dalgona Coffee auf Tiktok und die Netflix-Serie „Squid Game“ machten koreanisches Essen weltweit bekannt. Getragen von der „Hallyu“-Welle – dem weltweiten Erfolg koreanischer Popkultur mit K-Pop, K-Dramen und K-Beauty – entwickelte sich Essen zum Lifestyle. Ein wichtiger Treiber sei dabei das Fandom, erklärt Lutterbeck: Ob die Lieb­lings-Ramyeon von K-Pop-Idols oder eine nachgekochte Mahlzeit aus einem K-Drama – Food-Trends sind für viele junge Konsumenten auch ein Weg, sich tiefer mit der Popkultur zu verbinden.

Dass dieser Trend längst weit über einzelne Hypes hinausgeht, zeigt eine Studie von Tiktok und Kantar: Demnach dürfte sich das weltweite Aus­gabenvolumen für koreanische Kulturprodukte – von Musik über Mode bis Lebensmittel – bis 2030 fast verdoppeln und rund 143 Milliarden US-Dollar ­erreichen.

Zwei Fragen an ...

Sahra Al-Dujaili, Group Vertical Director Consumer Goods & Head of Agencies Tiktok

Welche Formate eignen sich für Lebensmittel auf Tiktok besonders gut?

Für Aufmerksamkeit sorgen kurze Rezeptvideos oder Streetfood-Clips. Um die Community einzubinden, funktionieren Challenges besonders gut. Wenn es ums Kaufen geht, helfen How-to-Videos oder Rezensionen, da sie Vertrauen schaffen. Immer ein Erfolgsfaktor: die Inszenierung von Texturen, von knusprig bis cremig. Das macht Lebensmittel greifbar und emotional.

Welche K-Food-Trends beobachten Sie gerade auf Tiktok?

Gerade spannend ist #mugwort, auf Koreanisch Ssuk, ein traditionelles Superfood, das als neuer Signature-Flavor in Desserts und Lattes auftaucht und stark an Matcha erinnert. Außerdem boomen Jellys und Gelees wie #KonjacJelly oder Yuzu-Drinks, die mit auffälligen Farben, besonderen Texturen und Gesundheitsversprechen perfekt für Tiktok sind. Und wir sehen viel Cross-Cultural Cooking, etwa #KoreanTacos, die unterschiedliche Küchen kreativ verbinden.

Doch was ist K-Food eigentlich?

„K-Food“ steht für die koreanische Küche und ihre typischen Produkte. Kennzeichnend sind Reis als Basis, Suppen und Eintöpfe sowie intensive Aromen durch Sojasauce, Fermentation und Schärfe – allen voran die Chilipaste Gochujang. Ein weiteres Markenzeichen sind zahlreiche Beilagen („Banchan“). Am bekanntesten ist Kimchi, fermentiertes und scharf gewürztes Gemüse, das weltweit als Symbol für K-Food gilt. Insgesamt gilt Hansik, die koreanische Esskultur, als eher gesund – mit viel Gemüse, wenig Fett, aber hohem Salzgehalt.

Laut Kreyenhop & Kluge, einem Importhaus für asiatische Lebensmittel, stieg der Umsatz im Unternehmen mit koreanischen Produkten im Lebensmitteleinzelhandel von 2022 bis 2024 um mehr als das Doppelte. Korea sei damit inzwischen die Nummer zwei im Sortiment – direkt nach Thailand.

Für Händler heißt das: K-Food bewegt sich in Richtung einer eigenständigen Warengruppe. Globus etwa listet online bereits eine große Auswahl an koreanischen Produkten – von Instant-Nudeln über Kimchi bis zu Snacks und Getränken. Auch andere große Händler signalisieren ein Umdenken: Edeka baut seine Asia-Eigenmarke Mìng Chú mit Kimchi aus, und Rewe führt online eine eigene Kategorie „Koreanisches Essen“.

Auch Hersteller ziehen mit

Auch internationale Hersteller haben längst passende Produkte im Angebot. So hat Nissin mit den „Nissin Ramen Korean Hot Chili“ ein koreanisch in­spiriertes Produkt im Sortiment. „Social Media ist für uns der Dreh- und Angelpunkt. Hier können wir je nach Marktsituation, Produktverfügbarkeit und lokalen Vorlieben direkt in den Kontakt treten und steuern, wer was wie oft sieht“, erklärt Olaf Büttner, CEO von Nissin Foods Deutschland. Dabei entstehe Reichweite nicht nur über klassische Werbung, sondern auch über Entertainment. Die Maskottchen Demae Boy und Cupman treten in kurzen Clips auf, bieten Sprachkurse für die Community an oder erleben kleine Abenteuer. „Wer sich zu ernst nimmt, hat Social Media nicht verstanden“, so Büttner. Um Trends frühzeitig zu erkennen, beobachte das Unternehmen die Plattformen sehr genau. Kombiniert mit Marktforschung und Konsumenten-Feedback stelle Nissin sicher, dass kein Trend verborgen bleibt.

Auch der Sojasaucen-Hersteller Kikkoman reagiert auf die wachsende Nachfrage nach koreanischen Aromen und bringt eine Teriyaki-BBQ-Sauce im „Korean Style“ auf den Markt. Sie soll den süß-würzigen Geschmack koreanischer BBQ-Gerichte in die heimische Küche bringen.

Vom Hype zur festen Größe

Die Dynamik des Marktes deutet darauf hin, dass K-Food weit mehr als ein kurzfristiger Trend ist. Eine starke Social-Media-Präsenz, die anhaltende Popularität der koreanischen Popkultur sowie die zunehmende Sichtbarkeit auf internationalen Fachmessen wie der Anuga verleihen der Warengruppe zusätzlichen Rückenwind.

„Wir gehen davon aus, dass der K-Food-Trend zunehmend von einer kurzfristigen Mode zu einer dauerhaften ­kulinarischen Bewegung wird“, erklärt Kristina Honrath, Marketingchefin Deutschland bei Develey Senf & Feinkost (Kikkoman). Auch Isabella Güstrau, Head of Marketing bei Kreyenhop und Kluge, ist überzeugt: „Genau wie die japanische oder thailändische Küche wird auch Korea dauerhaft bleiben. Die jüngere Generation wächst mit diesen Produkten auf – und was man aus der Kindheit kennt, bleibt oft ein Leben lang.“

Länderküche Asien „Koreanische Küche ist kein Hype – sie bleibt“
Isabella Güstrau

Die koreanische Küche boomt. Wie nehmen Sie die Entwicklung in Deutschland wahr?

Wir sehen ein überproportionales Wachstum im Lebensmittelhandel – seit 2022 hat sich der Umsatz signifikant gesteigert. Korea ist inzwischen die Nummer zwei in unserem Portfolio, direkt nach Thailand.

Ist koreanisches Essen schon Mainstream – oder noch eine Nische?

Noch kein Massenmarkt, aber auch keine Nische mehr. Produkte wie Kimchi, Panko oder Soju finden zunehmend ihren Platz in deutschen Haushalten – heute probiert selbst die Großmutter beim Familienessen koreanische Gerichte, während die junge Generation über K-Pop und Social Media dazukommt.

Welche Produkte laufen gerade besonders gut?

Alles, was schnell geht: Kimchi, Tiefkühlprodukte wie Dumplings und natürlich Instant-Nudeln. Viele verfeinern ihre Suppe mit frischen Zutaten – das geht schnell, ist leicht und sättigt. Auch Snacks und Süßwaren entwickeln sich stark. Der Trend zeigt: Konsumenten suchen nach unkomplizierten Lösungen, die trotzdem authentisch schmecken – und das liefert die koreanische Küche.

Welche Tipps geben Sie Händlern für ihr Korea-Sortiment?

Wir empfehlen, mindestens drei Regalböden zu reservieren. Dazu gehören Saucen, Snacks, Getränke und Kimchi. Wichtig ist, das Sortiment mindestens sechs Monate zu beobachten und Zweitplatzierungen zu nutzen, etwa für Instant-Nudeln oder Spirituosen wie Soju.

Gibt es regionale Unterschiede?

Ja, in Städten mit großen koreanischen Communitys wie Frankfurt ist die Nachfrage nach authentischen Produkten hoch. In Uni-Städten wie Heidelberg laufen trendige Sortimente gut. Händler sollten Umfeld und Zielgruppen, von K-Pop-Fans bis zu erfahrenen Foodies, berücksichtigen.

Viele Food-Trends kommen und gehen. Bleibt Korea?

Davon bin ich überzeugt. Koreanische Küche ist kein Hype – sie bleibt wie die japanische oder thailändische Küche. Für uns heißt das: Wir dürfen nicht nur reagieren, sondern den Markt aktiv mitgestalten. Nur so bleibt die Begeisterung bestehen.

Das Interview mit Isabella Güstrau, Head of Marketing Kreyenhop & Kluge, führte Theresa Kalmer.

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